Drei Wissenschaftlerinnen prämiert

Lidia-Menapace-Preise: Drei Arbeiten regen zum Nachdenken an

Mittwoch, 07. Oktober 2026 | 13:12 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die Förderpreise “Lidia Menapace” sollen dazu beitragen, dem Gleichstellungsthema mehr Raum in der öffentlichen Debatte zu verleihen. Am 7. Oktober wurden im Palais Widmann drei Diplomandinnen prämiert, die mit ihren Abschlussarbeiten dazu beigetragen haben. Es handelt sich um Sofia Moratti (1. Preis), Camilla Cristofoletti (2. Preis) und Alena Kerer (3. Preis). Landeshauptmann Arno Kompatscher und die Vertreterinnen des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen, Ulrike Oberhammer und Nadia Mazzardis, überreichten den jungen Wissenschaftlerinnen die Auszeichnung.

Die Themen der heuer von der Bewertungskommission als besonders gelungen angesehenen Arbeiten sind vielfältig: Sofia Moratti hat sich mit der Frage beschäftigt, wie die EU-Diplomatie noch geschlechtergerechter werden könnte, und dazu die Länder Ruanda und Schweden analysiert. Dafür hat sie die Kommission mit dem 1. Preis für ihre Arbeit “Strengthening the European External Action Service’s gender balanced diplomacy (Gap III) through models from Rwanda and Sweden” prämiert.

Eine Analyse des weiblichen Spracherwerbs von Migrantinnen im dreisprachigen Kontext Südtirols hat hingegen Camilla Cristofoletti erarbeitet und dafür den 2. Preis erhalten. Sie überzeugte mit ihrer Abschlussarbeit “Female Immigrant Language Acquisition in a Minority Context. An intersectional Study of Trilingual South Tyrol”.

Der Figur der Studentin im 19. Jahrhundert widmete sich hingegen Alena Kerer (3. Preis, “Weiblicher Bildungsaufstieg und soziale Grenzüberschreitungen. Die Studentin als Sozialfigur im literarischen Diskurs der Jahrhundertwende”).

Landeshauptmann Arno Kompatscher überreichte den drei Diplomandinnen ihre Urkunden und betonte in seinen Grußworten: “Die Quote der Frauen, die in Beschäftigung sind, steigt und dennoch können wir uns nicht zurücklehnen. Der Preis, den Frauen für eine berufliche Karriere – auch in Wissenschaft und Forschung – zahlen, ist weiterhin hoch, denn sie leisten dazu meistens noch die unbezahlte Care-Arbeit.” Notwendig sei deshalb auch ein Umdenken, ein Kulturwechsel: “Bei der Aufteilung der Lasten zwischen Frau und Mann sind wir noch nicht wesentlich weitergekommen”, mahnt Kompatscher.

Die Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen, Ulrike Oberhammer, bezeichnete den Weg in Richtung Chancengleichheit als lang, laut letztem Gender Report der UN brauche es dafür noch etwa 120 Jahre. “Dennoch zählt jeder kleine Schritt”, betonte Oberhammer. “Das Land Südtirol und der Landesbeirat möchten mit den Lidia-Menapace-Preisen ein Stück weit dazu beitragen, dass in Zukunft das Talent und nicht das Geschlecht zählt. Mögen diese Arbeiten dazu beitragen, dass die Vision von Chancengleichheit für alle Wirklichkeit wird”, wünschte sich Oberhammer. Sie dankt der Bewertungskommission, bestehend aus Sabine Giunta (Vorsitz), Margareth Fink, Heidi Hintner, Marlene Messner, Michela Micheli, Ulrike Oberhammer, Marlene Rinner und Elisabeth Tappeiner, für ihre wertvolle Expertise und ihr großes zeitliches Engagement.

Nadia Mazzardis, die Vizepräsidentin des Landesbeirats, sprach den Diplomandinnen Mut zu: “Wenn im Laufe eures Lebens jemand versucht, euch klein zu halten, dann erinnert euch an den heutigen Tag und daran, dass ihr  euren Wert kennt.” Die heuer prämierten Arbeiten hätten eines gemeinsam, nämlich Frauen, die Grenzen überschritten haben und in Räume und Situationen vorgedrungen seien, in denen ihre Präsenz nicht selbstverständlich war. “Macht weiter damit, euren Raum einzufordern”, regte Mazzardis an.

Die “Lidia-Menapace-Preise” werden jährlich von der Bewertungskommission vergeben. Der Preisverleihung im Pressesaal des Palais Widmann, die von Heidi Hintner moderiert wurde, wohnten unter anderem Laura Valle, die Präsidentin des Beirats für Chancengleichheit der UniBZ, bei.

Bezirk: Bozen

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