Von: importer
Die größtenteils interaktive Ausstellung “Come and Grow” in der RAIQA-“Kunstbrücke” in Innsbruck will Kunst als lebendes und lebendiges Echtzeitsystem präsentieren. Mit sechs Arbeiten der Medienkünstler Christa Sommerer und Laurent Mignonneau – bei vier von ihnen ist Publikumsbeteiligung unbedingt notwendig – werde die Schnittstelle von Mensch, Natur und Digitalem thematisiert, hieß es bei einem Medientermin. Die Ausstellung ist vom 13. Oktober bis zum 9. Jänner zu sehen.
In diesem Zeitraum können sich Besucher beispielsweise an der interaktiven Arbeit “Portrait on the Fly” versuchen. Das Werk reagiert nämlich auf die jeweils still davor stehende Person und formt in wenigen Sekunden die Umrisse des Betrachtenden mit Fliegen. Was zuerst rein spielerisch anmutet, folgt jedoch einem tiefer gehenden Gedanken, wie die Kuratorin der Ausstellung und künstlerische Leiterin der “Kunstbrücke”, Silvia Höller, am Freitag bei der Presseführung betonte. “Der Mensch ist Teil eines großen, lebenden Systems, das sowohl aus Natur als auch aus Technik und Digitalem besteht.” Eben jenes System könne der Mensch “mit seinen Handlungen beeinflussen”, skizzierte sie die Überlegungen der Ausstellung und die Intention der gezeigten Arbeiten.
Schreibmaschine und ein begehbares Kunstwerk
Direkten Einfluss nehmen kann das Publikum nicht nur bei dem “Portrait on the Fly”, sondern auch bei “Life Writer”, bei “The Value of Art” oder bei “Flaneur”. Lediglich die Handlungsspielräume sind dabei unterschiedlich groß. Bei “Life Writer” lassen sich etwa Buchstaben auf einer alten Schreibmaschine tippen, ein Code verwandelt die jeweiligen Buchstaben in unterschiedliche, höchst lebendig wirkende Insekten, die sodann fast schon haptisch greifbar auf eine Fläche projiziert werden.
Bei “The Value of Art” wiederum misst ein Sensor die Betrachtungszeit des Gemäldes “Unruhige See” und gibt dieser Zeit einen konkreten Geldwert. Das betretbare Werk “Flaneur” verwandelt schließlich Schritte etwa in Blumen oder Schmetterlinge, die dann beim Verlassen der Fläche wieder von Insekten regelrecht verschlungen werden.
Fast statische Werke, keine KI verwendet
Mehr oder weniger statisch, zumindest aber ohne Publikumsbeteiligung kommen hingegen die Arbeiten “Let it Grow” und “Scavengers” aus. Bei “Let it Grow” sind die Umrisse der beiden Künstler mit keimenden Samen dargestellt, bei “Scavengers” räumen Käfer in einer Endlosschleife von Menschen hinterlassenen, nicht biologisch abbaubaren Haushaltsmüll weg. “Das ist natürlich eine Utopie, denn so leicht funktioniert es nicht”, kommentierte die anwesende Künstlerin Sommerer diese Installation. Auch wenn die Arbeit keine direkte Beteiligung der Anwesenden herausfordert, soll sie dennoch nicht wirkungslos bleiben. “Es geht darum, beim nächsten Einkauf nachzudenken”, erklärte Sommerer.
Und noch etwas sei ihnen wichtig, wie Sommerer und Mignonneau unisono betonten: Die Arbeiten seien allesamt “Hand coded”, also komplexe Programmierungen ganz ohne Künstliche Intelligenz. Ein besonderes Faible hat Mignonneau in dieser Sache offenbar für Fliegen. Für die Arbeit “Portrait on the Fly” habe er beispielsweise 15.000 Fliegen programmiert, strich der Künstler heraus.
(S E R V I C E – “Come and Grow”in der RAIQA-“Kunstbrücke”, 13.10. bis 9.1.27, Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr; https://kunstbruecke.at )




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