Das Hexenwerk am Schlern

Spannend: Was spielt sich da auf der Seiser Alm ab?

Samstag, 07. November 2026 | 08:14 Uhr

Von: Sophia Molitor

Seiser Alm – Die Felsen rund um die Seiser Alm erzählen von einer weit zurückliegenden Vergangenheit: Vor rund 250 Millionen Jahren befand sich hier ein warmes, flaches Meer. Muscheln, Korallen und Algen bildeten Riffe und Atolle, aus deren Ablagerungen über Millionen Jahre jene Gesteinsschichten entstanden, die später durch tektonische Kräfte zu den Dolomiten wurden.

Die Seiser Alm ist aber nicht nur eine der eindrucksvollsten Hochgebirgslandschaften Südtirols, sondern auch Schauplatz einer Welt voller alter Sagen. Im Mittelpunkt steht der Schlern, der die Fantasie der Menschen seit jeher besonders beeinflusst hat. Früher glaubten die Menschen dort, dass die Hexen vom Schlern das Wetter beherrschten. Wenn sich der Himmel plötzlich verdunkelte, Gewitter über die Alm zogen oder Hagel die Ernte zerstörte, waren angeblich die Schlernhexen am Werk.

Auf dem Puflatsch, am Rand der Seiser Alm, erinnern bis heute die sogenannten Hexenbänke an diese Überlieferung. Die auffälligen Felsformationen sehen aus wie steinerne Sitzgelegenheiten. Der Sage nach saß dort die Oberhexe und beobachtete das Land. Doch nicht alle Hexen galten als böse. Von einer Hexenmutter erzählte man sich sogar, sie sei besonders freundlich zu Kindern gewesen.

Doch die mystische Vergangenheit der Seiser Alm beschränkt sich nicht allein auf diese märchenhaften Erzählungen, denn in den Jahren 1506 und 1510 sollen auf Schloss Prösels bei Völs am Schlern tatsächlich Hexenprozesse stattgefunden haben. Den Frauen wurde vorgeworfen, mit dem Teufel im Bund zu stehen und Unwetter herbeizuführen. Allein in Völs wurden neun Frauen zum Tode verurteilt. Heute erinnern die Besen am Wegrand auch an diese Hexenprozesse.

Ein Berg mit teuflischen Namen

Auch die umliegenden Berge trugen einst Namen, die zur mystischen Atmosphäre beitrugen. Der höchste Punkt des Schlern ist der Petz, der rund 2.500 Meter erreicht. Direkt daneben befindet sich die Santnerspitze. Sie wurde laut Überlieferung erst 1880 erstmals von Johann Santner bestiegen, nach dem sie heute benannt ist. Zuvor aber, soll sie Teufelsspitze geheißen haben.

Wenn heute Wolken über den Schlern ziehen, das Licht plötzlich verschwindet und sich das Wetter innerhalb kurzer Zeit verändert, erinnert man sich leicht an diese alten Geschichten. Was früher als Werk der Hexen galt, lässt sich heute meteorologisch erklären. Dennoch sind die Hexenbänke, die Besen am Weg und die Namen der Berge sichtbare Erinnerungen an eine Zeit, in der die Menschen hinter den Naturgewalten übernatürliche Kräfte vermuteten.

Das eigentlich Spannende ist dieses Zusammenspiel aus Landschaft, Sage und menschlichen Glaubenssätzen, die noch heute Teil der kulturellen Identität der Seiser Alm sind.

Bezirk: Salten/Schlern

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