Von: Matthias Knapp
St. Vigil – Der Klima Club Südtirol (KCS) fordert einen sofortigen Stopp der Planung und eine Strategische Umweltprüfung. Besonders widersprüchlich sei: “Das Landesamt für Raumplanung erkennt selbst die grundsätzliche Fragwürdigkeit einer solchen Investition an, hält eine Strategische Umweltprüfung (SUP) aber dennoch für nicht erforderlich”, erklärt der KCS in einer Aussendung.
Das Land Südtirol hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Gleichzeitig soll im Gadertal im völligen Widerspruch dazu eine neue Erdgas-Verteilungsleitung errichtet werden. Die geplante Bauleitplanänderung der Gemeinden St. Vigil in Enneberg, St. Martin in Thurn und Wengen sieht die Eintragung einer neuen Verteilungsleitung vor, die die Versorgung mit Methangas von St. Vigil bis nach Wengen (St. Genesius) sicherstellen soll.
Für den KCS ist dieses Vorhaben angesichts der Klimaziele des Landes nicht nachvollziehbar. „Wie soll Südtirol 2040 klimaneutral sein, wenn heute noch neue Infrastruktur für fossile Energieträger geplant und gebaut wird?“, fragt der Klima Club Südtirol. „Eine neue Gasleitung ist keine Brücke in eine klimaneutrale Zukunft. Sie schafft vielmehr eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte genutzt und finanziert werden soll – und damit genau jene fossilen Strukturen verfestigt, von denen Südtirol laut seinen eigenen Klimazielen wegkommen muss. Durch den Bau neuer fossiler Infrastrukturen schädigen wir nicht nur nachweislich das Klima, sondern erhöhen die Abhängigkeiten und fördern den Kaufkraftabfluss.“ Nach Rekordhitze und ständig steigenden Preisen für fossile Energien seien solche Entscheidungen nicht zu rechtfertigen und widersprechen jeder Logik.
Landesamt erkennt Widerspruch – zieht aber keine Konsequenzen
Besonders kritisch sieht der KCS die Beurteilung durch das Landesamt für Raumplanung. Im Gutachten wird ausdrücklich die Frage aufgeworfen, „ob es im aktuellen Kontext der Energiewende und im Hinblick auf die Ziele zur Emissionsreduktion noch zweckmäßig ist, derart kostenintensive Infrastrukturen für fossile Brennstoffe zu errichten, anstatt Alternativen vorzusehen, die stärker mit den Grundsätzen der ökologischen Nachhaltigkeit vereinbar sind“. Diese Frage ist aus Sicht des KCS nicht nur berechtigt – sie müsste der Ausgangspunkt einer ernsthaften Prüfung des Projekts sein.
Stattdessen komme dasselbe Landesamt zum Schluss, dass die Änderung der Bauleitpläne nicht dem Verfahren der Strategischen Umweltprüfung (SUP) unterzogen werden soll.
„Das Gutachten benennt selbst den zentralen Konflikt: Neue fossile Infrastruktur steht im Spannungsfeld zur Energiewende und zu den Emissionsreduktionszielen und widerspricht somit direkt dem Klimaplan des Landes. Unmittelbar danach wird entschieden, dass gerade keine Strategische Umweltprüfung notwendig ist. Das ist schwer nachvollziehbar“, so der KCS. Gerade bei einem Projekt, dessen Sinnhaftigkeit vor dem Hintergrund der Klimaneutralität 2040 grundsätzlich infrage gestellt wird, brauche es aus Sicht des KCS eine umfassende und transparente Prüfung der langfristigen ökologischen und klimapolitischen Auswirkungen.
Der Widerspruch zwischen politischen Zielsetzungen und konkreten Investitionsentscheidungen ist für den KCS symptomatisch: Auf dem Papier soll Südtirol den Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorantreiben, gleichzeitig werde weiterhin Infrastruktur für deren Nutzung geplant.
„Klimaneutralität 2040 beginnt nicht 2039. Sie beginnt heute.“
Wer heute neue Gasinfrastruktur errichtet, müsse auch die Frage beantworten, wie diese Infrastruktur mit dem angestrebten Ausstieg aus fossilen Energieträgern vereinbar sei. Dabei gehe es nicht nur um die heutigen Emissionen, sondern auch um langfristige Investitionen, deren wirtschaftliche und infrastrukturelle Lebensdauer weit über die kommenden Jahre hinausreichen kann.
Der KCS fordert deshalb, die Planung der Gasleitung sofort zu stoppen und vor einer weiteren Entscheidung transparent zu prüfen, ob die vorgesehenen Investitionen nicht stattdessen in zukunftsfähige Lösungen fließen können – etwa in Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Speichersysteme und andere Lösungen zur Reduktion des Energieverbrauchs.
KCS fordert konsequente Umsetzung der Vorschläge aus dem Stakeholder Forum
Der KCS erinnert daran, dass bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Akteurinnen und Akteure in den Fachgruppen des Stakeholder Forums und des Bürgerrats intensiv an Vorschlägen für die Südtiroler Klimapolitik gearbeitet haben. Umso wichtiger sei es, dass die Ergebnisse dieser Beteiligungsprozesse nicht folgenlos bleiben und dass die politischen Klimaziele auch bei konkreten Infrastrukturentscheidungen konsequent berücksichtigt werden.
Der KCS fordert daher, die Diskussion über die Gasleitung nicht isoliert als lokale Infrastrukturfrage zu behandeln, sondern sie in den größeren Zusammenhang der Südtiroler Klimastrategie und des Ziels der Klimaneutralität 2040 zu stellen.
„Eine neue Gasleitung für Jahrzehnte und Klimaneutralität 2040 passen nicht zusammen. Jetzt braucht es eine ehrliche Prüfung der Alternativen – und den Mut, fossile Infrastruktur nicht weiter auszubauen“, so der KCS.




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