Von: importer
Österreichs Fußball-Nationalteam steht am Sonntag (18.00 Uhr/live ORF 1) eine Bewährungsprobe bevor. Mit dem Kosovo wartet im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien der möglicherweise härteste Konkurrent um den Gruppensieg in der Liga B der Nations League. Dazu wird es das erste Duell zwischen Ralf Rangnick und seinem Vorgänger als ÖFB-Teamchef. Franco Foda betreut den Kosovo seit Anfang 2024 und hat mit dem kleinen Balkanland zuletzt einige Erfolge eingefahren.
“Für mich ist es ein Spiel wie jedes andere”, betonte Rangnick. Zwar hätten viele ÖFB-Kicker noch unter Foda gespielt. “Aber für uns ist es ein normales Spiel.” Er gehe davon aus, dass die Partie gegen Kosovo “nochmal schwieriger” werde als jene gegen Israel, die die Österreicher am Donnerstag in Linz in der Schlussphase in Überzahl mit 3:1 für sich entschieden hatten.
Die Kosovaren gewannen ihren Nations-League-Auftakt daheim gegen Irland 1:0. “Das war klar verdient und hätte eigentlich höher ausgehen können”, meinte Rangnick. “Wir stellen uns schon auf einen Gegner ein, der uns viel abverlangen wird.” In der Defensive setzt Foda auf eine Dreier- bzw. Fünferkette, Fenerbahce-Istanbul-Torjäger Vedat Muriqi agiert als Stoßstürmer. “Sie sind taktisch sehr diszipliniert, sehr kompakt”, warnte Rangnick. “Es gibt wenig Räume und Lücken, die sie dem Gegner lassen.”
Heimserie soll ausgebaut werden
Die Österreicher wollen ihre Rekordserie von 15 ungeschlagenen Heimspielen dennoch ausbauen. Die bisher letzte Niederlage im eigenen Land kassierte die ÖFB-Auswahl vor fast drei Jahren – am 13. Oktober 2023 in der EM-Qualifikation in Wien gegen Belgien (2:3). “Wir haben uns zu einer heimstarken Mannschaft entwickelt. Das hat mit der Art, wie wir spielen, zu tun, aber auch mit der Unterstützung des Publikums”, meinte Rangnick.
Er hoffe, dass beim Ticketverkauf beachtet wurde, dass es sich gegen Kosovo um ein Heimspiel handle und die Mehrzahl der Fans mit Österreich-Fahnen auf der Tribüne sitze. ÖFB-Ziel ist der Gruppensieg und damit der bei der vergangenen Nations-League-Auflage verpasste Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse, die Liga A.
Man wolle wie gegen Israel möglichst wenige Torchancen zulassen, erklärte Rangnick. “Wenn wir das wieder hinkriegen, wäre das ein großer Schritt in Richtung der drei Punkte. Wir wollen auch dieses zweite Heimspiel auf unsere Seite ziehen.” Gelinge dies, sei die Ausgangsposition für die nächste Woche folgenden Auswärtspartien in Irland (Donnerstag/20.45 Uhr MESZ) und im Kosovo (Sonntag, 18.00 Uhr/jeweils live ORF 1) “eine richtig gute”.
Rangnick-Bedenken bei Kalajdzic
Im Tor wird anstelle von Alexander Schlager entweder Lukas Jungwirth oder Christian Zawieschitzky beginnen – und damit in jedem Fall ein Debütant. Im Mittelfeld drängt Paul Wanner nach seiner starken Leistung nach der Pause gegen Israel ins Team, im Sturmzentrum ist die Lage durch die Knöchelverletzung von Michael Gregoritsch offen.
Sasa Kalajdzic wäre ein logischer Kandidat, Rangnick ist aber nicht frei von Bedenken. “Er ist natürlich ein wichtiger Spieler für uns. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben und dass er wieder auf dem Weg zu absoluter Bestform ist. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass er eine gewisse Verletzungshistorie hat mit drei Kreuzbandrissen”, sagte der Deutsche über den LASK-Angreifer. “Es steht für mich über allem, dass wir schauen müssen, dass er absolut gesund bleibt und sich nicht erneut verletzt, schon gar nicht am Knie.”
Gegen Israel war Kalajdzic für den verletzten Gregoritsch eingewechselt worden und knapp 60 Minuten im Einsatz. Allerdings habe der 29-Jährige nach seiner späten Rückkehr zum LASK keine Vorbereitung gehabt, erinnerte Rangnick. “Das ist immer noch ein Stück weit spürbar. Mit jedem Einsatz und mit jeder Spielzeit entwickelt er sich weiter.” Gespielt werde aktuell aber alle drei oder vier Tage. “Das steht ein bisschen im Kontrast zu dem Thema, wie viel Spielzeit er realistisch machen kann.”
Frische als zentrales Thema
Alternativen zu Kalajdzic gebe es, versicherte Rangnick. Abgesehen vom äußerst fraglichen Gregoritsch scheinen das am ehesten Junior Adamu, Marco Grüll oder Christoph Lang. “Entscheidend ist, möglichst viele Spieler auf dem Platz zu haben, die bereit sind, die körperlich auf dem Niveau sind”, betonte der Teamchef. “Wir werden keinen aufstellen, der nicht ‘completely reloaded’ ist, oder der vielleicht noch irgendetwas spürt. Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.”
Der 68-Jährige erinnerte an die Erfahrungen von der WM in Nordamerika: “Wenn wir wieder richtig intensiven Fußball spielen wollen, müssen alle Spieler wirklich 100-prozentig matchfit sein.” Zumal sich der Gegner im Aufwind befindet. Von seinen jüngsten 20 Länderspielen hat der Kosovo 14 gewonnen und nur vier verloren.
Fodas Punkteschnitt als Kosovo-Teamchef (1,96 Pkt. pro Spiel) ist höher als jener von Rangnick als Coach der Österreicher (1,92). Dabei ist Rangnicks Wert die Bestmarke aller ÖFB-Trainer, die zumindest zehn Partien in der Verantwortung standen. Das Duell mit Kosovo ist Rangnicks 51. Spiel im Amt. Für den ÖFB wird es das Premierenduell mit der seit 2008 unabhängigen Republik, die seit 2016 offizielle Länderspiele bestreitet.




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