Zwei Nachtkultur-Manager für Südtirol

Südtirols Nacht-, Nischen- und Subkultur hat eine neue Stimme

Montag, 05. Oktober 2026 | 11:22 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die Südtiroler Nacht-, Nischen- und Subkultur erhält eine neue Anlaufstelle: Mit Federico Rossi und Simon Mariacher übernehmen künftig zwei Nachtkultur-Manager die Interessenvertretung der Nachtkultur und freien Szene in Südtirol. Organisiert und getragen wird die Arbeit von Cultura Libera Freie Kultur (CLFK), deren Trägerschaft derzeit BASIS Vinschgau Venosta innehat und von der Südtiroler Landesregierung, Abteilung Deutsche Kultur, finanziert wird.

Cultura Libera Freie Kultur versteht sich als Schnittstelle zwischen den Akteuren der Nacht-, Nischen- und Subkultur und Politik, Verwaltung sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen. Zu den zentralen Aufgaben der beiden Nachtkultur-Manager gehören die Erfassung und Vermittlung der Interessen der lokalen Szene die Organisation von Community Events sowie die systematische Recherche zu den konkreten Bedürfnissen und Herausforderungen, mit denen Kulturschaffende und Veranstalter*innen der freien Kulturszene in Südtirol konfrontiert sind. Dafür startet in den nächsten Wochen eine erste Tour in die verschiedenen Bezirke Südtirols, um direkt mit der lokalen (Nacht)Kulturszene und den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten.

„Unser Ziel ist es, zuzuhören, zu vernetzen und konkrete Lösungen anzustoßen. Die Nachtkultur ist ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens und braucht, ebenso wie andere Kulturbereiche, Räume, Sichtbarkeit und geeignete Rahmenbedingungen. Mit den beiden neu geschaffenen Stellen sind wir nun in einer sehr guten Position, an diesen Zielen konkret zu arbeiten.“, so Mirijam Obwexer stellvertretend für das Gremium von CLFK.

Cultura Libera Freie Kultur entstand im Juni 2024 im Rahmen des Südtiroltermins des CreativeEurope Projekts “Nightschool”, welches Nachtkulturschaffende in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit ausbildet. Die daraus resultierende Organisation vertritt mittlerweile die Interessen von über 50 Kollektiven und Kulturschaffenden aus der Nacht-, Nischen- und Subkultur in Südtirol.

Auch auf politischer Ebene hat das Thema in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Am 11. September 2024 nahm der Südtiroler Landtag den von den Grünen eingebrachten Beschlussantrag Nr. 137/24 „Anerkennung, Vernetzung und Förderung der Nacht- und Subkultur in Südtirol“ mit 32 Ja-Stimmen und einer Enthaltung an. Der Beschluss sieht unter anderem vor, die Nacht- und Subkultur als bedeutenden sozialen und kulturellen Faktor von Landesinteresse anzuerkennen und das Konzept einer zentralen Koordinierungsstelle zu prüfen bzw. zu entwickeln, welche zwischen Vertretern der Nachtkultur, Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und weiteren relevanten Akteuren vermittelt.

„Die Nacht-, Nischen- und Subkultur ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft und für viele junge Menschen unverzichtbar“, stellt Landesrat Philipp Achammer klar. Mit Simon Mariacher und Federico Rossi erhalte die Szene zwei Ansprechpartner, die als Schnittstelle zwischen den beteiligten Ebenen agierten und vermittelten. „Damit tragen wir wesentlich dazu bei, der Szene mehr Gehör zu verschaffen und gemeinsam für ihren Erhalt und ihre Weiterentwicklung einzutreten.”

Nun wird durch die Cultura Libera Freie Kultur diese Schnittstellenarbeit von Seiten der freien Kulturszene konkret gestärkt. Dabei geht es nicht nur um Clubs und Veranstaltungen. Die Nachtkultur umfasst ein breites Spektrum kultureller und sozialer Aktivitäten, Begegnungsräume und Formen des freien kulturellen Schaffens.

Für Südtirol ist ein vielfältiges Nacht-, Nischen- und Subkultur-Angebot auch eine Frage der Standortattraktivität. Gerade junge Menschen und Rückkehrer erwarten von ihrem Lebens- und Arbeitsort ein kulturelles Angebot, das über traditionelle Veranstaltungsformate hinausgeht, ergänzt und auch im internationalen Vergleich attraktiv ist. Eine lebendige Nachtkultur schaffe Räume für Begegnung, Kreativität und gesellschaftliche Teilhabe und kann damit einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass junge Menschen in Südtirol bleiben oder nach Südtirol zurückkehren.

„Eine vielfältige Nacht und Subkultur ist ein wichtiger Motor für gesellschaftliche Innovation und ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität unseres Landes. Das jetzt unser Beschlussantrag umgesetzt wurde und eine eigene Anlaufstelle für Nachtkultur eingerichtet wurde, ist ein wichtiger Meilenstein für die freie Kulturszene in Südtirol“, so Zeno Oberkofler, Landtagsabgeordneter der Grünen und Antragssteller des Beschlussantrags.

Mit Federico Rossi und Simon Mariacher stehen der Südtiroler Nacht-, Nischen- und Subkultur künftig erstmals zwei Ansprechpartner zur Verfügung, die Anliegen aus der Szene bündeln, den Dialog mit Politik und Verwaltung fördern und gemeinsam mit den Kulturschaffenden an konkreten Verbesserungen arbeiten. Damit soll Nachtkultur nicht nur als Freizeitangebot, sondern als eigenständiger und relevanter Bestandteil des kulturellen und sozialen (Zusammen)Lebens und der Nachtökonomie in Südtirol sichtbar und langfristig gestärkt werden.

Wer sind Federico Rossi und Simon Mariacher?

Simon Mariacher ist seit September 2026 Nachtkultur-Manager bei Cultura Libera Freie Kultur. Nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaft in Wien kehrte er 2020 nach Südtirol zurück und war unter anderem in den Bereichen Nachhaltigkeits- und Autonomiekommunikation sowie bei BASIS Vinschgau Venosta tätig. 2023 arbeitete er als persönlicher Wahlkampfassistent von Landeshauptmann Arno Kompatscher und ist derzeit beim Südtiroler Kulturinstitut tätig, wo er eine Veranstaltungsreihe mit elektronischer Musik kuratiert. Dabei sammelte er vielfältige Erfahrungen in den Bereichen Kommunikation, Community Building, Politik und Veranstaltungsorganisation.

privat

Federico Rossi übernimmt gemeinsam mit Simon die Rolle des Nachtkulturmanagers. Als leidenschaftlicher Liebhaber elektronischer Musik und des Nachtlebens arbeitet er seit vielen Jahren mit verschiedenen Kollektiven und Vereinen der Region zusammen und trägt so zu einem vielfältigen und kontinuierlichen Veranstaltungsangebot rund um die Clubkultur bei.

privat

Seit 2023 engagiert er sich als Mitbegründer des Vereins AMA – Art Music Architecture APS, besser bekannt als SPAZIOAMA, gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Team für die Organisation elektronischer Musikveranstaltungen und die Durchführung von Workshops. Dabei kooperiert er mit bedeutenden Kulturakteurinnen und -akteuren der Landeshauptstadt.

Bezirk: Bozen

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