Von: Matthias Knapp
Brixen – Obwohl die Eröffnung des Hofburggartens in Brixen erst im Frühjahr 2028 geplant ist, lädt die Gemeinde Brixen bereits am 17. Oktober zu einem Fest, das mit Information, Spielen, Kultur, Musik und viel Kulinarik Lust auf den zukünftigen Garten wecken soll. Die Initiativgruppe für einen offenen Hofburggarten bekräftigt unterdessen erneut ihre Kritik an der Neugestaltung.
Die Initiativgruppe hat die Auseinandersetzungen um diesen historischen Garten seit dem ersten Pachtvertrag der Kurie mit der Gemeinde 2008 aufmerksam verfolgt. In zahlreichen Aktionen, Pressemeldungen, Anfragen und rechtlichen Schritte hat sie sich gegen die von der Gemeinde geplante Gartenanlage nach Plänen des Multimediakünstlers André Heller stark gemacht.
„Dafür gab es gute Gründe, die heute, 18 Jahre später, noch deutlicher ins Gewicht fallen: Der Garten im historischen Zentrum der Stadt mit seiner 400 Jahre alten Geschichte sollte dem ursprünglichen Pomarium nachempfunden sein und den Bestimmungen des Schutzes historischer Gärten (Charta von Florenz/ ICOMOS) entsprechen. Dafür haben sich nationale und internationale Fachleute mehrfach und mit Nachdruck ausgesprochen“, erklärt Barbara Fuchs für die Initiativgruppe für einen offenen Hofburggarten.
Der Garten sollte laut Initiativgruppe Einheimischen wie Gästen eine Möglichkeit des Rückzugs und der Begegnung mit der Natur ermöglichen, also einen niederschwelligen Zugang haben – als ein Ort, der das Bedürfnis nach Ruhe und entspanntem Aufenthalt stillt und womöglich untertags ganzjährig geöffnet ist. „Er sollte nicht zu einem touristischen Hotspot werden, der noch mehr Menschen in die Stadt lockt, die sich für ein Instagramfoto in den Garten drängeln. Er sollte eine Durchwegung erhalten, auf der die Menschen vom Süden der Stadt, darunter die Senioren aus dem Bürgerheim, gefahrlos in die Stadt gelangen“, so Barbara Fuchs. Und: „Die Errichtung und Instandhaltung des Gartens sollten so gestaltet sein, dass wenig Steuergelder verschwendet werden.“
Laut Initiativgruppe sprechen die Fakten nun eine andere Sprache: Gespräche mit dem Bürgermeister und der Projektmanagerin Stefanie Prieth – zuletzt am 10.07.2026 – sowie Anfragen der Opposition im Gemeinderat – letztere wurden am 9. September dieses Jahres beantwortet – gäben Aufschluss über die weiteren Kosten- wie Konzeptplanung des Hofburggartens.
Der Garten wird bekanntlich nach den Plänen Hellers gestaltet und als „botanisches Gedicht“ vermarktet. Die konkrete Gestaltung des Gartens obliegt der Laimburg mit grundlegender Unterstützung von Arch. Helga Salchegger, des Bauamts Brixen und eigens beauftragter Techniker.
Die veranschlagten Kosten belaufen sich jetzt schon auf 14 Millionen zuzüglich der 2,8 Millionen für 25 Kunstwerke, die ausschließlich von Günther Oberhollenzer und Enrico Nigris ausgewählt werden. „Beide Sachverständigen haben bereits früher Partei für das Projekt Heller ergriffen, wodurch ihre Objektivität in Frage gestellt werden muss“, kritisiert Fuchs.
Der Garten ist Teil des Diözesanmuseums und wird nur über das Museum zugänglich sein. Ein Ticketschalter ist vorgesehen, Brixnerinnen und Brixner dürften voraussichtlich mittels mycard Zugang erhalten, auch eine dynamische Preisgestaltung mit Slot-System wird angedacht.
„Das Museum erwartet sich durch den Garten eine Verdoppelung der Besucherzahlen auf etwa 100.000 jährlich, was dem Bedürfnis der Bevölkerung nach weniger Tagestourismus eklatant zuwiderläuft“, erklärt die Initiativgruppe. Die Kosten für die Führung des Gartens seien noch offen. „Über ihre beachtliche Höhe und den notwendigen Personalbedarf herrscht noch Schweigen“, betont Fuchs.
Seit Jahren sei viel Informations- und Aufklärungsarbeit geleistet, fährt Fuchs fort: durch die Initiativgruppe für einen offenen Hofburggarten, aber auch die Südtiroler Gewerkschaften, den Brixner Beschwerdechor, den Verein ‚heimat‘ und den Heimatpflegeverband. Die Expertise nationaler und internationaler Fachleute für historische Gärten hätten die Entscheidungsträgerinnen und -träger hingegen systematisch ignoriert.
„Das nun veranstaltete Fest ist ein weiterer Beweis für eine anhaltende Politik der Beschwichtigung. Es soll Bürgerinnen und Bürger für den Garten gewinnen, es lenkt aber ab von Fehlplanungen, überhöhten Kosten und der erschwerten Zugänglichkeit des Gartens für die Ortsansässigen“, erklärt Barbara Fuchs für die Initiativgruppe für einen offenen Hofburggarten.




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