Planung im Einklang mit Klimazielen gefordert

Kreisverkehr Bruneck West: Grüne hinterfragen den Ausbau

Freitag, 09. Oktober 2026 | 15:21 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bruneck – Die Grünen Bruneck fordern beim geplanten Ausbau des Kreisverkehrs beim Milchhof eine Planung, die dauerhaft zur Verringerung des Autoverkehrs beiträgt. Alle fünf Grünen stimmten bei der Gemeinderatsitzung am 30. September 2026 gegen das Projektleitdokument.

„Zwei zusätzliche Abbiegespuren sollen den überlasteten Kreisverkehr entlasten. Doch die Gemeindetechniker warnten: Neue Gewerbe- und Tourismusbetriebe könnten den Entlastungseffekt wieder aufzehren. Für dieses Projekt sind rund 4,9 Millionen Euro veranschlagt“, erklären die Brunecker Grünen in einer Aussendung.

Die bestehenden Stausituationen würden die Menschen zwar belasten und nach Lösungen verlangen. Wenn zusätzliche Straßenkapazität zugleich weitere verkehrsintensive Ansiedlungen ermögliche, bleibe die langfristige Wirkung fraglich, so die Grünen. Auch die angekündigte Reihenfolge, zuerst den Kreisverkehr auszubauen und anschließend weitere Flächen umzuwidmen, beantwortet laut den Grünen diese Frage nicht.

„Niemand steht gerne im Stau, auch wenn wir als Teil davon dazu beitragen. Wenn wir auf jeden Engpass mit zusätzlichen Fahrspuren reagieren, setzen wir die Spirale aus mehr Straßenraum und mehr Verkehr fort. Das Land hat gute Kriterien für eine nachhaltige Mobilität beschlossen. Sie müssen sich auch in den tatsächlichen Bauentscheidungen wiederfinden“, erklärt Hanspeter Niederkofler. Ihn überzeugt die Dimension des vorgestellten Ausbaus angesichts der begrenzten Wirkung nicht.

Maximilian Gartner stellte im Gemeinderat besonders die Vereinbarkeit mit dem Klimaplan infrage. Südtirol will seine CO₂-Emissionen bis 2030 gegenüber 2019 um 55 Prozent senken; der Klimaplan sieht außerdem eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs um insgesamt 30 Prozent vor. „Beim Klimamonat sprechen wir über die Lebensqualität, die weniger Autoverkehr ermöglicht. Bei einer Investition von fast fünf Millionen Euro muss nachvollziehbar sein, wie das Projekt zu diesen Zielen beiträgt. Der Klimaplan darf an der nächsten Straßenkreuzung nicht enden“, so Gartner.

Die vorgesehenen Verbesserungen für Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad begrüßen die Grünen ausdrücklich. Sichere Radverbindungen und Querungen müssten auch bei Änderungen der Planung erhalten bleiben. Die angekündigte Verbesserung der Bushaltestelle sei ebenfalls sinnvoll. Gartner fragte zudem nach wirksamem Vorrang für den öffentlichen Verkehr: Eine eigene Busspur ist demnach im vorgestellten Konzept nicht vorgesehen. „Die angekündigte Bevorzugung von Bussen an städtischen Ampeln ist ein wichtiger Ansatz; wie Busfahrgäste an diesem Verkehrsknoten schneller und verlässlicher vorankommen, muss konkret geprüft werden“, so die Grünen.

Sie fordern deshalb, die laufenden Verkehrserhebungen und Simulationen für den gesamten Bereich einschließlich des Kreisverkehrs beim Supertip offenzulegen. Dabei müsse der zusätzliche Verkehr durch neue Ansiedlungen und Szenarien mit sinkendem Autoverkehr berücksichtigt werden. Zu vergleichen seien auch Lösungen, die mit weniger zusätzlicher Straßenfläche auskommen und Bus-, Rad- und Fußverkehr gezielt stärken. „Die Prüfung der Klimaverträglichkeit sowie sichere, möglichst direkte und barrierefreie Verbindungen gehören verbindlich in die weitere Planung. Wir wollen eine Lösung, die den Verkehr dauerhaft reduziert und den Menschen verlässliche Alternativen bietet. Bevor öffentliche Millionen verbaut werden, müssen Nutzen und Alternativen nachvollziehbar auf dem Tisch liegen“, so die Grünen Bruneck.

Bezirk: Pustertal

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