Von: importer
Von seiner Stimme erwachen jeden Tag Millionen Menschen. Nun ist Philipp Hansa allerdings nicht als Moderator der Ö3-Morningshow zu hören, sondern als Paprika – als Vampir Paprika, um genau zu sein. Der 36-jährige Steirer hat den Charakter in Verena Fels’ neuem, österreichischem Animationsfilm “Monster Mia” synchronisiert – als erster Job dieser Art für den immer wieder auch als Schauspieler tätigen Publikumsliebling.
Aus diesem Anlass sprach Philipp Hansa mit der APA über seine Fehleinschätzung, als Radiomoderator Vorteile beim Synchronisieren zu haben, seine Liebe zum Schauspiel und den Grund, weshalb man ihn nun öfters “Stallone!” in seinem Grätzl wird schreien hören.
Der Balrog ist besiegt
APA: Sie sind zwar als Schauspieler tätig, aber noch nie als Synchronsprecher. Wie kam es zum Engagement für “Monster Mia”?
Philipp Hansa: Ich gebe jetzt mal eine minimal übertrieben selbstbewusste Antwort. Ich habe mir davor immer gedacht: Das gibt es ja nicht, dass ich noch nie eine Anfrage fürs Synchronsprechen bekommen habe! Dabei würde ich das so gern machen, weil mir die ganze Film- und Schauspielwelt eben extrem taugt. Aber jetzt hat Gandalf den Balrog besiegt, und es ist eine Mail von der Produzentin Dunja Bernatzky bei mir aufgeschlagen – und ich war sehr glücklich, neun Stunden im Studio zu stehen.
APA: Das bedeutet, Sie hätten zu dem Zeitpunkt jedes Angebot angenommen?
Hansa: Völlig wurscht – ich hätte alles gemacht. (lacht) Aber im Ernst: “Monster Mia” ist echt ein cooles Projekt. Und ich muss leider sagen: Meine Figur Paprika ist auch der spannendste Charakter.
APA: Synchronsprechen und Schauspielern sind ja zwei Paar Schuhe. Wie ging es Ihnen damit, dass man immer von einer Sekunde auf die andere liefern muss?
Hansa: Ich dachte mir ehrlicherweise, dass ich vom Radio her einen Vorteil habe. Ich bin es vom Formatradio ja gewöhnt, dass man in einer genau abgezählten Zeit diverse Elemente rüberbringen muss. Das bekomme ich ziemlich genau auf den Punkt hin. Beim Synchronsprechen ist es aber insofern was anderes, weil du eine Emotion genau in der Sekunde für eine gewisse Länge haben musst. Und anders als im Radio kann ich nicht entscheiden, welche Emotion ich dazu habe. Die ist vorgegeben. Das war dann wirklich herausfordernd.
Sklave statt Herr
APA: Und im Radio sind Sie Ihr eigener Herr, während Sie beim Film Sklave sind und den Anweisungen der Regisseurin folgen müssen …
Hansa: So würde ich es nicht formulieren, aber ich bin schon leicht selbstbewusst reingegangen und habe mir gedacht: Ich arbeite beim Radio, das soll kein Ding sein. Es waren sieben Stunden eingeplant für fünf Seiten – und ich dachte: Kein Thema. Die Wahrheit ist aber: Ich habe neun Stunden gebraucht, ohne Pause! Ich habe mich da echt reingetigert. Es gibt von mir ein “Und” wirklich in hundertfacher Ausgabe. Ich wollte dieses “Und” perfekt setzen, in der richtigen Emotion. In dem ganzen Projekt steckt so viel Herzblut, da muss es dann auch jeder ernst nehmen.
APA: Haben Sie sich denn auch schon im Vorfeld auf Ihren Charakter als Teenager-Vampir vorbereitet? Oder macht man so etwas bei einer Animationsrolle nicht?
Hansa: Doch! Ich wollte den Paprika verstehen. Er ist ja wirklich der einzige Charakter, der einen Bruch hat. Er hat als Vampir Vorurteile gegenüber den Menschen, lässt sich aber am Ende überzeugen. Da habe ich mich schon sehr abgeholt gefühlt. Ich bin in meinem Leben sicher schon in viele Fettnäpfe getreten, man schleppt gewisse Stereotype mit sich rum. Und Paprika bricht genau aus diesem Kreislauf aus, weil er sich von seinem Herz und von Worten überzeugen lässt. Das ist etwas, das in unserem öffentlichen Schwarz-Weiß-Diskurs wahnsinnig wichtig wäre, denn anderer Meinung zu sein, ist ja kein Fehler, sondern superwichtig. Das Wichtigste ist doch der Graubereich, und genau den hat der Paprika gefunden. Da war ich stolz auf ihn.
Schauspiel als erste Liebe
APA: Wie sehen Sie denn Ihre Zukunft? Ist die Schauspielerei etwas, das Sie weiterhin nebenher betreiben möchten oder wäre vorstellbar, den Fokus vom Radio wegzunehmen?
Hansa: Schauspiel war meine erste Liebe, dann erst kam das Radio. Ich habe nicht die typischen Geschichten vieler meiner Kollegen oder Kolleginnen, die mit dem Radio unter dem Kopfpolster eingeschlafen sind. Ich habe das Radio einfach irgendwann für mich entdeckt. Radio-Machen ist geil, es ist unkompliziert, es geht schnell – ich liebe das. Aber die erste Liebe vergisst man eben nicht …
APA: Und manchmal blühen ja Wünsche und Träume auf, wenn man sich wieder begegnet …
Hansa: So ist es. Und gerade habe ich mit “Monster Mia” so eine Begegnung, und ich hoffe, es erblüht etwas. Es gibt momentan kein konkretes Projekt, aber ich bin offen. Natürlich muss das von der Rolle her passen, aber ich würde da wahnsinnig gern mehr machen. Ich habe wie einst Sylvester Stallone schon selbst drei Drehbücher verfasst. Der hat früher auch keine Rollen bekommen und sich “Rocky” dann einfach selber auf den Leib geschrieben.
APA: Man sieht Sie also bald als Selfmademan auf der Leinwand?
Hansa: So weit bin ich noch nicht. Ein Drehbuch wurde abgelehnt vom ORF, an dem muss ich also noch weiterschreiben. Und die anderen zwei will ich bisher niemandem zeigen, weil ich darüber noch keine Meinung hören will, sie noch nicht verfälschen lassen möchte. Aber dass da was entsteht, vielleicht konkret nächstes Jahr, das wäre mein großer, großer Traum.
Vorbilder neben Stallone
APA: Haben Sie dabei neben Stallone noch andere Vorbilder?
Hansa: Mein Lieblingsfilm ist “Good Will Hunting”, bei dem Matt Damon und Ben Affleck den Oscar für das Drehbuch bekommen haben. Und bei den beiden war das auch so: Sie sind mehrere Male abgelehnt worden von den Filmstudios und haben sich dann vor Meetings mit den Studiobossen immer motiviert, indem sie sich angeschaut und gesagt haben: “Stallone!”. Irgendwann ging es dann bei ihnen auf. Man wird mich in meinem Grätzl jetzt also öfters “Stallone!” schreien hören.
APA: Dann drücke ich die Daumen, dass Ihre Nachbarn nicht die Polizei, sondern einen Produzenten vorbeischicken …
(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)




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