"Pauschale Kritik am Tourismus ist billiger Linkspopulismus"

Lohnkritik: Stauder verteidigt Südtirols Tourismus

Donnerstag, 15. Oktober 2026 | 10:48 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Die Aussage der Landtagsabgeordneten Elisabeth Rieder in der Sendung „Pro und Contra”, der Tourismus sei nicht imstande, seine Beschäftigten ordentlich zu bezahlen, lässt Harald Stauder, SVP-Fraktionsvorsitzender, nicht unwidersprochen stehen. „Wer eine ganze Wirtschaftsbranche pauschal an den Pranger stellt, sollte sich zuerst mit den Fakten auseinandersetzen. Die Realität ist komplexer, als es solche Schlagzeilen vermuten lassen”, stellt Stauder klar.

In Südtirol gelten im Gastgewerbe besondere kollektivvertragliche Regelungen. Das Landesabkommen sieht ein provinziales Lohnelement vor, das seit Dezember 2025 bei 150 Euro liegt und allen Beschäftigten im Sektor zusteht. Saisonale und befristet Beschäftigte – rund 70 Prozent der Belegschaft – erhalten zusätzlich einen Saisonzuschlag von acht Prozent auf die Bruttoentlohnung. Ein Beispiel: Ein saisonaler Mitarbeiter der siebten Lohnstufe, etwa als Abspüler, erhält damit in Südtirol rund 275 Euro brutto mehr als im restlichen Italien.

Hinzu kommt, dass in der Praxis vielfach übertarifliche Löhne auf Grundlage individueller Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt werden. Repräsentative Zahlen über das tatsächliche Ausmaß dieser zusätzlichen Entlohnung fehlen allerdings. Auch Unterkunft und/oder Verpflegung werden den Beschäftigten häufig zusätzlich zum Lohn zur Verfügung gestellt.

„Wer Jahreseinkommen vergleicht, darf die Saisonrealität nicht ausblenden”, betont Stauder. Wenn rund 70 Prozent der Beschäftigten befristet oder saisonal arbeiten, müssen auch die tatsächlichen Beschäftigungszeiträume berücksichtigt werden. Die ausgewiesenen Bruttojahreseinkommen beziehen sich häufig auf acht bis zehn Monate Arbeit. Zeiten, in denen Beschäftigte Arbeitslosengeld beziehen oder in anderen Sektoren arbeiten, bleiben dabei unberücksichtigt. Pauschale Vergleiche greifen deshalb, laut Stauder, zu kurz.

Stauder findet auch in der politischen Auseinandersetzung deutliche Worte: „Solche pauschalen Aussagen über eine ganze Wirtschaftsbranche sind billiger Linkspopulismus. Wer selbst bestimmte Privilegien genießt, freigestellt ist und in einer doppelt und dreifach abgesicherten sozialen Hängematte liegt, aber gleichzeitig auf eine für Südtirol zentrale Wirtschaftsbranche eindrischt, macht es sich schon sehr einfach. Wer ernsthaft über faire Löhne diskutieren will, muss die Fakten auf den Tisch legen, statt den Tourismus pauschal schlechtzureden.”

Bezirk: Bozen

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