Von: importer
Irmgard Keun (1905-1982) war ein literarischer Shootingstar am Ende der Weimarer Republik. In ihren Romanen “Gilgi – eine von uns” und “Das kunstseidene Mädchen” schuf sie moderne Frauenfiguren, in denen sich viele wiedererkannten. Bis heute haben Keuns Romane nichts von ihrem Reiz verloren. Sie sind witzig, schlagfertig und ein Spiegelbild ihrer Zeit. Tobias Lehmkuhl würdigt das wilde, aber auch traurige Leben der deutschen Schriftstellerin in seiner lesenswerten Biografie.
Er versucht dabei auch manche Lücken und Merkwürdigkeiten im Lebenslauf einer Frau zu rekonstruieren, die es mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm. Rätselhaft sind vor allem die Jahre, als Keun noch während der NS-Herrschaft trotz Publikationsverbots aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrte und undercover im Bombenkrieg überlebte.
Lehmkuhls Biografie schließt wichtige Lücke
Die Biografie vermittelt das Bild einer ebenso schillernden wie tragischen Frau. Keun glänzte mit literarischem Talent und persönlicher Anziehungskraft. Doch das Timing ihres Lebens war unglücklich. Gerade als ihre Schriftstellerlaufbahn so richtig Fahrt aufnahm, zwang die NS-Herrschaft sie ins Exil.
Obwohl sie auch dort noch schöne Romane schrieb, war es ein nicht mehr zu kittender Karrierebruch. Nicht zuletzt aufgrund ihres Alkoholmissbrauchs verstummte Keun nach dem Krieg immer mehr. Ihre Wiederentdeckung folgte spät und hält immer noch an. Lehmkuhls Biografie schließt hier eine wichtige Lücke.
(S E R V I C E – Tobias Lehmkuhl: “Keine von uns. Das Leben der Irmgard Keun”, Rowohlt, Berlin, 304 Seiten, 26,80 Euro. www.rowohlt.de )




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