Russland attackierte erneut Wohngebäude in Kiew

Russland attackiert erneut ukrainische Energieinfrastruktur

Mittwoch, 14. Oktober 2026 | 10:35 Uhr

Von: importer

Bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Ukraine sind am Mittwoch laut Behörden drei Menschen in Kiew getötet worden. Zudem fiel für mindestens 600.000 Menschen der Strom aus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, mit den gezielten Attacken auf die Energieinfrastruktur eine von US-Präsident Donald Trump angekündigte “Energie-Waffenruhe” demonstrativ zu missachten. Dabei seien 30 Energieanlagen beschädigt worden, sagte Selenskyj.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Streitkräfte hätten in der Nacht sieben ukrainische Energieanlagen sowie ein Rechenzentrum attackiert. Die Ziele hätten militärischen Zwecken gedient. Bei den Angriffen mit bodengestützten Raketen und Langstreckendrohnen seien unter anderem zwei Heizkraftwerke in Kiew sowie ein weiteres in der umliegenden Region getroffen worden.

Zudem seien ein Heizkraftwerk und ein Wärmekraftwerk in Charkiw unter Beschuss genommen worden. Das getroffene Rechenzentrum in Kiew sei genutzt worden, um Geheimdienstinformationen über die russischen Streitkräfte zu sammeln. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, bei einem Angriff auf ein Hochhaus in der Hauptstadt sei ein Mensch ums Leben gekommen. Wohnungen seien in Brand geraten.

“Völlig gezielt und demonstrativ”

Die Angriffe erfolgten wenige Tage nach der Ankündigung einer Waffenruhe durch Trump, die beidseitige Attacken auf die Energieinfrastruktur beenden sollte. Weder Moskau noch Kiew hatten die Einhaltung dieser Initiative offiziell zugesagt. “Der Schlag war in seinem Ausmaß völlig gezielt und demonstrativ”, erklärte Selenskyj auf der Kurznachrichtenplattform X. “Russland hat den USA gegenüber noch nie eine derart ostentative Respektlosigkeit gezeigt.”

Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, dass in der Nacht lediglich vier von 39 russischen Raketen abgefangen werden konnten. Wegen des Waffenmangels ist die ukrainische Luftabwehr zunehmend geschwächt und kaum noch in der Lage, effektiv gegen schnelle ballistische Raketen und Drohnen vorzugehen. Erschwert wurden die ukrainischen Militäroperationen zudem durch Einschränkungen beim Satellitennetzwerk Starlink des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX.

Die militärische Version des Kommunikationsdienstes funktioniere bei Geschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde nicht mehr, was Kampfeinsätze beeinträchtige, teilten ein Präsidentschaftsberater und das Militär mit. “Unsere Verteidigungsstreitkräfte haben keine Vorwarnung vor dieser Einschränkung erhalten, und dies führte zum Abbruch mehrerer Missionen”, schrieb der Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhij Beskrestnow, auf Telegram. Ein Insider aus dem an der südöstlichen Front eingesetzten siebenten Schnellen Reaktionskorps bestätigte Ausfälle bei den Starlink-Verbindungen. Einige Einsätze hätten deshalb abgebrochen werden müssen.

Auch wieder Angriffe in Russland gemeldet

Die Satellitenterminals des von Elon Musk geführten Unternehmens bilden das Rückgrat für ukrainische Drohnenangriffe mit größerer Reichweite in den besetzten Gebieten im Süden und Osten des Landes, wo sie die russische Logistik erheblich stören. Starlink ist seit den ersten Tagen der russischen Invasion im Jahr 2022 im Einsatz und gilt als unverzichtbar für die Kommunikation auf dem Schlachtfeld. Die hohe Störsicherheit macht das System zudem zu einem wichtigen Werkzeug für den Einsatz von Langstrecken-Angriffsdrohnen und schweren Hexakoptern, die Nachschub zu eigenen Stellungen transportieren oder Bomben abwerfen. Starlink funktioniert jedoch nicht innerhalb Russlands. Für Schläge gegen die russische Ölindustrie nutzt die Ukraine andere Kommunikationsmittel.

Der Schritt von SpaceX erfolgt vor dem Hintergrund von Berichten, wonach die USA gedroht haben, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen zur Frühwarnung vor Raketenangriffen einzustellen. Dies solle geschehen, falls Kiew nicht die Attacken auf russische Ölraffinerien einstellt. Selenskyj hatte erklärt, die Ukraine habe vor einem früheren nächtlichen Beschuss der Hauptstadt keine Warnung von westlichen Partnern erhalten. Neben der Energieinfrastruktur gerieten am Mittwoch zudem staatliche Eisenbahnanlagen in sechs Regionen der Ukraine unter Beschuss, wie Unternehmenschef Serhij Korezkyj mitteilte.

Ukrainische Gegenschläge in Russland

Unterdessen gab es auch Berichte über ukrainische Gegenschläge. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Oblast Saratow wurde nach russischen Angaben ein Mensch getötet. In der Stadt Balakowo an der Wolga seien zudem Häuser beschädigt worden, teilte Gouverneur Roman Busargin auf Telegram mit. In Balakowo befinden sich unter anderem ein Kernkraftwerk, ein Wasserkraftwerk sowie ein Rechenzentrum der führenden russischen Bank Sberbank. Nach Angaben des Gouverneurs funktionierten alle Infrastruktureinrichtungen nach dem Vorfall wie gewohnt.

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