Von: Sophia Molitor
Bozen/Val Müstair – Am ersten Oktoberwochenende stand die Schweizer Talschaft Val Müstair ganz im Zeichen des traditionellen Erntedankfestes “Festa da la racolta”. Das Fest bot in diesem Jahr nicht nur einen Rahmen für gelebtes Brauchtum, sondern war auch grenzüberschreitende Begegnungsstätte für die Menschen der Regiun Engiadina Bassa Val Müstair und des Vinschgaus. Höhepunkt war die öffentliche Präsentation des Strategiepapieres des Projekts “RaetiaCulTour” am Sonntag, 4. Oktober, in der Chasa Jaura in Valchava.
“Die Beziehungen zwischen Südtirol und Graubünden sind von einem regelmäßigen und wertvollen Austausch geprägt”, hebt Landesrat Daniel Alfreider hervor: “Unsere beiden Regionen verbindet vieles – die geografische Nähe, gemeinsame historische und kulturelle Wurzeln sowie zahlreiche gemeinsame Anliegen und Herausforderungen. Der grenzüberschreitende Dialog schafft dabei Raum für neue Impulse, gegenseitiges Verständnis und eine gute Zusammenarbeit. Es freut mich daher besonders, dass wir diese enge Verbundenheit und den gelebten Austausch gemeinsam feiern können.”
Für die Abteilung Ladinische Bildungs- und Kulturverwaltung des Landes, die als assoziierter Partner an dem Projekt beteiligt ist, stellt das Fest einen wichtigen Meilenstein dar. “Mit dem Projekt RaetiaCulTour schlagen wir eine wertvolle Brücke zwischen unseren Kulturen”, betont Mathias Stuflesser, Direktor der Abteilung Ladinische Bildungs- und Kulturverwaltung. “Unsere gemeinsamen rätoromanischen Wurzeln mit dem Romanischen in der Schweiz sind ein Erbe, das wir nicht nur bewahren, sondern durch gelebte Präsenz und strategische Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg aktiv weiterentwickeln und stärken wollen.”
Sprachlicher- und kultureller Austausch
Unterstützt wird diese Initiative auch von Bildungsdirektor André Comploi, dem die Stärkung des sprachlichen und kulturellen Austauschs über die Landesgrenzen hinweg ein wichtiges Anliegen ist: “Beim Erntedankfest wurde eindrucksvoll sichtbar, wie die rätoromanische Sprache und das lokale Brauchtum gelebt werden. Solche grenzüberschreitenden Begegnungen schaffen einen Mehrwert, nicht zuletzt, weil sie unsere gemeinsame Identität für alle greifbar machen.”
Die sichtbare Verbindung der Sprachminderheiten spiegelte sich auch im musikalischen Rahmenprogramm des Erntedankfestes wider, das von ladinischen Künstlerinnen und Künstlern maßgeblich mitgestaltet wurde: So war am Samstagabend das ladinische Rap-Duo “PandaLa9” aus dem Grödental zu hören. Am Sonntag gestalteten der Frauen-Viergesang “DeCater” (Gröden) und das Volksmusik-Ensemble “Conturines Echo” (Gadertal) den Empfang und das Marktgeschehen musikalisch.
Auch Gabriella Binkert Becchetti, Präsidentin der Regiun Engiadina Bassa/Val Müstair, betont den Mehrwert der Kooperation: “Das Projekt ‘Mehr als Nachbarn’ trägt seinen Namen völlig zu Recht. Durch den intensiven strategischen Austausch der vergangenen Monate wachsen das Unterengadin, das Val Müstair, der Vinschgau und Ladinien ein Stück weiter zusammen. Wir schaffen damit ein starkes Fundament für eine nachhaltige, kulturelle und touristische Aufwertung unserer gesamten Region.”




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