Die Gewalt eskaliert zunehmend

Schülerproteste versetzen französische Regierung in Sorge

Freitag, 02. Oktober 2026 | 19:01 Uhr

Von: importer

Die anhaltenden und von massiver Gewalt begleiteten Schülerproteste setzen die französische Regierung zunehmend in Sorge. Bildungsminister Édouard Geffray appellierte am Freitag an die Eltern, ihre Kinder von den Blockaden abzuhalten. “Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mehr auf der Straße sind, weil sie dort in Gefahr sind”, sagte Geffray am Freitag dem Sender BFM. Unterdessen wurden brutale Angriffe auf Sicherheitskräfte bekannt.

Nach Angaben des Bildungsministeriums kam es am Freitag an rund 560 Schulen zu Unruhen. In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulen. Im Großraum der Hauptstadt kam es an insgesamt 55 Schulen zu gewaltsamen Ausschreitungen. In Lyon wurden an zehn Schulen unter anderem Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt. Insgesamt waren wegen der Eskalation Hunderte Schulen geschlossen geblieben.

Attacken auf Polizisten

In mindestens zwei Fällen wurden Sicherheitskräfte direkt und brutal angegriffen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall einer Polizeischülerin, die in Paris von mehreren Angreifern brutal zu Boden gestoßen worden war. In Belfort prügelten mehrere Jugendliche auf einen am Boden liegenden Polizisten ein und traten ihm gegen den Kopf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, ein 17-Jähriger wurde festgenommen. Videos beider Vorfälle verbreiteten sich in Onlinediensten.

Am Donnerstag waren bei gewaltsamen Protesten rund 2.000 Menschen in Gewahrsam genommen worden, unter ihnen 1.800 Minderjährige. Mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulmitarbeiter waren nach offiziellen Angaben verletzt worden.

Blockade vor Pariser Schule

Vor dem Pariser Gymnasium Turgot blockierten Freitagfrüh erneut zahlreiche Schüler den Eingang und forderten vorbeifahrende Autofahrer zum Hupen auf. “Wir wollen bessere Bedingungen, es fallen ständig Lehrer aus und werden nicht ersetzt”, sagte die 15-jährige Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. “Während der Hitzewelle hatten wir 37 Grad und saßen tagelang im Dunklen – und im Winter frieren wir”, beklagte sie.

Der gleichaltrige Simon erzählte, dass er “ein Jahr lang keinen Bio-Unterricht” gehabt habe. Außerdem seien die Schultage zu lang und anstrengend. “Wir haben oft von 8.00 bis 18.00 Uhr Schule und müssen dann noch zwei Hausaufgaben machen”, sagte er. “Es gibt allgemein eine große Nervosität und Übermüdung.”

Schülervertreter distanzieren sich von Gewalt

Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich unterdessen von der Gewalt. “Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind”, sagte Nathanaël Combray von der Organisation “Renouveau Lycéen” nach einem Gespräch mit Geffray. Combray rief die Gymnasiasten dazu auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten.

Sie sollten sich keiner Bewegung anschließen, die der eigenen Sache schade, sagte Combray mit Blick auf Unruhestifter. Louis Letoublon von der Organisation “Les Lycéens” sagte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten, sondern von externen Personen begangen.

Bildungsminister trifft Gewerkschaften

Bildungsminister Geffray traf am Freitag mit Vertretern der Gewerkschaften zusammen. “Es ist ein Problem, dass es keine national einheitlichen Forderungen gibt”, erklärte er. Die Bewegung sei aus vielen verschiedenen Gründen entstanden. “Wir können diese Krise nicht ohne eine politische Antwort auf nationaler Ebene beenden”, sagte Gewerkschaftsvertreterin Sophie Vénétitay nach dem Treffen.

Justizminister Gérald Darmanin kündigte unterdessen an, die Eltern von Minderjährigen für die verursachten Sachbeschädigungen heranzuziehen. “Wenn Schulen und Bushaltestellen beschädigt und öffentlicher Nahverkehr zum Ziel werden, dann müssen wir künftig die Eltern in die Verantwortung nehmen”, sagte er. Der Justizminister sprach von einer “aktiven und gewaltbereiten Minderheit”, zu der vermutlich auch Nicht-Schüler zählten. Mehrere Gewerkschaften riefen für Dienstag zu Solidaritätsaktionen mit den Schülerprotesten auf.

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