Houthi bekannten, Flughafen "stillgelegt" zu haben

Erneut Geschoss am Flughafen in Riad eingeschlagen

Sonntag, 11. Oktober 2026 | 19:20 Uhr

Von: importer

Nach einem Angriff mit 13 Toten und hunderten Verletzten ist der internationale Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad am Sonntag erneut angegriffen worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die jemenitische Houthi-Miliz erklärte, ein Geschoss sei im Terminal 4 des Flughafens eingeschlagen und habe einen Brand ausgelöst.

Die Luftabwehr habe zudem “einen Marschflugkörper in der Nähe des Flughafens abgefangen und zerstört”, teilte Koalitionssprecher Turki al-Maliki mit. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP und Bewohner Riads hatten zuvor zwei starke Explosionen gehört. Die saudischen Behörden ordneten unterdessen an, den Präsenzunterricht an Schulen bis Donnerstag auszusetzen und auf Fernunterricht umzustellen.

Am Samstag waren bei einem Angriff auf den Flughafen von Riad nach saudi-arabischen Angaben 13 Menschen getötet und 309 weitere verletzt worden. Der Flughafen wurde geschlossen, auch am Sonntag blieb der Flugbetrieb ausgesetzt. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition machte die Houthi-Miliz im Jemen für den Angriff verantwortlich. Die Houthi-Rebellen bekannten sich anschließend in einer Fernsehansprache zu dem Angriff. Zudem erklärte die Gruppierung, sie habe den Flughafen Dammam sowie Anlagen des Ölkonzerns Aramco in der Ostprovinz Saudi-Arabiens angegriffen.

Flugbetrieb vorerst eingestellt

Weiter hieß es, die 309 Verletzten würden “in mehreren Krankenhäusern” behandelt, einige schwebten in Lebensgefahr. In der Mitteilung war außerdem von “materiellen Schäden” durch den Angriff die Rede, deren Ausmaß noch geprüft werde.

Es handelt sich um den tödlichsten Angriff in Saudi-Arabien seit 2015. Damals waren bei einem Selbstmordanschlag der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) 21 Menschen in einer Moschee im Verwaltungsbezirk Katif getötet worden. Zugleich bekräftigten die Houthi am Sonntag ihre Warnung vor der Nutzung des Airports von Riad. Fluggesellschaften, Flughafenmitarbeiter und Reisende sollten die Warnung ernst nehmen, teilt die Gruppe mit. Saudi-Arabien trage die Verantwortung für gescheiterte Abfangmanöver.

Rakete schlug am Inlandsflugterminal ein

Nach Angaben eines Augenzeugen schlug die Rakete am Inlandsflugterminal ein. “Ich war am Gate 403”, sagte der Mann der Nachrichtenagentur AFP. “Ich sah, wie 401 getroffen wurde, ich sah Verletzte direkt vor meinen Augen. Alle rannten.”

Wegen der “schweren Notsituation” bestellte das saudi-arabische Gesundheitsministerium nach Angaben aus Medizinerkreisen Notärzte ein, die sich in Krankenhäusern in Riad und Umgebung um die vielen Verletzten kümmern sollten.

Weiterer Angriff nahe Flughafen Dammam

Ein weiteres Geschoss schlug am Samstag in der Nähe des internationalen Flughafens der Stadt Dammam an der Ostküste Saudi-Arabiens ein, wie die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition erklärte. Sie teilte am Sonntag zudem mit, dass sie in Al-Kharj südöstlich von Riad eine von der Houthi-Miliz abgefeuerte ballistische Rakete abgeschossen habe. In der Gegend befindet sich der Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkt.

Mehrere westliche Länder raten inzwischen von einer Nutzung des internationalen Flughafens von Riad ab. Die Airlines der Lufthansa Group – dazu gehört auch die AUA – hatten bereits am Freitag mitgeteilt, ihre Flüge nach Riad bis einschließlich 16. Oktober aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Region zu streichen. Die Angriffe auf den Airport treffen Saudi-Arabien kurz bevor es im Oktober eine große Investitionskonferenz veranstaltet, zu der aus dem Ausland viele führende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft erwartet werden.

Betroffen ist mitunter die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die nicht wie geplant aus Riad abreisen kann. Wie eine Ministeriumssprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, kann die für Montag geplante Rückreise aufgrund der Sperrung des Flughafens voraussichtlich nicht wie vorgesehen stattfinden. Reiche habe sich schon vor den Angriffen auf den Flughafen in Saudi-Arabien aufgehalten, um an Energie-Konferenzen teilzunehmen.

Internationale Reaktionen

Auf den Angriff in Riad folgten internationale Solidaritätsbekundungen. “Wir werden keinerlei Aggression dulden. Wir hoffen, dass die Angelegenheit friedlich beigelegt wird. Andernfalls steht Pakistan fest an der Seite Saudi-Arabiens und wird jede erdenkliche Unterstützung leisten”, erklärte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif. Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei hatten im August einen Verteidigungspakt unterzeichnet. Er enthält eine Beistandsklausel ähnlich der im NATO-Vertrag, wonach ein Angriff auf eine Partei als Angriff auf alle gewertet wird. Bisher hat sich Pakistan mit Militärhilfe noch zurückgehalten.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den tödlichen Angriff auf den Flughafen von Riad als “gefährliche Eskalation”. Die Houthi müssten Angriffe auf zivile Ziele beenden. “Diese Attacken von Irans Stellvertretern treiben die Region in eine Spirale der Gewalt”, erklärte von der Leyen am Sonntag. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verurteilte den Angriff als “fürchterlichen Terrorakt”, für den es “keine Rechtfertigung” gebe. UNO-Generalsekretär António Guterres zeigte sich “zutiefst schockiert”. “Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur sind eine Verletzung des Völkerrechts. Diese Angriffe müssen sofort aufhören”, so auch Guterres.

Darüber hinaus verurteilte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) die Houthi-Angriffe am Sonntag und erklärte Österreich voll solidarisch mit Saudi-Arabien. “Zivile Infrastruktur anzugreifen, ist unentschuldbar und äußerst verwerflich”, so Stocker auf X. Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul verurteilte den Angriff auf den Hauptflughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad scharf. Auf der Plattform X sprach der CDU-Politiker von einem Terrorakt gegen Saudi-Arabien und die zivile Luftfahrt.

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