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Beleidigter Trump

Dienstag, 13. Oktober 2026 | 01:58 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Nur wenige Tage ist es her, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump als „schwach“ bezeichnete – und prompt folgt die Rache: Trump drohte damit, die für die Ukraine lebenswichtigen Geheimdienstinformationen nicht mehr zu teilen. Am späten Montagabend hatte es den Anschein, dass es sich um mehr als nur um leere Worte handelt.

Selenskyj hatte Trump kritisiert, nachdem dieser US-Sanktionen gegen russische Dieselexporte aufgehoben hatte, um die Treibstoffpreise in den USA vor den Kongresswahlen in drei Wochen zu senken. Gleichzeitig verlangt die Trump-Administration von der Ukraine, Attacken auf russische Ölraffinerien zu stoppen, damit der Ölpreis nicht weiter steigt.

Tatsächlich war der Ölpreis vor dem Konflikt mit dem Iran relativ stabil, doch Trump steht wegen gestiegener Spritpreise in den USA vor den Zwischenwahlen im November unter Druck und benötigt einen Sündenbock. Durch den Deal kann Russland zunächst 500.000 Tonnen Diesel auf den Weltmarkt bringen. Am Preis wird das aber kaum was ändern, da die USA rein rechnerisch 300.000 Tonnen in 14 Stunden verbrauchen.

Dennoch handelt es sich um ein fatales Signal: Ein US-Präsident, der aus Angst vor einer Wahlschlappe plötzlich einknickt, lässt die westlichen Verbündeten der Ukraine tatsächlich schwach aussehen. Gleiches betrifft die EU: Seit Beginn der russischen Offensive gegen die Ukraine wurden zahlreiche Sanktionen gegen Russland verhängt, doch viele Länder, darunter Frankreich, decken ihren Bedarf weiterhin mit russischer Energie, insbesondere mit Flüssigerdgas (LNG). Staaten wie die Slowakei und Ungarn profitieren zudem von einer Ausnahmeregelung. Dazu kommen noch russisches Öl und Gas, das auf indirektem Weg nach Europa gelangt, nachdem es in Drittländern wie Indien und der Türkei verarbeitet wurde.

Halten die USA nun bewusst Geheimdienstinformationen zurück? Offizielle Bestätigung gibt es keine, trotzdem wäre es Trump zuzutrauen. Zu dumm nur, dass das Schicksal der Ukraine, Europas und letztendlich auch der Welt in den Händen eines beleidigten Egos liegt.

Bezirk: Bozen

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