Der Tod einer Pestforscherin in Sibirien sorgte für Aufregung

Kein Biowaffen-Hinweis nach Tod von Forscherin in Sibirien

Samstag, 10. Oktober 2026 | 05:00 Uhr

Von: importer

Nach dem Tod einer Wissenschafterin an einem Pest-Forschungszentrum in Sibirien sind Spekulationen aufgekommen, dass die Verstorbene daran gearbeitet haben könnte, die Pest als Biowaffe verwendbar zu machen. Oberst Martin Weiler vom ABC-Abwehrzentrum des Bundesheeres sieht im Gespräch mit der APA dafür jedoch keine Anzeichen. Eine Beurteilung aus der Entfernung sei aber ohnehin unmöglich.

Wenn man sich die Bilder des Labors in den Medien anschaue, deute nichts auf ein militärisches Labor hin, so Weiler. Zudem sei es immer eine Gratwanderung, ob an einem Impfstoff zu einem bestimmten Erreger geforscht werde oder an einem Erreger für offensive Zwecke. “Wenn bei uns Pest im Boden oder bei Nagetieren vorkommen würde, würden sich bei uns auch Labore mit der Pest beschäftigen”, betont der Oberst des Bundesheers.

Diesen Forschungslabors dann zu unterstellen, dass an Kampfstoffen geforscht werde, komme vor. So habe Russland etwa der Ukraine 2022 vorgeworfen, an biologischen Kampfstoffen zu forschen. “Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Informationskampagnen, weil ein wahrer Kern da ist. Der Erreger ist da und ist potenziell gefährlich.”

Bis in die 1970er-Jahre habe es in allen Militärblöcken, sowohl aufseiten Russlands als auch der USA, Versuche gegeben, Krankheitserreger wie die Hasenpest oder Ebola gefährlicher und militärisch nutzbarer zu machen, erzählt Weiler. Zwar sei der Einsatz chemischer und biologischer Kampfstoffe im Krieg mit der Unterzeichnung des Genfer Protokolls 1925 verboten worden. Die Forschung an biologischen Kampfstoffen sei aber bis zur Unterzeichnung der Biowaffenkonvention 1971 erlaubt gewesen.

Kein Kontrollregime bei Biowaffenkonvention

“Das Problem der Biowaffenkonvention ist, dass es kein Kontrollregime dahinter gibt”, konstatiert Weiler. Dies habe man bei der Verabschiedung der Chemiewaffenkonvention, die 1997 in Kraft trat, berücksichtigt und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) gegründet, die die Einhaltung der Konvention durch Kontrollen vor Ort überwachen kann.

Sollte es zu einem Einsatz einer biologischen Waffe kommen, “wird das am Ende des Tages vor dem UNO-Sicherheitsrat landen und dort behandelt werden”, so Weiler. Dies sei etwa passiert, als Kuba den USA vorgeworfen hatte, irgendwelche Schädlinge ausgebracht zu haben, um die Tabakernte zu vernichten. Auch im Falle des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein, der wirklich ein Biowaffenprogramm hatte, habe es jedes Mal einen UNO-Sicherheitsratsbeschluss gebraucht, um die Kontrolleure losschicken zu können. “In Wirklichkeit ist das System also ein bisschen schwerfällig”, so Weiler.

Japan setzte im Zweiten Weltkrieg Biowaffen in China ein

Für den Einsatz von biologischen Waffen in der Neuzeit gebe es wenige Belege. “Die einzigen, die das großflächig gemacht haben, waren die Japaner im Zweiten Weltkrieg auf dem chinesischen Festland”, so Weiler. Dabei seien alle möglichen Erreger ausprobiert worden. Das Problem beim Einsatz biologischer Waffen sei aber immer, dass man einen Erreger oft nicht hundertprozentig kontrollieren und nicht ausschließen könne, dass sich eigene Soldaten oder die eigene Bevölkerung anstecke.

Dies sei auch moralisch ein Rechtfertigungsproblem. Bei einem Krankheitserreger gebe es zudem immer Inkubationszeiten, wo eine Wirkung oft erst Wochen später eintrete, was im Gefechtsfeld aufgrund der verzögerten Wirkungseintritte militärisch auch ein Nachteil gegenüber anderen Waffen sei. Bei einer biologischen Bedrohung handle es sich daher immer um eine hybride Form. Gerade die wirtschaftliche Seite werde hier wenig beachtet, weil durch die Ausbringung eines Pflanzenschädlings oder Tierseuchenerregers könne massiver wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden.

Bundesheer für Einsätze gerüstet

Ein militärischer Einsatz von Biowaffen in Österreich sei nicht sehr wahrscheinlich, glaubt Weiler. Allerdings könne man den Einsatz im Einzeltäterbereich “vom verrückten Wissenschafter bis zum religiösen Fanatiker” freilich nie komplett ausschließen. Das Bundesheer ist jedenfalls für einen Einsatz gerüstet. Über ganz Österreich verteilt habe das Bundesheer fünf ABC-Abwehrgruppen und in jeder davon Einheiten, die für die Dekontamination zuständig seien.

So habe das Bundesheer etwa bei der jüngsten Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei Unterstützung bei der Dekontamination geleistet. Ein wichtiger Teil der Arbeit sei auch die Laboranalytik, die Erbringung von Nachweisen, um welchen Erreger es sich handle. Dazu habe man einerseits ortsfeste Labore, andererseits aber auch Labore, die im “Feld draußen direkt” betrieben werden können.

Vieles, was an Kapazitäten im Zuge der Corona-Pandemie aufgebaut worden sei, könne man jetzt nutzen und komme nun der biologischen Abwehr zugute, berichtet der Oberst weiter. Alles, was man im militärischen Bereich investiere, könne im Fall einer erneuten Pandemie auch zivil genutzt werden. “Die meisten Real-Einsätze haben wir aber eigentlich im Bereich der Tierseuchenbekämpfung, wo wir einfach die zivilen Behörden unterstützen.”

(Das Interview führte Martin Hanser/APA)

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