Von: Matthias Knapp
Innsbruck – Der Euregio-Rat der Gemeinden hat am Freitag, 25. September in Innsbruck getagt. Es war die Auftaktsitzung des Rates im Lauf der Tiroler Präsidentschaft 2025-27 und somit die erste unter Vorsitz des Präsidenten des Tiroler Gemeindeverbandes, Karl-Josef Schubert.
Der Euregio-Präsident, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle hob in seinen Grußworten die wichtige Rolle der Gemeinden für die Euregio hervor: „Die Gemeinden sind das entscheidende Bindeglied, um die Idee der Zusammenarbeit über unsere Landesgrenzen hinweg von der institutionellen Ebene direkt in den Alltag der Menschen zu tragen. Der Euregio-Rat der Gemeinden kann diese Zusammenarbeit nachhaltig festigen: Je enger und langfristiger die Kommunen grenzübergreifend kooperieren, desto mehr machen sie die Euregio für die Bevölkerung greifbar und spürbar.“
Grenzüberwindende Innovationsoffensive auf Gemeindeebene geplant
Ein Schwerpunkt der Ratssitzung waren die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit, die Gemeinden aus Tirol, Südtirol und dem Trentino über die Grenzen hinweg pflegen. Wie der Präsident des Euregio-Rates der Gemeinden Schubert berichtete, „gibt es davon eine ganze Vielfalt: Es wirken sowohl Gemeindeverwaltungen als auch ehrenamtliche Vereine oder Menschen auf Eigeninitiative zwischen Tirol, Südtirol und dem Trentino zusammen“.
Nun will der Euregio-Rat der Gemeinden einen weiteren Schritt setzen und hat eine Arbeitsgruppe zu Innovationsthemen wie Energie oder Digitalisierung ins Leben gerufen. Sie soll in den nächsten Monaten kommunale Vorzeigebeispiele in den drei Euregio-Ländern besuchen und Vorschläge für eine Gemeinden-Innovationsinitiative erarbeiten. Diese will der Euregio-Rat der Gemeinden anschließend dem Euregio-Vorstand vorlegen.
Gemeinsam mit Karl-Josef Schubert betonen auch der Präsident des Gemeindenverbandes Südtirol, Dominik Oberstaller und die Vizepräsidentin des Gemeindenverbandes Trentino, Mariavittoria Mottes, dass man damit das Voneinander-Lernen stärken und konkretisieren und einen größeren gemeinsamen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger erzielen will.
Über die bisherige Entwicklung berichtete Euregio-Projektleiter Fritz Tiefenthaler: „Rund 60 Initiativen zählt die Euregio derzeit: Sie reichen von losen Gemeinde-Freundschaften und Kulturaustauschen über funktionale gegenseitige Unterstützung auf Verwaltungsebene oder gemeinsame Projekte grenznaher Gemeinden mit Hilfe von Interreg- und Fit4Co-Programmen bis zu formalisierten Euregio-Gemeindepartnerschaften. Dabei lebt die Initiative meist von Personen in den Gemeinden, die vom Wert einer solchen Zusammenarbeit überzeugt sind.“
So tauschen sich unterschiedlichste Vereine gegenseitig aus. Mitglieder der Südtiroler Talgemeinde Marling und der Osttiroler Berggemeinde Kals am Großglockner beispielsweise helfen einander jährlich gegenseitig bei der Apfel- und Heuernte. Auch Unterstützung bei der Digitalisierung der Gemeindeverwaltung hat es zwischen Tscherms bei Meran und Oberhofen im Inntal bereits gegeben.
Neuauflage für Gemeinde-Handbuch
Zur Sprache kam auch das „Euregio-Handbuch für Gemeinderäte“. Dieser Leitfaden war anlässlich der letzten Sitzung des Euregio-Rats der Gemeinden unter Südtiroler Vorsitz am 24. September 2025 in Bozen vorgestellt und zunächst in einer Auflage von 9.000 Stück gedruckt worden.
Als Orientierung über Geschichte, Entwicklung, Strukturen und Aufgaben der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino wurde die Broschüre allen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten in der Euregio zur Verfügung gestellt. Mit großem Erfolg, wie Ratspräsident Schubert betont: „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Aufgrund der großen Nachfrage hat die Euregio weitere 6.000 Stück nachgedruckt und im Sinne der Bürgerinnen- und Bürgerinformation zur Verfügung gestellt.“
Als „Wegweiser für kommunale Zusammenarbeit“ stellt die Broschüre zentrale Projekte, Schwerpunkte und Herausforderungen, aber auch praktische Informationen für die kommunale Entwicklung – etwa zu bestehenden EU-Förderprogrammen für Gemeinden – vor. Entstanden ist sie im Rahmen des von der EU geförderten Interreg-Projekts „Fit for Cooperation“ (Fit4Co) unter Leitung des Südtiroler Gemeindenverbandes zusammen mit den Gemeindeverbänden von Tirol und des Trentino.
Euregio-Gemeindetag im Mai 2027
Die Sitzung des Euregio-Rats der Gemeinden diente auch der Vorbereitung für den nächsten Euregio- Gemeindetag, der am 7. Mai 2027 in Fügen im Vorsitzland Tirol stattfinden wird. Seit 2021 treffen sich Gemeindevertreterinnen und -vertreter aus den drei Euregio-Ländern regelmäßig, um im Rahmen des Euregio-Gemeintags ihre grenzüberwindende Zusammenarbeit in verschiedenen Themenfeldern weiter zu festigen.
Der Euregio-Rat der Gemeinden
So wurde der Euregio-Rat der Gemeinden im Rahmen des Euregio-Gemeindetags am 30. September 2021 konstituiert. Seine primäre Aufgabe ist es, den Euregio-Vorstand, also die drei Landeshauptleute in all jenen Angelegenheiten der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino zu beraten, die den Wirkungsbereich der Gemeinden betreffen oder besondere Auswirkungen auf sie haben.




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