Von: Sophia Molitor
Bozen – Am 30. September brachte die Freie Universität Bozen erstmals auf Landesebene Akteurinnen und Akteure zusammen, die sich mit dem Anbau sowie der Nutzung und Verarbeitung von Heilpflanzen beschäftigen. Das Treffen in Bozen ist Teil des europäischen Forschungsprojekts EcoFABULAnds. In Südtirol untersucht das Projekt, welches Potenzial traditionelle Heilpflanzen für eine nachhaltige Landwirtschaft, die regionale Wertschöpfung sowie für den Erhalt traditionellen Wissens und der Biodiversität haben.
Eingeladen sind landwirtschaftliche Betriebe ebenso wie Forschende, Fachleute aus Ausbildung und Beratung sowie Personen, die Heilpflanzen zu Lebensmitteln, Kosmetika oder anderen Produkten weiterverarbeiten. Auch Menschen, die gerade eine entsprechende Ausbildung absolvieren oder den Einstieg in diesen Bereich planen, werden einbezogen. Das Treffen am 30. September diente zunächst dazu, die unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnisse kennenzulernen und die Akteure stärker miteinander zu vernetzen. Daraus sollen in den kommenden Monaten gemeinsame Fragestellungen und weitere Aktivitäten entstehen.
„Wir wollen die Menschen, die sich mit Anbau, Produktion und Verarbeitung von Heilpflanzen beschäftigen, zusammenbringen, damit sie sich kennenlernen und gemeinsam klären können, wie sich dieser Bereich weiterentwickeln lässt”, sagt Leonardo Montagnani, Professor an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der unibz. Dabei gehe es nicht nur darum, neue Lösungen für Südtirol zu entwickeln. Gut funktionierende Strukturen, Erfahrungen und vor allem Südtirols fortschrittliche gesetzliche Bestimmungen in diesem Bereich könnten auch für andere europäische Regionen interessant sein.
Das mit europäischen Fördermitteln finanzierte EcoFABULAnds läuft seit 2025 und wird von der Humboldt-Universität zu Berlin koordiniert. In fünf europäischen Living Labs, also regionalen Erprobungs- und Austauschräumen zwischen Forschung und Praxis, werden agroökologische Lösungen unter sehr unterschiedlichen regionalen Bedingungen entwickelt und getestet. Während in Südtirol Heilpflanzen im Fokus stehen, geht es in Südirland um bioregionale Ansätze für widerstandsfähige Ernährungssysteme und Landschaften. In Berlin-Brandenburg werden im Rahmen des Projekts neue Stadt-Land-Beziehungen und Flächenkonkurrenz untersucht, in Südungarn die Wiederbelebung traditioneller Gartenbau- und Obstbausysteme und auf Zypern kreislauforientierte Produktions- und Konsummodelle. Ziel ist es, gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften und weiteren Beteiligten Lösungen zu entwickeln, die auch über die jeweilige Region hinaus nutzbar sind.
Im Rahmen des Südtiroler Living Lab soll neben der Netzwerkarbeit auch Wissen über traditionelle Heilpflanzen und ihre Nutzung verbreitet werden. Zu diesem Zweck werden mehrere lokale Projektpartner miteinbezogen: die Webagentur Tincx, die Genossenschaft Donne Nissá Frauen, der biologisch wirtschaftende Kräuter-, Blumen- und Früchtehof Noàl sowie das Grafikdesign-Kollektiv Marameolab. Im wissenschaftlichen Teil des Projekts untersucht die Forscherin Silvia Cannucci von der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften, welche Funktionen traditionelle heimische Heilpflanzen für das Ökosystem haben.
Neben der koordinierenden Humboldt-Universität zu Berlin gehören aktuell die Universität Pécs in Ungarn, die Freie Universität Bozen, die Open University of Cyprus sowie die South East Technological University und das University College Dublin in Irland zum universitären Konsortium. Weiterer Projektpartner ist die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.




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