Von: Sophia Molitor
Meran – Einst gehörte es selbstverständlich zum Landschaftsbild der Alpen, dann drohte es in Vergessenheit zu geraten. Es handelt sich um das ursprüngliche Alpenschwein. Dass die seltene Rasse heute wieder eine Zukunft hat, ist dem Engagement des Vereins Pro Patrimonio Montano und seiner Unterstützer zu verdanken. Beim Treffen der Südtiroler Alpenschweinezüchter und Gastronomen am 9. Oktober am Greiterhof bei Meran ging es darum, diese Tradition lebendig zu halten und neue Perspektiven für die Vermarktung zu schaffen.
Denn der Erhalt des Alpenschweins bedeutet mehr als den Schutz einer alten Rasse und ihrer genetischen Vielfalt. Es geht auch um regionale Qualität, ursprünglichen Geschmack und die Wiederentdeckung einer fast vergessenen kulinarischen Tradition. Damit daraus ein nachhaltiges Erfolgsmodell wird, müssen Züchter, landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeiter und Gastronomie enger zusammenarbeiten.
Ein entscheidender Wendepunkt war die Entdeckung einer letzten Gruppe Alpenschweine im Jahr 2013. Der Verein Pro Patrimonio Montano übernahm die Tiere und begann mit dem Wiederaufbau der Zucht. Dr. Kurt Kußtatscher engagierte sich seit Wiederentdeckung für die Erhaltung dieser alten Schweinerasse und ist bis heute als Gebietskoordinator für Südtirol tätig.
Von der erfolgreichen Rettungsgeschichte zur nachhaltigen Zukunft
Mit seinem kräftigen Körperbau, seinen langen Beinen und seiner Robustheit erweist sich das Alpenschwein als interessant für extensive Haltungssysteme im alpinen Gelände. Wo steile Wiesen, Weideflächen und traditionelle Berglandwirtschaft den Alltag prägten, eröffnete diese ursprüngliche Rasse neue Perspektiven.
Doch das Alpenschwein ist nicht nur aus Sicht des Kulturerbes interessant, auch kulinarisch bietet es spannende Möglichkeiten. Das langsam gewachsene, gut marmorierte Fleisch bietet Möglichkeiten, die weit über den klassischen Speck-Schwein hinausgehen. Neben Frischfleisch kommen hochwertige Spezialitäten wie Speck, Rohschinken, Lardo und Guanciale sowie weitere traditionelle Wurstwaren infrage.
Gerade für handwerkliche Metzgereien, Direktvermarkter und die Gastronomie kann das Alpenschwein eine Bereicherung sein. Dabei geht es nicht darum, Bestehendes zu ersetzen, sondern Südtirols kulinarisches Angebot um eine ursprüngliche Rasse und ihre besonderen Möglichkeiten zu erweitern. Entscheidend ist die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Zucht über die Verarbeitung bis hin zum Gericht am Tisch.
Die Vision des Vereins Pro Patrimonio Montano reicht deshalb über den Erhalt einzelner Tiere hinaus: Es geht darum, alte genetische Ressourcen zu bewahren, die Besonderheiten des alpinen Lebensraums zu nutzen und daraus hochwertige, nachvollziehbar erzeugte Lebensmittel entstehen zu lassen.
Dafür brauchte es Menschen, die die Begeisterung für das Alpenschwein teilten – Züchter, Verarbeiter und Gastronomen, die sich für den Erhalt der Rasse einsetzten und ihren kulinarischen Wert wiederentdecken.
Das Alpenschwein soll nicht nur überleben – es soll wieder einen Platz in der alpinen Landwirtschaft und Esskultur bekommen.
Eine Leidenschaft, die verbindet – und eine Tradition, die wieder auf den Geschmack bringt.
“Denn manchmal liegt die Zukunft gerade in dem, was beinahe vergessen worden war: in ursprünglichen Rassen, überliefertem Wissen und der Leidenschaft, daraus etwas Besonderes entstehen zu lassen”, so der Verein Pro Patrimonio Montano.




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