Von: importer
Peter Zumthor ist einer der großen Denker der Architektur, ein philosophischer Baumeister, der letztlich wenige Werke geschaffen hat, die aber die Menschen bezaubern. Dem heute 86-Jährigen nähert sich nun der große Porträtist Wim Wenders in seinem neuen Film “From Inside Out”. Oder besser: Er nähert sich den Bauten des großen Einzelgängers seiner Zunft. Schließlich lässt Wenders meist die Gebäude für sich sprechen, nicht Zumthor. Ab Sonntag auf der Viennale zu sehen.
Bereits mit “Pina” hatte Wenders 2011 die poetischen Qualitäten von 3D-Bildern abseits gängiger Superhelden-Franchise begonnen zu erkunden. Auch in “From Inside Out” löst die Technik ihren Mehrwert ein, geben die 3D-Aufnahmen von Kameramann Franz Lustig doch eine adäquate Wiedergabe der Wirkung der Architektur, die ruhig durchmessen wird. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den Innenräumen, die vom wechselnden Licht moduliert werden, sich zur Außenwelt hin mit großen Fenstern öffnen, immer wieder aber auch sich selbst ohne Öffnungen in die Welt genügen, wie etwa beim Kunsthaus Bregenz.
“Das Äußere der Häuser interessiert mich weniger”, meint Zumthor an einer Stelle selbst. Er begreife Bauten als Vervollständigung einer Landschaft, die vorher nicht vollständig war. Und tatsächlich liegt die wirkliche Qualität der Gebäude Peter Zumthors nicht im Außen, sondern im Innen.
Mit Architektur Heimat schaffen
Ihn bewege, dass Architektur Heimat wird und schafft. “Häuser müssen von Menschen gebaut werden – es gibt nichts Schöneres, als die Spuren von Menschen zu sehen”, meint Zumthor aus dem Off. Auch wolle er keinen Kontrast zwischen denkmalgeschützter Architektur und einem Neubau schaffen, sondern auf die Verbindung von Altem und Neuem setzen.
Persönlich erfährt man in dem über 14 Jahre hinweg entstandenen Film wenig über den Pritzker-Preisträger, der lediglich an einer Stelle anklingen lässt, dass er Schutz-Räume auch deshalb baue, weil es diesen Schutz in seiner Kindheit nicht gab. Die Persönlichkeit des Erbauers vermittelt sich durch die Werke, etwa die ikonische Vals Therme, das Kunsthaus Bregenz, das gescheiterte Vorhaben der Topographie des Terrors in Berlin, das Kölner Kolumba-Museum oder zuletzt das gigantische Los Angeles County Museum of Art (Lacma), mit dem Zumthor unter Beweis stellte, dass er auch groß bauen kann.
In dieser visuellen Erfahrung der Zumthor-Räume liegt zugleich die vielleicht einzige Irritation in “From Inside Out”, mit dem Wenders sich nach Pina Bausch, Papst Franziskus oder Anselm Kiefer erneut einem Großen zuwendet. Der Filmemacher lässt stets Frauen mit staunendem Blick durch die Räume streifen. Das geschulte Auge erkennt zwar hie und da Starliteratin Siri Hustvedt in Nordnorwegen oder Sängerin Sophie Hunger in Basel, dennoch gewinnt in diesen Sequenzen eine unpassende Werbeästhetik kurz die Überhand in einem ansonsten hochästhetischen Architekturessay.
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E – Im Rahmen der 64. Viennale am 25. Oktober um 21 Uhr, am 1. November um 21 Uhr und am 2. November um 18.30 Uhr im Filmmuseum zu sehen. www.viennale.at/de/film/inside-out-die-architektur-von-peter-zumthor ; www.polyfilm.at/film/from-inside-out/ )




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