Wer prägt Bozens kollektives Gedächtnis?

“Die Straßen in Bozen gehören den Männern”

Donnerstag, 22. Oktober 2026 | 16:27 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Wie viel Platz nehmen Frauen im öffentlichen Raum von Bozen ein? Und was erzählt ihre Abwesenheit? Diesen Themen widmet sich am Mittwoch, 28. Oktober, bei Eurac Research eine Veranstaltung des Projekts „where we belong“: Es fragt danach, wie unser kollektives Gedächtnis entsteht und macht die Geschichten der Frauen sichtbar, nach denen Straßen in Bozen benannt sind. Im Anschluss wird eine Fotoausstellung eröffnet, die bis zum 26. November in „The Gallery“ von Eurac Research zu sehen ist. Die Idee zu „where we belong“ stammt von Micol Piovesan. Gemeinsam mit der Künstlerin und Kuratorin Samira Mosca hat sie das Projekt über den Kulturverein lasecondaluna und in Zusammenarbeit mit Eurac Research entwickelt.

Wenn man Heilige und andere religiöse Persönlichkeiten ausnimmt, sind nur 26 Straßen in Bozen nach Frauen benannt. Viele befinden sich an den Stadträndern, und nicht alle sind auf digitalen Karten verzeichnet. „where we belong“ lädt dazu ein, diese Straßen zu entdecken und erzählt mit Fotografien und Videos die Lebensgeschichten ihrer Namensgeberinnen. Einige sind weltweit bekannt, etwa Maria Montessori, Marie Skłodowska-Curie oder Anne Frank. Andere sind eng mit der Geschichte der Region verbunden. Mit ihrem Engagement und ihren Werken haben sie die gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung vor Ort wesentlich mitgeprägt. In den Videos erzählen Frauen, die heute in Bozen leben und die Straßen der Stadt nutzen, von den Namensgeberinnen. Die Fotos und Videos sind in einer interaktiven Karte und auf der Instagram-Seite des Projekts zugänglich. Vorgestellt werden sie auch bei der öffentlichen Veranstaltung am 28. Oktober um 17.30 Uhr bei Eurac Research.

Das Treffen bietet Gelegenheit, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu betrachten und darüber nachzudenken, wer in ihrer Erinnerung Platz findet. Nach den Grußworten kommen die Projektinitiatorin Micol Piovesan und Amanda Filippi, Geschäftsführerin von lasecondaluna, zu Wort. Ebenfalls anwesend sind Elisabetta Colucci, Assistant Professor am Politecnico di Torino, die die interaktive Karte der Bozner Straßen entwickelt hat, sowie Alexandra Tomaselli von der interdisziplinären Forschungsgruppe Gender Dynamics von Eurac Research. Das Publikum ist eingeladen, Personen vorzuschlagen, nach denen neue Straßen in Bozen benannt werden könnten. Im Anschluss an die Veranstaltung wird die Fotoausstellung bei einem Umtrunk eröffnet. Sie ist bis zum 26. November von 8 bis 17 Uhr in „The Gallery“ von Eurac Research zu sehen.

Die Veranstaltung findet in italienischer Sprache ohne Übersetzung statt.

Bezirk: Bozen

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