Von: importer
Manchester City hat wie erwartet eine offizielle Berufung gegen das Urteil einer von der Premier League eingesetzten unabhängigen Kommission eingelegt. Diese hatte den englischen Top-Club wegen “schwerwiegender” Verstöße gegen die Finanzregeln zwischen 2009 und 2018 schuldig gesprochen. Der Fall sorgt im englischen Fußball für riesige Aufregung und brachte nun auch dem britischen Premierminister Andy Burnham Kritik ein.
Der Regierungschef hatte in dieser Woche in einem BBC-Interview die Besitzer des ehemaligen Champions-League-Siegers für deren Investitionen gelobt. Auf die Frage, ob er besorgt sei, dass sich die Geldgeber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wegen des Skandals zurückziehen und City verkaufen könnten, antwortete Burnham: “Ich würde mir große Sorgen machen, sie zu verlieren.” Der Labour-Politiker war von 2017 bis Sommer 2026 Bürgermeister von Greater Manchester.
City will “unwiderlegbare Beweise” vorlegen
Eine unabhängige Kommission hatte Manchester City in 114 von 115 Anklagepunkten wegen Verstößen gegen Finanzregeln der Premier League für schuldig befunden. Die Vorwürfe reichen von falschen Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen bis zu unvollständigen Informationen über Trainer- und Spielergehälter. Der Club soll seine Einnahmen unter anderem mit Hilfe von Scheinverträgen mit Sponsoren künstlich erhöht und zugleich seine Kosten gedrückt haben. Der Effekt soll sich auf 900 Millionen Pfund (1,05 Milliarden Euro) belaufen.
Der Verein bestreitet die Vorwürfe. “Der Club ist der von der Premier League erhobenen Vorwürfen nicht schuldig”, teilte der vom Emirat Abu Dhabi kontrollierte Verein am Freitag mit. “Es gibt eine umfassende Sammlung unwiderlegbarer Beweise, die unsere Position in dieser Angelegenheit stützt”, hieß es weiter. Die Argumentation soll laut Berichten darauf hinauslaufen, dass die Regierung in Abu Dhabi – und nicht die Clubbesitzer – die umstrittenen Sponsordeals teilweise unterstützt haben.
Englands Fußballverband betonte am Freitag, den Fall genau zu beobachten. Die Entscheidung werde “erhebliche Auswirkungen auf die Integrität des Sports” haben, erklärte die FA. City drohen harte Strafen bis zur Aberkennung mehrerer Meistertitel oder einem Zwangsabstieg. Das Verfahren der Premier League läuft seit 2023. Es könnte sich nun noch wochenlang hinziehen.
Opposition: Burnham unter politischem Druck
Burnham erntete für sein Lob in Richtung der City-Besitzer Kritik. Der Parlamentarier Louie French von den oppositionellen Tories sagte: “Der Club sieht sich mit beispiellosen Vorwürfen konfrontiert, und Fans sind erschüttert über das, was sie in den Zeitungen lesen. Aber Burnham unterstützt die Eigentümer öffentlich auch noch während der Ermittlungen. Die Anhänger fragen sich zu Recht, ob hier nicht politischer Druck ausgeübt wird.”
“Fans aller Vereine haben das Recht zu wissen, dass die Regeln für alle gelten”, sagte Anna Sabine von den Liberalen Demokraten laut BBC. “Burnham muss sich daran erinnern, dass er Premierminister für alle ist, nicht nur für Manchester.”
Downing Street reagiert
Der Regierungschef pries in dem Interview die Investitionen aus den Emiraten, die nicht nur in Verein und Etihad-Stadion geflossen seien, sondern auch in die Stadt. Außerdem sei er “natürlich” zuversichtlich, dass seine eigenen Interaktionen als Bürgermeister mit den City-Besitzern einer Überprüfung standhalten.
Burnhams Amtssitz reagierte auf die Kritik an dem Interview. In einem Statement hieß es: “Wie der Premierminister deutlich gemacht hat, ist die erste Einschätzung schwerwiegend und es darf nicht der Eindruck entstehen, dass irgendjemand über den Regeln steht.” Das laufende Verfahren und dessen Ausgang müsse respektiert werden. “Wo ein Fehlverhalten festgestellt wird, sollten die Verantwortlichen die entsprechenden Konsequenzen tragen.”




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