Von: Sophia Molitor
Oberbozen – Bis 2017 waren die Gebeine von Josef Mayr-Nusser in der Kirche von Lichtenstern bestattet. Aus diesem Grund wird dort alljährlich an seinem Gedenktag das liturgische Gedenken an den seligen Josef Mayr-Nusser begangen.
Heiner Oberrauch, Präsident des Vereins Haus der Familie, schlug den Bogen von Josef Mayr-Nusser zur Gegenwart: Gerade angesichts der aktuellen Weltlage sei es wichtiger denn je, wachsam zu bleiben und Zivilcourage zu zeigen. Mayr-Nussers Haltung mahne dazu, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam dafür einzustehen, dass extreme Strömungen nicht die Oberhand gewinnen.
Toni Fiung, Südtirols Familienseelsorger und geistlicher Leiter im Haus der Familie, griff diesen Gedanken bei der Messe in der Waldkirche von Lichtenstern auf und zitierte den Schweizer Schriftsteller Max Frisch: „Unter Zivilcourage versteht man, die – auch bittere – Wahrheit dem anderen so zu sagen, wie ich sie meinem besten Freund sagen würde: mit Liebe!“
Klingende Säule
Die „Klingende Säule“ aus Bronze entworfen vom Künstler Josef Rainer steht vor der Waldkirche in Lichtenstern. Fünf drehbare und klingende Scheiben bilden die Skulptur. Jede Scheibe steht für eine Tugend und damit sinnbildlich für ein gutes Leben.
Auf der Deckscheibe ist der Abschied Josef Mayr-Nussers von seiner Familie dargestellt. Begriffe wie „Courage“, „Glaube“, „forza“, „famiglia“, „valore“, „Haltung“ und „Treue“ verweisen auf Werte, die ihn in seinen Entscheidungen getragen haben.
Beim Drehen der Scheiben entstehen unterschiedliche Klänge, die an eine Zugfahrt erinnern. Sie lassen an Mayr-Nussers letzten Weg denken: Am 24. Februar 1945 starb er in einem Viehwaggon an einem Hungerödem.
Erst durch die Bewegung der Besucherinnen und Besucher wird die Säule hörbar und in ihrer ganzen Bedeutung erfahrbar.
Josef Mayr
Josef Mayr wurde am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof am Bozner Boden geboren. Nach dem Abschluss der Handelsschule wurde er kaufmännischer Angestellter. Bei der Option 1939 entschloss sich Josef Mayr, entgegen der Mehrheit der Südtiroler:innen, in der Heimat zu bleiben. Am 26. Mai 1942 heiratete er Hildegard Straub. Ein Jahr später kam Sohn Albert zur Welt. Josef Mayr trat unter anderem der Bozner Vinzenzkonferenz bei und lebte sein Christsein im Alltag.
1944 wurde er zur SS einberufen. Einen Tag vor der Eidesleistung erklärte Josef Mayr, dass er den Eid auf Hitler aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Er wurde in Danzig wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tod verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Auf dem Weg dorthin ist Josef Mayr am 24. Februar 1945 in Erlangen in einem Viehwaggon seinen Strapazen erlegen. Am 1. März 1945 wurde er in Erlangen begraben. Im Februar 1958 wurden seine Gebeine nach Südtirol überführt und in der Kirche von Lichtenstern beigesetzt. Am 18. März 2017 wurde Josef Mayr-Nusser im Bozner Dom seliggesprochen. Seine sterblichen Überreste sind seither im dortigen Märtyreraltar bestattet. Bischof Ivo Muser hat den 3. Oktober zum liturgischen Gedenktag an Josef Mayr-Nusser bestimmt.




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