Von: Matthias Knapp
Bozen – PERFAS (Performing Artists Association South Tyrol) steht solidarisch hinter dem Festival ELLA und den Künstlerinnen Margherita Paoletti und Nadia Groff. Wie vergangenen Freitag bekannt wurde, hat die Bozner Stadträtin Patrizia Brillo (Fratelli d’Italia), zuständig unter anderem für Frauen und Sozialförderung und Mitglied der Ratskommission für Chancengleichheit, nicht nur das im Rahmen des Festivals ELLA geplante Wandbild mit der Tarotkarten-Darstellung schwarzer Frauenfiguren gestoppt, sondern gleich dem gesamten Projekt ELLA die Förderung aus ihrem Ressort entzogen, die das beliebte Festival für Frauenkultur bis zu dieser Ausgabe stets erhalten hatte. Als Grund nennt Brillo die Hautfarbe der dargestellten Figuren: Die schwarzen Frauenfiguren hätten “in rosa” gemalt werden sollen, um “eine woke Sicht auf Kultur” zu vermeiden.
Diese Entscheidung ist laut PERFAS ein inakzeptabler und brandgefährlicher Präzedenzfall: „Nicht nur wegen der fragwürdigen Begründung durch Stadträtin Brillo – die Tarotkarten wurden im Laufe der Zeit von Hunderten von Künstlerinnen und Künstlern auf alle erdenklichen Arten und mit größter individueller Freiheit gemalt -, sondern auch wegen des mangelnden Verantwortungsbewusstseins gegenüber ihrem wichtigen Amt“, erklärt der Berufsverband in einer Presseaussendung.

Die Forderung, dass schwarze Frauenfiguren im öffentlichen Raum geändert werden müssten, und das ausgerechnet von einer Stadträtin, die zuständig für Frauenförderung und Mitglied der Ratskommission für Chancengleichheit ist – und bei einem Festival für Frauenkultur, werfe eine unerhörte Frage der Diskriminierung auf. Die Darstellung schwarzer Frauen als erklärungsbedürftig oder korrekturbedürftig zu behandeln, sei mit dem Auftrag der Frauen- und Sozialförderung und der Chancengleichheit nicht vereinbar.
„Es ist die Aufgabe der Institutionen, Mittel für kulturelle Entwicklung nach sachlichen Kriterien bereitzustellen. Wer Hautfarbe und Farbpalette vorschreibt, missbraucht das Amt für unzulässige ästhetisch-ideologische und in diesem Fall diskriminierende inhaltliche Vorgaben zur Gestaltung eines Werkes“, so der Verband.
Sandra Passarello, Vizepräsidentin von PERFAS: „Aus der Hautfarbe der dargestellten Figuren ein Kriterium für die Förderwürdigkeit des Festivals zu machen, ist eine unzulässige Einmischung in künstlerische Inhalte. Die Künstlerinnen müssen ihre Kunst keinesfalls begründen oder rechtfertigen, am allerwenigstens müssen sie der inhaltlichen Linie einer politischen Partei gefallen.“
Als Berufsverband der darstellenden Künstlerinnen und Künstler erinnert PERFAS Stadträtin Brillo und den gesamten Gemeindeausschuss, der nach Aussage der Stadträtin geschlossen hinter der Entscheidung stehe, mit Nachdruck daran, dass die öffentliche Kulturförderung in unserer Demokratie der von Artikel 33 der italienischen Verfassung garantierten Freiheit des künstlerischen Ausdrucks verpflichtet ist und diese zu verteidigen und zu fördern hat und darum niemals inhaltliche Vorgaben an die Realisierung eines Werkes knüpfen darf.
PERFAS fordert daher:
- die Rücknahme der Entscheidung, die Unterstützung für ELLA auszusetzen,
- die Realisierung des Wandbildes in der ursprünglichen Fassung oder in einer der von den Künstlerinnen vorgeschlagenen Alternativen,
- transparente und inhaltsneutrale Kriterien für die Vergabe städtischer Kulturförderungen und Wandflächen.
„Kunstfreiheit endet nicht dort, wo sie politisch unerwünscht wird“, erklärt das PERFAS-Team mit Peter Schorn (Präsident), Sandra Passarello (Vizepräsidentin), Thomas Maniacco (Geschäftsführung), Sabrina Fraternali, Eva Kuen, Chris Mair, Andrea Cozzo, Simon Gamper und Margot Mayrhofer.




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