Von: importer
Österreichs ESC-Kandidat Cosmó hat das Megaevent vom Mai hinter sich gelassen und legt mit “Lieber träum ich weiter” sein Debütalbum vor. Am Sonntag startet in Hamburg die Tournee, die den 20-Jährigen über Berlin und München nach Österreich führen wird, wo er zwischen Wien und Dornbirn mit seiner Band spielt. Mit der APA sprach Cosmó alias Benjamin Gedeon deshalb über das Lebensgefühl seiner Generation, die Unvorhersehbarkeit des Lebens und das Waschen von Hemden.
APA: Als Cosmó ist “Lieber träum ich weiter” Ihre Debütplatte, aber eigentlich haben Sie als Benjamin Gedeon ja schon einmal ein Album veröffentlicht. Sie sind so gesehen schon ein alter Hase …
Cosmó: “From my room” war damals eine Extended Play, aber natürlich bei weitem nicht in dem Rahmen, und es gab kein physisches Exemplar. Als ich jetzt das erste Mal die CD und die Vinyl in den Händen gehalten habe, das war ein Wahnsinn! Das einfach mal auf der Hand zu spüren, diese eineinhalbjährige Arbeit, in die so viel Herzblut, Tränen und Schweiß geflossen ist ….
APA: Ist denn Benjamin Gedeon als Musiker ad acta gelegt? Oder ist für Sie wie bei Conchita auch eine zweite künstlerische Persona denkbar?
Cosmó: Ich bin Cosmó, und das ist es. Benjamin Gedeon ist als Musikact nicht mehr tätig. Wenn ich mal Songs für andere schreibe, könnte ich mir vorstellen, das als Benjamin Gedeon zu tun. Das wäre dann ganz praktisch, weil man vielleicht nicht gleich draufkommt, wer das ist.
APA: Wäre die Arbeit für andere Musiker tatsächlich denkbar für Sie?
Cosmó: Ich mag das eigentlich sehr. Da fällt ein bisschen der Druck weg, und man sieht alles durch eine ganz andere Brille. Ich hatte bis jetzt nur ganz wenige Sessions, bei denen ich für jemand anderen geschrieben habe, aber einfach drauflos musizieren, ohne dieses “Das muss 100 Prozent ich sein”, macht Spaß.
APA: Sie haben ja auch schon vor Ihrer ESC-Erfahrung an der Platte gearbeitet. Wie sehr hat sie sich durch Ihren Einsatz beim Song Contest noch verändert?
Cosmó: Kaum, darauf habe ich auch geachtet. 90 Prozent des Albums waren vor dem ESC fertig. Es gab immer diese gleiche Vision vom ersten Cosmó-Album.
APA: Was war diese Vision?
Cosmó: Das Lustige ist: “Lieber träum ich weiter” ist eigentlich aus einer Frustration im Sommer 2025 entstanden, weil es mit der Musik halt nicht so weiterging, und ich irgendwie das Gefühl hatte: “Ich komme nicht voran.” Und dann kam die Textzeile “Lieber träum ich weiter”, also lieber immer weitermachen. Und es hat sich gelohnt!
APA: Musikalisch ist Ihre Debütplatte ja ganz verschiedenfarbig. Von Pop über R’n’B bis zu Tanznummern ist alles dabei. Sind Sie noch auf der Suche nach Ihrem Ausdruck, oder ist Cosmó einfach genau diese Diversität?
Cosmó: Ich möchte nicht, dass die Songs ähnlich klingen, auch wenn es hier und da natürlich Details gibt, die auf einen Cosmó-Song hinweisen. Aber ich mag es tatsächlich sehr, dass eine ganze Bandbreite im Album angeboten wird. Das ist dann wirklich ein Erlebnis. Das ist kein Album für den Hintergrund, sondern eines, das Geschichten erzählen und einen mitreißen soll. Ich möchte auch bei Konzerten, dass alles dabei ist – Lachen, Weinen, Toben, Springen.
APA: In Ihren Texten geht es um Verlassen, Verlassen-Werden, Lebensgefühl und Schönheitskult. Wie autobiografisch ist “Lieber träum ich weiter”?
Cosmó: Die ist total autobiografisch. Das sind alles Geschichten, die mir so passiert sind oder mich inspiriert haben. Ich ziehe immer Inspiration vom eigenen Leben, und in meinen Songs probiere ich immer, ehrlich zu sein.
