Panel-Anhörung im U-Ausschuss

Wie sehr hat die Jugend unter Corona-Maßnahmen gelitten?

Mittwoch, 04. November 2026 | 18:33 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bozen – Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten ist am heutigen Mittwoch unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten. Nach einer Panel-Anhörung zum Thema „Sport“ am Vormittag (hier geht es zur Medienmitteilung) wurden die Arbeiten am Nachmittag mit einer Panel-Anhörung zum Thema „Jugend“ fortgesetzt. An dieser beteiligten sich die ehemalige Vorsitzende des Südtiroler Jugendrings, Tanja Rainer, der ehemalige Geschäftsführer des Südtiroler Jugendrings, Kevin Hofer, die ehemalige Landesleiterin der Südtiroler Bauernjugend (SBJ), Angelika Springeth, und der SBJ-Landesobmann Raffael Peer.

„Es wurden den Jugendlichen zwei Jahre ihrer Jugend gestohlen – das ist die Zusammenfassung der Berichte, die wir heute Nachmittag gehört haben“, sagte Ausschussvorsitzende Foppa im Anschluss an die Sitzung. „Es war ein wichtiger Einblick in eine Generation, die zu den großen Lastenträgern der Pandemie gehört und dabei wurde sie sehr oft – insbesondere in den Anfangszeiten – als Treiber auch stigmatisiert. Gerade diese Zuschreibung und das Gefühl, als Generation insgesamt nicht ‚systemrelevant‘ zu sein, das ist etwas, das in den jungen Menschen geblieben ist und das sie wirklich sehr schwergenommen haben. So waren die Berichte der Vertretungen von Jugendring und Bauernjugend.“

Die Jugendlichen hätten das Gefühl gehabt, als erste weggesperrt worden zu sein und als letzte wieder die Freiheit zurückerhalten zu haben. „So wie Tanja Rainer sagte: ‘Als dann die Bars aufgingen und die Schulen immer noch zu waren, da war dann das Gefühl, das Maß ist voll‘“, berichtete Foppa. „Das Bild, das gezeichnet wurde, stellt eine Jugend dar, die unter der Pandemie sehr stark gelitten hat, die durch die Abtrennung vom sozialen Gefüge sehr stark beeinträchtigt war und gleichzeitig nicht wichtig genommen wurde.” Das habe man etwa an den Maßnahmen gemerkt, die Gesellschaft schützen sollten, die aber für Jugendliche nochmal eine größere Tragweite gehabt hätten als für andere. „Es war auch zum Teil von einem Minderwertigkeitskomplex die Rede, der aus diesem Ganzen resultierte“, so Foppa.

Wie bereits bei anderen Anhörungen habe man auch heute gehört, dass es anfangs Konsens mit den Maßnahmen gegeben habe, dass dann aber vieles nicht mehr nachvollziehbar gewesen sei. „Und es gab auch unter den Jugendlichen eine Minderheit, die auch Angst hatte – Angst vor dem Virus, vor der Krankheit“, informierte Foppa. „Es gab dann aber auch Verweigerung und Zorn und einige haben, wie es hieß, unter dem Radar auch ihre Treffen gemacht.“

Auch mit Blick auf die Jugend seien große Erlebnisunterschiede zwischen Stadt und Land genannt worden: unterschiedliche Belastbarkeiten und unterschiedliche Freiheitsradien. „All das hat laut den Vertreterinnen und Vertretern in den Jugendorganisationen dazu geführt, dass das Vertrauen in Politik und Verwaltung gelitten hat. Es entstand das Gefühl ‚um mich kümmert sich eh niemand‘“, führte Vorsitzende Foppa aus.

Im Hinblick auf das Impfen sei berichtet worden, dass sehr viele Jugendliche gesagt hätten: „Ich will mich impfen lassen, um möglichst schnell mein Leben zurückzukriegen.“

Als Folgen der Pandemie seien, so Foppa, „neben der Wahrnehmung von zunehmenden psychischen Problemen, die nicht zu leugnen sind, auch ein aggressiver Grundton genannt worden, der geblieben ist, das Nicht-Ausdiskutieren-Können und zugleich aber auch eine vermehrte Lust, sich in Vereinen zu betätigen – und vielleicht auch auf diese Weise das soziale Leben zurückzugewinnen.“ Wobei es diesbezüglich Unterschiede zwischen Vereinsmitgliedern, die mehr Bezugspunkte hatten, und solchen gegeben habe, die in keinem Verein waren und deshalb die Einsamkeit mehr gespürt hätten.

Im Hinblick auf die Zukunft sei in aller Deutlichkeit gesagt worden, dass künftige Entscheidungen gemeinsam mit den Jugendlichen getroffen werden müssten. „Es braucht Jugendvertretungen in den Entscheidungsgremien, damit Entscheidungen jugendgerecht sind und damit sie auch mehr Konsens haben“, so Ausschussvorsitzende Foppa. „Zudem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es in Südtirol – gerade auch für die Bearbeitung dieser schweren Krisenzeit – unbedingt ein Kinder- und Jugendtherapiezentrum braucht, auf ein solches wartet man schon seit Langem. Diese Anhörung ist ein Anlass, um wieder darauf hinzuweisen.“

Die nächste Sitzung des „Untersuchungsausschusses zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten” findet am 24. November statt; auf der Tagesordnung stehen Anhörungen von Vertretungen der Familien sowie des Gefängnisses von Bozen – letzteres ein Punkt, der im Bereich Politik/Sicherheit noch ausständig ist.

Bezirk: Bozen

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