FUEN-Kongress in Helsinki

“Südtirols Erfahrungen sind in Europa gefragt”

Dienstag, 22. September 2026 | 15:25 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen/Helsinki – Harald Stauder hat vergangene Woche als FUEN-Vizepräsident beim Kongress in Finnland Südtirol vertreten, dabei standen Minderheitensprachen im Gesundheitswesen und in der digitalen Welt im Mittelpunkt.

Wie können Minderheitensprachen auch in Zukunft im Alltag, im Gesundheitswesen und in der digitalen Welt gesichert werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Vertreterinnen und Vertreter nationaler Minderheiten beim 70. Kongress der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) in Helsinki.

Südtirol wurde dabei einmal mehr als Modellregion für den Schutz von Sprachgruppen und das Zusammenleben in einer mehrsprachigen Gesellschaft wahrgenommen. „Viele Minderheiten in Europa schauen mit großem Interesse und auch mit Bewunderung auf Südtirol. Unsere Erfahrungen können anderen Regionen wichtige Anregungen geben. Gleichzeitig ist der Austausch für uns selbst wertvoll, weil jede Minderheit vor eigenen Herausforderungen steht und wir voneinander lernen können“, betont Stauder.

Mehrsprachigkeit im Gesundheits- und Sozialwesen

Ein Schwerpunkt des Kongresses war der Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten in der eigenen Muttersprache. Vertreter aus Finnland, Rumänien und dem katalanischen Sprachraum berichteten über die Herausforderungen, sprachliche Rechte in der Praxis umzusetzen. Dabei wurde deutlich, dass gesetzliche Garantien allein nicht ausreichen. Es braucht auch ausreichend qualifiziertes Personal, eine gezielte Sprachplanung und Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

„Die Mehrsprachigkeit im Gesundheits- und Sozialwesen ist eine Herausforderung, mit der sich auch andere Minderheitenregionen beschäftigen. Es geht darum, die sprachlichen Rechte der Menschen nicht nur auf dem Papier zu sichern, sondern sie im Alltag tatsächlich zu gewährleisten“, erklärt Stauder.

Minderheitensprachen in der digitalen Welt und künstlichen Intelligenz

Auch die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz standen im Mittelpunkt der Beratungen. Die FUEN fordert eine stärkere Berücksichtigung von Minderheitensprachen bei der Entwicklung von KI-Anwendungen. Kleinere Sprachgemeinschaften dürfen nicht Gefahr laufen, bei neuen Technologien und digitalen Dienstleistungen zurückzufallen.

Diskutiert wurde zudem der Zugang zu audiovisuellen Inhalten in der eigenen Sprache. Geoblocking kann dazu führen, dass Minderheiten grenzüberschreitende Medienangebote nicht nutzen können. Der Kongress setzte sich mit der Frage auseinander, wie europäische Regelungen den Zugang zu Inhalten in Minderheitensprachen verbessern können.

„Die sprachliche Vielfalt muss auch in der digitalen Welt ihren Platz haben. Künstliche Intelligenz bietet Chancen, aber wir müssen darauf achten, dass kleinere Sprachen nicht ausgeschlossen werden. Hier braucht es gemeinsame europäische Anstrengungen“, so Stauder.

Austausch mit Finnland

Der Kongress bot auch Einblicke in die Situation der schwedischen Minderheit in Finnland. Als zweisprachiges Land ist Finnland ein interessantes Beispiel für den Umgang mit unterschiedlichen Sprachgemeinschaften. Für Südtirol ergeben sich daraus wertvolle Anknüpfungspunkte für den Austausch über Sprachenschutz und Mehrsprachigkeit.

„Der Blick auf andere Regionen hilft uns, die eigenen Erfahrungen einzuordnen und neue Ansätze kennenzulernen. Die FUEN ist dafür eine wichtige Plattform“, unterstreicht Harald Stauder.

Bezirk: Bozen

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