APA: Zugleich hat man bei der Gesamtschau der elf Songs das Gefühl, man bekommt einen Eindruck der Lebenssicht Ihrer Generation. Bewusst?
Cosmó: Ich wollte wirklich ein Bild davon aufnehmen, wie es gerade einem Jugendlichen in der heutigen Welt geht mit Weltwirtschaftskrise, Inflation, KI und allem Schlimmen, und zeigen, wie man trotzdem die Hoffnung bewahren kann. Ich möchte weg von dem Begriff “Verlorene Generation”. Ich habe das Gefühl, wir möchten immer der Gegenwart ausweichen mit Urlauben oder Filmen, die einen aus dem Hier und Jetzt reißen. Aber wir können Schönes kreieren mit dem, was wir haben. Von 9 to 5 schuften und sich dann ein Haus leisten, das gibt angesichts der Preise am Wohnungsmarkt eh nicht mehr. Das soll nicht nihilistisch sein. Die Zukunft wird uns nicht beeinflussen, sondern wir werden uns zusammentun und unsere Zukunft beeinflussen. Und genau das möchte ich mit meinem Album sagen.
APA: Haben Sie von sich eine Vision, wo Sie in zehn Jahren stehen möchten?
Cosmó: Tatsächlich nicht mehr. Ich hatte das ganz lange vor dem ESC: “Ich bin Zahnarzt und nebenbei mache ich ein bisschen Musik. Aber ich kann das nicht hauptberuflich machen.” Doch jetzt haben sich so viele Türen geöffnet. An einem Tag habe ich Prüfungen an der Uni geschrieben, am anderen Tag vertrete ich Österreich beim Song Contest. Das Leben kann man sich so gut vorstellen, wie man möchte, aber manchmal muss man es einfach nehmen, wie es kommt. Was ich mir vorstelle, ist, dass ich glücklich bin, Menschen um mich habe, die ich lieb habe, und dass es mir gut geht. Aber der Rest ist nicht in Stein gemeißelt. Und ich finde das gut so.
APA: Als Zahnarzt sehen Sie sich aber nicht mehr, oder?
Cosmó: Wer weiß? Ich möchte nächstes Jahr mein Studium fortsetzen und schauen, wie das nebenbei funktioniert. Aber natürlich hängt das auch davon ab, wie das mit Cosmó weitergeht. Vielleicht steigt es jetzt langsam, aber stetig an. Vielleicht kommt wieder ein Hit, wer weiß. Aber ich werde mich auf jeden Fall ans Leben adaptieren.
APA: Cosmó singt Deutsch. Wird das auch in Zukunft so bleiben?
Cosmó: Ich habe vergangenes Jahr diesen Switch von Englisch auf Deutsch gemacht, und genau dieses Neue hat mich inspiriert. Deutsch ist meine Muttersprache, da fühle ich mich am wohlsten. Ich finde es auch super, wie das Publikum das gleich versteht. Aber vielleicht denke ich mir in ein paar Jahren: “Hey, jetzt wieder was ganz anderes.”
APA: Jetzt geht es aber erst einmal auf Tour durch die deutschsprachigen Länder. Wie sehr setzen Sie auf Show à la ESC, wie sehr auf einen reduzierten Bandauftritt?
Cosmó: Es hat mit ESC tatsächlich wenig zu tun, denn mit meiner Band auf der Bühne zu stehen, ist von der Energie her ganz was anderes. Beim ESC ist ja nur der Gesang live, jetzt geht es um Livemusik. Meine Band kenne ich schon seit vier Jahren, wir sind beste Freunde. Natürlich machen wir das jetzt nicht mehr wie in den Gürtellokalen bis vor einem Jahr und spielen die Songs runter, sondern ich erzähle eine Geschichte, und wir interagieren mit dem Publikum. Ich finde, es hat viel mehr Echtheit als beim ESC.
APA: Das heißt, die blaue Felljacke bleibt daheim und Sie treten nur in einem Hemd auf?
Cosmó: Ich habe nicht nur ein Hemd, sondern drei, die ich immer schnell zwischen den Auftritten waschen lasse. Der Geruch wird also passen.
(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E – www.Cosmómachtmusik.com/de )




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