Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Neuer Wohnraum und leistbares Wohnen waren Kernthemen der Sitzung der Landesregierung mit dem Bozner Stadtrat, die am 6. Oktober im Bozner Rathaus stattgefunden hat. Dabei kamen auch spezifische Probleme der Landeshauptstadt, wie fehlende Mitarbeiterunterkünfte, die Kurzzeitvermietung sowie die Nutzung leerstehender WOBI-Immobilien zur Sprache. Thematisiert wurde auch die Umgestaltung der Huber-Kaserne.
“Sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen weist Bozen den größten Wohnraumbedarf aller Südtiroler Gemeinden auf. Die Landeshauptstadt wird in den kommenden Jahren Tausende zusätzliche Wohnungen benötigen, um einem weiteren Anstieg des ohnehin hohen Preisniveaus entgegenzuwirken”, betonte Wohn-Landesrätin Ulli Mair. Die Rückgewinnung von bestehendem Wohnraum und eine stärkere Verdichtung im Bestand seien dabei wichtige Bausteine, “alleine werden sie aber nicht ausreichen, um dem Wohnbedarf in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu entsprechen”, stellte Mair fest. Es gehe deshalb in nächster Zukunft vor allem darum, gemeinsam geeignete und nutzbare Wohnbauzonen zu identifizieren und auszuweisen, um die Voraussetzungen für den notwendigen Wohnungsneubau zu schaffen.
Vizebürgermeister und Urbanistikstadtrat Stephan Konder verwies auf zahlreiche Wiedergewinnungsprojekte, die die Gemeinde Bozen derzeit verfolge, etwa in der Drusus- und der Reschenstraße. Diese seien der Ausweisung neuer Zonen vorzuziehen. Ein wichtiges Zukunftsprojekt sei die Umgestaltung der Huber-Kaserne. Landeshauptmann Arno Kompatscher regte diesbezüglich gegenüber der Gemeinde an, auf neue Modelle zurückzugreifen, die mit der Wohnreform 2025 eingeführt wurden. “Der gemeinnützige Mietwohnbau bietet der Gemeinde die Möglichkeit, die Zone nach den Bedürfnissen der Stadt zu gestalten; dank der großzügigen Förderungen, die vorgesehen sind, wäre diese Vorgehensweise auch finanzierbar”, betonte Kompatscher. Auch was die Zone Schwefelbad angeht, zeigte sich Landesrätin Mair zuversichtlich, dass mit dem gemeinnützigen Mietwohnbau 120 bis 150 Wohnungen geschaffen werden können.
Im Zusammenhang mit der Ausweisung neuer Wohnbauzonen wies Raumentwicklungslandesrat Peter Brunner auf das Modell „Wohnen mit Preisbindung“ hin. „Die Gemeinden sind der Schlüssel für mehr leistbaren Wohnraum. Mit dieser neuen zusätzlichen Form des geförderten Wohnbaus wird es möglich, neuen Wohnraum zu entwickeln, der nicht der Spekulation dient, sondern den Menschen vor Ort zugutekommt”, erklärte Brunner. Ziel des Konzeptes sei es, Wohnungen zu klar definierten und kontrollierten Preisen anzubieten und damit die Kosten spürbar zu senken. „Erfahrungen aus anderen Gemeinden zeigen, dass das Modell gut angenommen wird und Reduzierungen der Quadratmeterpreise von 20 bis 25 Prozent mit sich bringen kann.”
Erfreut zeigte sich Brunner darüber, dass auch die Landeshauptstadt Bozen mit der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms (GProRL) begonnen hat. „Damit sind nun alle 116 Südtiroler Gemeinden mit der künftigen Gestaltung und Entwicklung des eigenen Gemeindegebiets befasst – rund 20 Gemeinden verfügen bereits über ein genehmigtes GProRL, die übrigen sind in der Genehmigungs- oder Ausarbeitungsphase“, so Brunner.
Bürgermeister Claudio Corrarati berichtete den Mitgliedern der Landesregierung weiters über den immer noch starken Druck, den die touristische Kurzzeitvermietung in Bozen auf den Wohnungsmarkt ausübe. Corrarati und Wohnbau-Stadtrat Tritan Myftiu sprachen auch die Problematik der mittlerweile etwa 50 Arbeiterinnen und Arbeiter an, die trotz unbefristeten Arbeitsvertrags obdachlos seien. Insgesamt seien in Bozen etwa 700 Wohnungen für Arbeiter und Arbeiterinnen (unter anderem auch aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich) notwendig. Land und Gemeinde zeigten sich darin einig, dass hier nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch die Unternehmen und Betriebe selbst gefordert seien, Initiativen zur Unterbringung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ergreifen. In der Landeshauptstadt werde diese Möglichkeit noch viel zu wenig genutzt.
Bezüglich der in Bozen leer stehenden Immobilien des Wohnbauinstituts (WOBI) zeigten sich Land und Gemeinde einig, dass diese zu begünstigten Preisen für kulturelle, soziale oder gewerbliche Zwecke vermietet werden sollen. “Diesbezüglich wünsche ich mir, dass mit dem neu eingesetzten WOBI-Verwaltungsrat die entsprechenden Weichen gestellt werden können”, erklärte Mair. Auch das Pilotprojekt der Gemeinde Bozen, die sanierungsbedürftige Mietwohnungen durch den Einsatz von Genossenschaften rascher wieder auf den Wohnungsmarkt bringen will, könne für WOBI-Unterkünfte ein Modell sein.




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