Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Wenn sich Südtirols Chronistinnen und Chronisten einmal jährlich in Bozen treffen, sammelt sich geballtes Wissen über lokale Geschehnisse und Besonderheiten. “Die derzeitige Kurzsichtigkeit auf Geschichte ist frappierend – wir müssen, auch mit eurer Hilfe, wieder mehr Bewusstsein für das, was passiert, schaffen“, hob Landesrat Philipp Achammer in seinen Grußworten hervor und zeigte sich überzeugt davon, dass die Tätigkeit der Chronistinnen und Chronisten nach wie vor unverzichtbar sei. Gemeindenverbandspräsident Dominik Oberstaller sicherte ebenfalls die Unterstützung der Gemeinden zu, denn: “Die Arbeit der Chronistinnen und Chronisten ist auch für die Zukunft wichtig: Wir brauchen euch, um lokale Traditionen und Geschichte aufzuarbeiten und weiterzugeben.”
Um die Tätigkeit der Chronistinnen und Chronisten auch auf rechtlicher Basis besser abzusichern, war bereits vor Tagungsbeginn der neue Verein “Chronikwesen Südtirol KDS” begründet worden. Dieser soll als gemeinsame Plattform die Anliegen der Chronistinnen und Chronisten bündeln, ihre Arbeit nachhaltig stärken und – wie der Geschäftsführer des Südtiroler Bildungszentrums, Klaus Tumler, es nannte – „Lobby mit juristischem Hintergrund“ sein. Das Bildungszentrum hatte im Jahr 2025 die organisatorische Zuständigkeit für das Chronikwesen vom Südtiroler Landesarchiv übernommen, die Zusammenarbeit besteht jedoch weiter. Sichtbar wurde dies auch am Dank des Chronikwesens an Margot Pizzinini, langjährige Mitarbeiterin im Landesarchiv und für die Betreuung der Chronistinnen und Chronisten zuständig.
Landeschronist Wolfgang Thöni nannte als besonderen Stellenwert der Chronistinnen und Chronisten das Sammeln alter Schriften und Fotos. Dafür brauche es Sichtbarkeit, die mit dem neuen Verein künftig noch besser gegeben sei: “Durch den Verein ist eine stärkere Interessensvertretung möglich, zudem wollen wir unsere Mitglieder mit Fort- und Weiterbildungsangeboten, aber auch in rechtlicher Hinsicht gut unterstützen”, sagte Thöni. Lobende Worte kamen zudem vom Präsidenten des Südtiroler Bildungszentrums Martin Fischer, von Landesarchivdirektor Gustav Pfeifer und vom Landeschronisten Nord- und Osttirols, David Abendstein. Die Referentin für das Chronikwesen im Südtiroler Bildungszentrum, Ulrike Stubenruß, berichtete über die umfangreichen Tätigkeiten, unter anderem gebe es in Nals und Vahrn neue Chronistengruppen. “Ihr seid das Gedächtnis euers Dorfes”, sagte Stubenruß. Inhaltliche Inputs holten sich die Anwesenden von Eva Pflanzelter und Lara Castlunger von der Universität Innsbruck, die über die Datenbank “Option Digital” informierten und Hans Heiss, der zur Geschichte des Ehrenamtes referierte.
Ein besonderer Höhepunkt war die Ehrung verdienter Chronistinnen und Chronisten: Frieda Kainz Baldini (Marling), Maria Fliri Gerstgrasser (Naturns), Rosa Pircher (Passeier), Adolf Höllrigl (Kuens), Andreas Piok (St. Andrä/Brixen), Josef Pircher (Riffian) und Ludwig Veith (Prad am Stilfserjoch) haben über Jahrzehnte lokales Wissen gesammelt und somit für die Nachwelt zugänglich gemacht. Am Tag der Chronistinnen und Chronisten wurden sie dafür zu Ehrenchronisten ernannt. Wie jedes Jahr wurde der Tag mit einer Exkursion abgeschlossen: In diesem Jahr besichtigten die Teilnehmenden das Kraftwerk St. Anton.




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