Von: Matthias Knapp
Bozen – Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten ist am heutigen Mittwoch unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten.
In der Vormittagssitzung fand eine Panel-Anhörung zum Thema „Sport“ statt, an der der ehemalige Obmann des VSS, Günther Andergassen, der Präsident der Unione delle Società Sportive Altoatesine (USSA), Paolo Trotter, der Präsident des Alpenvereins Südtirol (AVS), Georg Simeoni, der Präsident des Club Alpino Italiano (CAI) Südtirol, Carlo Zanella, und der ehemalige Präsident der USSA, Carlo Bosin, teilgenommen haben.
„Die Vertreter der Sportverbände und Alpenvereine haben uns einen sehr interessanten Einblick in diese Zeit gegeben – und auch in die Widersprüchlichkeiten dieser Zeit“, berichtete Ausschussvorsitzende Foppa im Anschluss an die Sitzung. Zum Beispiel habe es laut den Verbandspräsidenten große Unterschiede im Bereich des Zugangs zum Sport während der Pandemie gegeben. „Jene etwa, die in staatliche Verbände eingeschrieben waren, die durften sogar in Hallen trainieren und nicht ‚tesserierte‘, so sagte man uns, die durften dies nicht einmal im Freien tun. Die U13 der FISI haben sogar Wettrennen fahren dürfen“, so Foppa. „Andere Mitglieder lokaler Sportvereine dagegen durften keinen Sport treiben. Das ist zum Beispiel etwas, das vielleicht nicht so bekannt war.“
Unterstrichen worden sei, beispielsweise vom VSS, dass man sich sehr gut mit der Politik vernetzen konnte, dass man Gehör gefunden habe für die Anliegen des Sports. „Sport, so sagte der ehemalige VSS-Präsident Günther Andergassen, ist eine soziale Tankstelle. Und das wurde laut seinen Aussagen von der Politik auch ernst genommen und so konnten zum Beispiel auch einige Maßnahmen etwas gelindert werden“, informierte Foppa. „Etwa habe durch die Intervention der Sportverbände mit dem Rad Gemeindegrenzen überschritten werden können, die berüchtigte 300-Meter Regel sei auf Hinweis der Sportverbände neu diskutiert worden und man habe auch versucht, sich den Regeln anzupassen, zum Beispiel seien Fußballtrainings so gestaltet worden, dass keine Maske getragen werden musste – Sport mit Maske ist per se nicht denkbar.“
Die Antigentests, die nach Einführung der Impfpflicht nicht mehr gratis waren, seien für die Sportvereine von einem Sponsor zur Verfügung gestellt worden, damit Nicht-Geimpfte keine Nachteile hatten. „Es war laut den heute hier Anwesenden ein großes Anliegen der Sportvereine und -verbände, niemanden auszuschließen. Die Diskussionen, die in der Gesellschaft geführt wurden zu den Maßnahmen und zur Sinnhaftigkeit derselben, waren im Sportbereich im Hintertreffen, weil man – so hieß es – alles dafür getan hat, damit Kinder und Jugendliche zu ihrem Sport kamen, was in dieser Zeit nicht so einfach gewesen ist“, führte Vorsitzende Foppa aus.
Es sei von den Angehörten ebenso darauf hingewiesen worden, dass es große Unterschiede zwischen Team- und Einzelsport gegeben habe. „Teamsport ging in dieser Zeit naturgemäß zurück, der Einzelsport hingegen hat eine große Konjunktur erhalten – und das ist bis heute geblieben“, so Foppa. „Auch der Einzelsport in der Natur und der Wert der Berge wurden ganz neu entdeckt und dieser Trend hält laut den Präsidenten der Alpenvereine weiterhin an.“ Laut Aussagen der Alpenvereine habe es einen deutlichen Zuwachs gegeben, auch Jugendliche hätten sich sehr dem Bergsport angenähert – das spüre man bis in die Gegenwart.
„Auch heute wurde wieder bestätigt, dass am Anfang die Regeln strikt eingehalten worden sind – es gab da großen Konsens. Mit der Zeit sind dann viele trotzdem ins Freie und auf den Berg gegangen und haben dafür ein Risiko auf sich genommen“, erklärte Foppa.
Insgesamt könne man sagen, dass gerade die Zeit, in der sportliche Betätigung eingeschränkt war, auch dazu geführt habe, „und das ist vielleicht eine positive Auswirkung der Pandemie, dass der Wert des Sports neu entdeckt wurde und der Wert von Teamsport gestiegen ist, ebenso wie der Stellenwert von Sport in der Gesellschaft allgemein – wobei hier auch die Verfassungsänderung 2023 hineinspielt“, fasste Ausschussvorsitzende Foppa zusammen. „Sport hat sich von einer reinen Freizeitbeschäftigung zu einem Bereich von großer gesellschaftlicher Bedeutung entwickelt.“




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