Von: Matthias Knapp
Bozen – Bei den wesentlichen Betreuungsstandards im Gesundheitswesen (LEA) offenbart eine aktuelle Analyse der renommierten medizinischen Forschungsstiftung „Gimbe“ für das Jahr 2024 deutliche Unterschiede in der Region: Während das Trentino im nationalen Spitzenfeld mitmischt, hinkt Südtirol hinterher. Im Bereich der kollektiven Prävention werden die Ergebnisse sogar als ungenügend eingestuft.
Laut den Daten der Gimbe-Stiftung erreicht Südtirol bei den LEA-Leistungen – also jenen Gesundheitsdienstleistungen, die kostenfrei oder gegen eine Eigenbeteiligung erbracht werden – lediglich 206 von 300 möglichen Punkten. Damit belegt Südtirol im italienweiten Vergleich nur den 17. Rang.
Nach den Kriterien des Neuen Garantiesystems (NSG) fällt Südtirol durch, da die Ergebnisse im Bereich der kollektiven Prävention ungenügend sind. Immerhin zeigt der Trend leicht nach oben: Gegenüber dem Vorjahr konnte das Land vier Punkte zulegen.
Unter den 27 ausgewerteten Indikatoren schneidet Südtirol in der wohnortnahen Gesundheitsbetreuung (Rang neun) am besten ab. Bei der Krankenhausbetreuung (Rang 19) und der Prävention (Rang 20) belegt das Land hingegen Plätze im hinteren Drittel.
Trentino auf Platz fünf trotz Punktverlusten
Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Südtirols Nachbarprovinz: Das Trentino belegt mit 271 Punkten den hervorragenden fünften Rang auf nationaler Ebene und erfüllt sämtliche Vorgaben. Zwar büßte das Trentino im Vergleich zu 2023 sieben Punkte ein, liegt aber bei der Prävention auf Platz eins und bei der Krankenhausversorgung auf Platz zwei. Einzig bei der wohnortnahen Gesundheitsbetreuung rutschte die Nachbarprovinz auf den zwölften Rang ab.
Messner verweist auf Impfquoten
Gesundheitslandesrat Hubert Messner nimmt zur Analyse Stellung. „Die von der Fondazione GIMBE veröffentlichten Daten beziehen sich auf das Jahr 2024 und bilden somit eine Situation von vor über zwei Jahren ab, die zu einem großen Teil in eine Zeit fällt, in der ich gerade erst das Amt des Gesundheitslandesrates übernommen hatte“, stellt der Landesrat klar.
Unabhängig davon würden Erhebungen und Vergleichsstudien wie diese eine wichtige Grundlage und einen wichtigen Gradmesser zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens bilden. Es sei dabei aber wichtig, in der Analyse der Indikatoren nicht nur die absoluten Zahlen, sondern auch immer deren Entwicklung zu betrachten. „Gegenüber 2023 hat das Land Südtirol in allen drei Makrobereichen eine Verbesserung verzeichnet, wenn auch eine leichte: in der Prävention von 58 auf 59 Punkte, bei der wohnortnahen Versorgung von 82 auf 83 Punkte und bei der Krankenhausversorgung von 62 auf 64 Punkte“, streicht Messner hervor.
Die größte Herausforderung bleibe der Bereich Prävention, wobei das Ergebnis maßgeblich von den Impfquoten beeinflusst werde, die in unserem Land traditionell niedriger seien als in den anderen italienischen Regionen. „Diese Herausforderung ist uns bekannt und wir setzen gezielt Maßnahmen dagegen – durch Information und Sensibilisierung sowie durch eine umfassende Stärkung der Präventionspolitik. Die aktuelleren Daten zeigen bereits erste Verbesserungen bei den Impfquoten, die wir weiter festigen wollen“, erklärt Messner.
Gleichzeitig arbeite man weiter an den beiden anderen strategischen Säulen: einer wohnortnahen Versorgung, die immer stärker an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, und einem stärker vernetzten Krankenhausnetz. „Mit den Gemeinschaftshäusern, den Gemeinschaftskrankenhäusern, den Leitstellen und der 116117 verlagern wir zunehmend Teile der Versorgung aus dem Krankenhaus näher zu den Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig stärken wir die Zusammenarbeit zwischen den sieben Krankenhausstandorten. Die aktuellsten Ergebnisse zeigen bereits Verbesserungen, beispielsweise und insbesondere auch bei den Wartezeiten“, betont Messner.
Ziel sei es nicht, bei einer „Bewertung“ stehen zu bleiben, sondern ein Gesundheitssystem aufzubauen, das sich kontinuierlich verbessert, betont Messner: „Mehr Prävention, eine stärkere wohnortnahe Versorgung, besser vernetzte Krankenhäuser und vor allem eine zunehmend koordinierte und an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Betreuung.“




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