Von: Sophia Molitor
Bozen – Sechsmal hatte Alexander Weis bereits im Endspiel eines M25-Turniers gestanden. Fünfmal musste er dem Gegner zum Titel gratulieren. Am Sonntag auf Sardinien durfte endlich der Bozner jubeln: Mit einem 1:6, 7:5, 6:1 gegen den topgesetzten Polen Daniel Michalski gewann der Spieler des TC Rungg Südtirol das mit 30.000 Dollar dotierte ITF-Turnier in Santa Margherita di Pula. Es ist sein siebter ITF-Einzeltitel – und der erste auf M25-Niveau.
Dass dieser lang ersehnte Erfolg ausgerechnet nach einem derart deutlichen Satzverlust zustande kam, macht ihn besonders. Gegen Michalski, die Nummer 256 der Weltrangliste, fand der aktuell auf Rang 624 geführte Südtiroler zunächst kein ausreichendes Gegenmittel. Beim 1:6 deutete wenig darauf hin, dass Weis seinen siebten Anlauf mit dem Pokal in den Händen beenden würde.
Doch der 29-Jährige blieb im Spiel. Er ließ sich vom missglückten Auftakt nicht entmutigen, hielt dagegen und brachte den Favoriten zunehmend in Bedrängnis. Mit 7:5 erzwang er einen Entscheidungssatz. Dort war vom Kräfteverhältnis des ersten Durchgangs nichts mehr übrig: Nun gab Weis den Ton an und überließ dem Polen nur noch ein Game.
Gasbarri: „Sein Wille war entscheidend“
Für Trainer Valerio Gasbarri war dieser Umschwung vor allem Ausdruck der Beharrlichkeit seines Schützlings. „Alex wollte diesen Titel unbedingt. Sein Wille war heute entscheidend. Auch nach dem verlorenen ersten Satz ist er immer drangeblieben. Er hat sich diesen Sieg absolut verdient“, sagte Gasbarri.
Neben der Einstellung überzeugte den Trainer auch die spielerische Leistung. „Die Intensität seiner Schläge war beeindruckend. Vor allem Aufschlag und Vorhand waren enorm stark. Wenn er dieses Niveau hält, kann er auch größere Titel gewinnen.“
Für Weis ist der Erfolg ein wichtiger Schritt. Seine bisherigen sechs ITF-Einzeltitel hatte er allesamt bei M15-Turnieren gewonnen. Auf der nächsthöheren Stufe fehlte ihm trotz sechs Finalteilnahmen bislang der letzte Sieg. Diese Lücke hat er nun geschlossen – gegen den bestgesetzten Spieler des Turniers und nach einem Auftakt, der seine Widerstandskraft auf eine harte Probe stellte.
Ein Titel, der Mut macht
Der Triumph auf Sardinien kommt für den Bozner zur rechten Zeit. Als Weltranglisten-624. arbeitet Weis daran, wieder Boden gutzumachen. Ein Turniersieg allein bedeutet noch keine Trendwende. Die Art, wie er sich gegen einen deutlich höher eingestuften Gegner durchsetzte, liefert aber einen überzeugenden Grund, mit Zuversicht auf die nächsten Aufgaben zu blicken.
Auch Gasbarri verbindet mit diesem Sonntag die Hoffnung auf mehr: „Hoffen wir, dass dieser Titel der Beginn seines Aufstiegs ist.“
Mit 29 Jahren hat Weis auf Sardinien jedenfalls bewiesen, dass seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Fünf verlorene Endspiele bei 30.000 Dollar Turnieren hatten ihn nicht vom nächsten Anlauf abgehalten. Beim sechsten wurde seine Hartnäckigkeit belohnt.




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