Von: importer
Im Rennen um die Nachfolge von UNO-Generalsekretär António Guterres verfestigt sich die Führungsrolle der lateinamerikanischen Diplomatin Rebeca Grynspan. Die Costaricanerin hat in einer weiteren Probeabstimmung im UNO-Sicherheitsrat die größte Unterstützung erhalten, wie aus Diplomatenkreisen bekannt wurde. Im Vergleich zur vorherigen Runde habe sie eine weitere Stimme hinzugewonnen und komme nun auf zehn Befürworter.
Drei Mitglieder sprachen sich gegen die 70-Jährige aus – zwei weniger als zuvor. Zwei enthielten sich demnach. Grynspan wäre die erste Frau, erste Mittelamerikanerin und erste Jüdin an der Spitze der im Jahr 1945 gegründeten Weltorganisation. Die UNO hatte bisher neun Generalsekretäre, darunter auch der spätere österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim (1972-81).
Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates befinden sich derzeit in der Phase der Kandidatenfindung. Mit geheimen Probeabstimmungen wird versucht, sich auf eine Nominierung zu einigen. Ein Kandidat braucht mindestens die Stimmen von neun Mitgliedern. Die ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat – USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien – haben auch in diesem Verfahren Vorrechte: Mit einer Gegenstimme können sie einen Kandidaten blockieren. Gibt es eine Einigung, wird diese zur Bestätigung den 193 Staaten in der UNO-Vollversammlung vorgeschlagen. Kein weiterer der sechs anderen Kandidaten kam in dieser Runde den Angaben nach auf die erforderlichen neun Stimmen.
Ex-Vizepräsidentin von Costa Rica hat langjährige UNO-Erfahrung
Grynspan ist Tochter jüdischer Einwanderer aus Polen, die nach Costa Rica ausgewandert waren. Die Ökonomin ist eine langjährige UNO-Funktionärin. Die frühere Vizepräsidentin Costa Ricas leitet seit 2021 die UNO-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD und war zuvor unter anderem UNO-Untergeneralsekretärin sowie in führender Position bei dem UNO-Entwicklungsprogramms UNDP. Grynspan war auch maßgeblich an der Schwarzmeer-Initiative zur Errichtung eines Getreidekorridors im Ukraine-Krieg beteiligt.
Guterres’ Amt endet am 31. Dezember. Nach zwei Amtszeiten kann der Portugiese nicht noch einmal kandidieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Bewerber für den Posten in den kommenden Wochen hinzustoßen. Der Sicherheitsrat hat bereits vier Mal abgestimmt. In einer nächsten Runde könnte es laut Diplomaten nun eine farblich gekennzeichnete Abstimmung geben. So würde deutlich, ob die Gegenstimmen von Vetomächten stammen.




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