Von: Matthias Knapp
Bozen – Italien will zurück zur Atomkraft. Am Mittwoch hat der Senat dafür endgültig grünes Licht gegeben. Die Regierung darf jetzt innerhalb eines Jahres selbst die Regeln festlegen, wo Atomkraftwerke stehen dürfen, welche Reaktoren erlaubt sind und was mit dem Atommüll passiert. Die Grünen-Co-Sprecher Kathrin Werth und Zeno Oberkofler üben scharfe Kritik.
„Die Menschen in Italien haben zweimal per Volksabstimmung Nein zur Atomkraft gesagt, 1987 und 2011. Jetzt stellt sich die Regierung selbst einen Blankoscheck aus: Das Gesetz sagt nicht, wo die Reaktoren stehen sollen, und lässt offen, wer das bezahlt“, sagen Werth und Oberkofler. „Dabei setzt Rom vor allem auf kleine modulare Reaktoren, die eine Augenwischerei sind. Die wenigen Projekte weltweit kämpfen mit Verzögerungen und explodierenden Kosten. Selbst nach Schätzung des Ministers kämen die ersten Anlagen frühestens 2033/34 – zu spät für den Klimaschutz. Und wohin mit dem Atommüll? Italien hat bis heute kein nationales Lager dafür.“
Atomkraft bleibe eine Hochrisikotechnologie, so die Grünen. Tschernobyl und Fukushima hätten gezeigt, dass ein einziger Unfall ganze Regionen für Jahrzehnte unbewohnbar machen könne. Hochradioaktiver Abfall bleibe über Jahrtausende gefährlich und belastet damit unzählige kommende Generationen.
„Gerade Italien stünden verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung, sauberen Strom aus natürlichen, erneuerbaren Quellen zu produzieren, von Wasser- über Windkraft bis hin zu Sonne und Gezeiten. Die Einführung von Atomkraft ist gänzlich unnütz und dient höchstens dazu von den Versäumnissen der Vergangenheit in diesem Bereich abzulenken“, sagt Kathrin Werth. Südtirol zeige mit seiner Wasserkraft, was erneuerbare Energie leisten kann. „Unsere Zukunft ist sauber, bürgernah und dezentral – nicht atomar.“
Die Grünen fordern, Geld und politische Energie dort einzusetzen, wo sie sofort wirken: bei Photovoltaik auf Dächern und bereits versiegelten Flächen und bei Energiegemeinschaften. Gleichzeitig brauche es massive Förderung der Forschung, Investitionen im Bereich von Speichermöglichkeiten und in modernen Netzen und nicht zuletzt einen ernsthaften Einsatz bei der Reduktion des Energieverbrauchs.
Das Gesetz enthält eine Schutzklausel für die autonomen Provinzen. Die Grünen fordern die Landesregierung auf, klar Stellung zu beziehen: „Südtirol muss atomfrei bleiben. Wir erwarten, dass die Landesregierung jeden Spielraum der Autonomie nutzt und sich unmissverständlich gegen Atomkraft auf unserem Gebiet ausspricht.“




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