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Peter Cornelius ist einer aus der alten Austropop-Garde mit radiotauglichen Oldies wie “Die Wolk’n”, “Reif für die Insel”, “Segel im Wind”, “Du entschuldige i kenn Di” und dem faserschmeichelnden “Der Kaffee is fertig”. Mit 75 kann er nun endlich ohne Karriere-Rücksichten genau das machen, was er offensichtlich immer schon wollte: Gitarrenrock zum Abwinken, wie er beim ersten seiner drei Tour-Abschlusskonzerte am Donnerstag in der Wiener Stadthalle F eindrucksvoll bewies.
Man war fast verführt zu fragen: “Du entschuldige I kenn Di. Bist Du net der Peter Cornelius? Aber Du klingst heit so anders!” – nämlich rockig, erdig und mit neuen Songs auch deutlich kritisch-reflektierter als in seinen Massen-tauglich arrangierten Austropop-Hadern aus den 1970ern aufwärts. Und seine Fans haben das genossen: Den umjubelten Empfang quittierte der Star noch erwartbar brav mit “Vielen Dank für den freundlichen Empfang”- nur um im nächsten Moment übergangslos mit einem schneidenden Gitarrenriff den neuen Song “Zeitlos”- Namensgeber für seine Tour 2026 – einzuleiten. Und sein Publikum trug den Stilwandel von der ersten Sekunde an mit sichtlicher Freude mit.
Irgendwie wurden allen klar, dass Peter Cornelius wohl vom Beginn an musikalisch ganz woanders hinwollte – ihm dabei sein Erfolg mit den Austropop-Hits aber quasi in die Quere kam; und dass er jetzt mit seinem aktuellen Album “Glassplitter” und der ausgedehnten “Zeitlos”-Tour endlich genau dort angekommen ist. Die neuen Songs sind für einen gerne rockigen E-Gitarristen wie Peter Cornelius maßgeschneidert. Der Musiker hat für die Bühne natürlich einige Glanzstücke aus seiner umfangreichen Gitarrensammlung mitgebracht – viel wichtiger: Er spielt alle meisterhaft.
“Die Wolk’n” im Louisina-Stil mit Slideguitar
Die wirkliche Challenge war live allerdings, die ursprünglich vergleichsweise “braven” Hits unpeinlich einzubauen – denn weglassen kann man seine Karriere-Highlights ja wohl kaum. Das kompromisslose Rezept von Peter Cornelius: Alles klingt ganz neu. “Reif für die Insel” kommt als überzeugender Reggae daher, “Die Wolk’n” spielt er mit seinen drei kompetenten Begleitmusikern in einer mitreißende Louisiana-Version, eingeleitet von einem spektakulären Slideguitar-Solo. Zur Erinnerung: Im Original sang der junge Peter Cornelius auf ein breitwandiges Bigband-Arrangement drauf. “Segel im Wind” eskaliert er zum klassischen Rock-“Hammerl”. Einzig beim zärtlich-harmlosen “Der Kaffee ist fertig” fand sich keine kontemporäre Neuinterpretation – so spielt Cornelius den Song nach einer langen, spaßigen Einleitung mit ironischem Unterton.
Bei der zweiten Hälfte von “Reif für die Insel” stürmten die Fans den Platz vor der Bühne – was ein Stadthallen-Aufseher zunächst verhindern wollte. Ein kleiner Wink von Peter Cornelius von der Bühnenkante hinunter reichte, dass der dienstbeflissene Ordner von seinem Vorhaben abließ – ab diesem Zeitpunkt tanzte das Publikum der Halle F.
Kein “Krönchen”, eine beeindruckende Rock-Krone
Der Künstlername Peter Cornelius setzt sich übrigens aus seinen beiden Vornamen zusammen. Sein kaum bekannter Familienname ist Korunka – dieser stammt auf dem Tschechischen und bedeutet “Krönchen”. Aber das ist eine pure Untertreibung: Es ist eine beeindruckende Rock-Krone, die er sich da jetzt selbst auf seine alten Tag’ aufgesetzt hat. Und das wird gewürdigt: Beim allerletzten Konzert am Samstag erhält Peter Cornelius den “Sold Out!”-Award der Wiener Stadthalle. Unter den bisherigen Preisträgern: Rod Stewart, Herbert Grönemeyer, Wanda, der 70. Eurovision Song Contest und zuletzt die Erste Bank-Tennis Open.
(Von Werner Müllner/APA)




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