Laura-Mary Carter bei einem Auftritt am Frequency 2012

Blood Red Shoes präsentierten Album “Stay Lonely” in Wien

Samstag, 10. Oktober 2026 | 10:00 Uhr

Von: importer

Seit 22 Jahren gehen Laura-Mary Carter (Gesang, Gitarre) und Steven Ansell (Gesang, Drums) als Blood Red Shoes konsequent ihren Weg als Zwei-Personen-Rockband. “Tja, es ist eigentlich das Einzige, was wir kennen”, sagt Carter im APA-Gespräch. “Ich führe kein normales Leben, wie es für Frauen in meinem Alter üblich ist.” So tourt das Duo unermüdlich weiter und gastierte am Freitag im Wiener Flex, um das aktuelle Album “Stay Lonely” live mit viel Energie zu präsentieren.

Eine Platte von 2019 hieß “Get Tragic”, jetzt soll man einsam blieben. Die Titel muten im Gegensatz zur Musik doch etwas depressiv an. “Beide sind eigentlich Scherze”, klärt Carter auf. “‘Get Tragic’ war ein Witz darüber, wie wir älter werden und – na ja, was Bands eben manchmal passiert – irgendwie ein bisschen tragisch wirken könnten, ohne es selbst zu merken. Und immer, wenn wir Probleme haben, sagen wir ‘stay lonely’. Wir sind es so gewohnt, unterwegs zu sein, dass uns das normale Leben manchmal schwerfällt. Da sagten wir immer: Bleib lieber einsam.”

“Ein Rückblick auf unser Leben”

Das Thema Einsamkeit wird auch in den Texten behandelt. “Irgendwie schon”, bejaht die Musikerin. “Das Album ist vielleicht auch ein Stück weit ein Rückblick auf unser Leben. Ich war noch ein Teenager, als wir angefangen haben, und es hat mein ganzes Leben bestimmt. Man ist ständig unterwegs, kommt manchmal gar nicht dazu, innezuhalten und nachzudenken. Ich hatte nie einen ganz normalen Alltag. Bei Steve ist es genauso.”

Fühlt man sich manchmal einsam, wenn man im Tourbus sitzt und stundenlang durch ein fremdes Land zu einem Auftritt fährt? “Ja, das kann schon vorkommen. Man kann sich aber auch zu Hause unter Leuten einsam fühlen. Wenn man keinen Draht zu ihnen findet, besonders wenn man ein ganz anderes Leben führt. Da fühlt man sich manchmal wie ein Außerirdischer. Aber ich glaube, so habe ich mich schon immer gefühlt. Deshalb habe ich ja überhaupt erst mit der Musik angefangen.”

Alles selbst erledigen

Blood Red Shoes verkörpern das Motto Do-it-yourself zu 100 Prozent – nicht nur, was das Musikmachen betrifft. Carter: “Wir haben schon lange keinen Manager mehr. Wir erledigen alles selbst. Wir betreiben ein eigenes Label und haben mittlerweile etliche Bands unter Vertrag – das muss auch laufen. Dazu kommen Dinge, an die man vielleicht nicht gleich denkt, wie Merchandise bestellen und andere Zusatzaufgaben, für die andere ein ganzes Team haben.”

Als Duo der Berufung nachzugehen, habe der Langlebigkeit der Band “definitiv” geholfen, meint Carter. “Es wäre wirklich schwierig, vier oder fünf Meinungen unter einen Hut zu bringen. Schon bei zwei Leuten ist es nicht einfach. Finanziell wäre es auch komplizierter. Darüber hatten wir vorher gar nicht nachgedacht, aber es ist schon bemerkenswert, dass wir uns so lange und unter diesen Bedingungen behaupten und davon leben konnten. Wir machen ja auch noch andere Sachen. Ich arbeite an meinem Soloprojekt und Steve produziert. Wir sind also ständig aktiv.”

Ein Studio wie ein Schlafzimmer

Das starke “Stay Lonely” wurde in Brighton aufgenommen. “Steve wohnt noch dort und wir haben dort ein kleines Studio. Die Stadt ist quasi unser Standort. Dort haben wir die Songs auch geschrieben, alles in unserem eigenen Tempo, meistens abends. Wir haben das ziemlich zügig durchgezogen. Es war irgendwie lustig, weil wir zum ersten Mal kein Feedback von außen hatten.”

Die Atmosphäre in Brighton habe “sicherlich” Einfluss auf den Output gehabt, betont Carter. “Ich bin ziemlich wählerisch, wenn es ums Musikschreiben geht. Ich brauche eine Umgebung, in der ich mich wohlfühle und kreativ sein kann. Unser Studio erinnert ein bisschen an ein Schlafzimmer, es ist also recht gemütlich, ich schreibe dort gerne. Ich war schon in Studios, die sich eher kühl und unpersönlich anfühlten – da hat man gar keine Lust. Wir haben es uns schön eingerichtet in unserem Studio, es fühlt sich wie ein Zuhause an.”

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E – https://merch.bloodredshoes.co.uk )

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