Stefan Weber war Kopf der Drahdiwaberl

Drahdiwaberl-Chef Stefan Weber wäre 80

Sonntag, 08. November 2026 | 05:00 Uhr

Von: importer

Stefan Weber, der als Kopf der Skandalband Drahdiwaberl österreichische Popgeschichte geschrieben hat, wäre heute 80 Jahre alt geworden. Sein Name war untrennbar mit Exzess und Rock ‘n’ Roll verbunden. Mit seiner Gruppe machte er sich theatrale Radikalität zu eigen, um das Publikum zu schocken und erarbeitete sich somit einen Ruf, der bis heute nachhallt. Weber starb 2018 an seiner Parkinsonerkrankung.

Geboren und aufgewachsen ist Weber in Wien, nach eigener Aussage “in einem kommunistischen Elternhaus”. Er selbst zeigte bereits früh gesellschaftspolitische Interessen und beteiligte sich als Jugendlicher an der Besetzung der Kunstakademie. In Weber keimte schon länger die Leidenschaft für die Musik: “In der Mittelschule ist es mir eingeschossen, eine Band zu gründen”, sagte er in einem APA-Interview. “Die Idee dazu kam mir, als ich auf Skikursen alle Rock ‘n’ Roller nachgemacht habe. Von Elvis bis Bill Haley – ich hab sie alle drauf gehabt. Ich war die Abendattraktion.”

1966 gründete Weber die Gruppe Webbb’s Crew, bevor 1969 aus der Tradition der 68er-Bewegung die Band Drahdiwaberl entstand. Diese sollte bleibenden Eindruck hinterlassen, denn selbst Spätgeborene, die nicht in den abgedrehten Livegenuss von Drahdiwaberl gekommen sind, dürften großteils mit dem Namen etwas anzufangen wissen. Die Gruppe wurde bald nach der Gründung mit den dezidiert politischen Liedern und einer grellen, mitunter obszönen Liveshow bekannt. “Wir wollten anders sein. Wir hatten von Anfang an die Intention, die wildeste Band in Österreich zu werden”, so Weber.

Im Duett mit Resetarits zum Hit

Parallel zu den Wiener Aktionisten gestalteten sich die Konzerte der Formation als Materialschlacht, bei der die Zuhörer mit Nahrungsmitteln beworfen wurden, weshalb die Auftritte nicht selten in Verhaftungen und Gerichtsverfahren mündeten. Zugleich begründeten Musiker wie Falco oder Thomas Rabitsch bei Drahdiwaberl ihre Karrieren. Auch die Jazz Gitti war lange Mitglied – ebenso wie Tochter Monika, welche die Rolle als Akteurin von Webers Frau übernommen hatte.

Bis man von diesen Happenings und Songs aber erste Tonträger in Händen halten konnte, sollte es lange Zeit dauern. Erst 1981 veröffentlichte die wilde Truppe mit “Psychoterror” die Debütplatte, bevor Weber 1983 im Duett mit Lukas Resetarits mit der Single “Lonely” (vom Album “Werwolfromantik”) gar die Spitze der heimischen Charts erklomm.

Lehrer für Zeichnen und Werken

So markant die Auftritte und der folgende Aufschrei auch waren, so überschaubar blieb der kommerzielle Erfolg. Deshalb verdingte sich Weber ab 1970 auch als Lehrer für Zeichnen und Werken an einem Wiener Bundesrealgymnasium. “Die Konservativen wollten mich natürlich abschießen”, erzählte Weber. “Aber der Direktor stand am Standpunkt: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Und er wollte nichts wissen. Ich hab sicherheitshalber immer vermieden, auf der Bühne nackt zu sein. Dafür hab’ ich Mikroständer zertrümmert.”

Seinen Posten musste Weber wegen seiner Parkinsonerkrankung allerdings frühzeitig aufgeben. Der letzte Auftritt der Drahdiwaberl fand 2009 im Wiener Gasometer statt. Dass Weber über die Jahre zum heimischen Kulturgut wurde, zeigen nicht zuletzt auch Auszeichnungen, die der Künstler erhielt. So wurde er 2005 mit einem Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk geehrt und erhielt auch das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien.

Gala im Weberknecht und auf Okto

Das Wiener Gürtellokal Weberknecht richtet dem Berserker an seinem heutigen Geburtstag ab 16 Uhr (Eintritt: freie Spende) eine “große Gala” mit dem Titel “Exzess, Anarchie & Kult” aus. In der “Schweinderl-Lounge” wird u.a. der Film “Stefan Weber heißt das Schwein” gezeigt, im “Sauerei-Keller” konzertiert etwa die Drahdiwaberl Tribute Kapelle. Wer es dorthin nicht schafft, muss nicht traurig sein. Der Communitysender Okto zeigt die Feierlichkeiten in zwei Teilen am 25. sowie 31. Dezember zur Primetime.

(S E R V I C E – www.wienbibliothek.at/drahdiwaberl/galerie/index.html )

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