Von: Sophia Molitor
Wim Hof, weltweit bekannt als „The Iceman“, ist ein niederländischer Extremsportler und Begründer der nach ihm benannten Wim-Hof-Methode, die auf Atemtechniken, gezielter Kälteexposition und mentalem Training basiert. Damit will er zeigen, wie Menschen ihre körperlichen und psychischen Reaktionen bewusst beeinflussen können beziehungsweise damit umgehen können. In Seminaren gibt Wim regelmäßig Einblicke in seine Methode. Im Frühjahr 2027 steht für ihn nun seine erste Antarktisexpedition bevor, mit der er ein außergewöhnliches Kapitel seines Lebens aufschlagen möchte. Hinter der Entwicklung seiner Methode steht jedoch ein schwerer persönlicher Schicksalsschlag: Seine Frau litt unter schweren Depressionen und nahm sich 1995 das Leben.
Der Verlust seiner Frau und die Konfrontation mit dem Thema Suizid stürzten Wim Hof in eine tiefe Trauer. Mit vier Kindern war er dem Alltag konfrontiert und suchte nach einem Weg, mit seinem eigenen Schmerz umzugehen. „Es war die härteste Zeit meines Lebens, ich war regelrecht verzweifelt und hilflos“, berichtete Wim in mehreren Interviews.
Zugleich kritisiert er wiederholt die klassische Schulmedizin, der er vorwirft, psychische Beschwerden häufig lediglich medikamentös zu behandeln, anstatt den tieferliegenden Ursachen auf den Grund zu gehen. Die Kälte beschreibt Wim als seine Rettung aus der dunkelsten Phase seines Lebens. „Die Kälte ist stärker als dein Denken“, lautet einer seiner bekanntesten Leitsätze. Aus seiner persönlichen Erfahrung entwickelte sich schließlich die Methode, die ihn weltweit bekannt machte.
Es scheint, als verfolge Wim Hof den Ansatz, dass Kälte einen Menschen ins Hier und Jetzt zurückholt. Denn gerade die eigenen Gedanken können das Gefühl eines Kontrollverlusts auslösen. Nicht unbedingt, weil man sie nicht kontrollieren kann, sondern weil sie häufig in der Vergangenheit oder in der Zukunft verankert sind. Wirklich handeln und Einfluss nehmen kann man jedoch nur im gegenwärtigen Moment. Gedanken an Vergangenes oder an das, was noch kommen könnte, können Ängste, Zweifel und Hoffnungslosigkeit hervorrufen, während im jetzigen Moment die Probleme eigentlich nicht wirklich existieren.
Wie vieles bleibt ungetan, weil wir in Gedanken an der Vergangenheit festhalten oder uns von der Zukunft verunsichern lassen? Und wie vieles tun wir gerade deshalb, weil wir aus vergangenen Erfahrungen heraus handeln oder uns von Ängsten, Erwartungen und Vorstellungen über die Zukunft leiten lassen?
Es ist eine Perspektive, die dazu einlädt, darüber nachzudenken, wie viele Probleme sich lösen ließen, wenn wir uns stärker auf das konzentrierten, was tatsächlich existiert: den gegenwärtigen Moment. Wenn wir lernen würden, das Hier und Jetzt bewusster wahrzunehmen und aus diesem Bewusstsein heraus zu handeln, anstatt uns von dem bestimmen zu lassen, was bereits war, vielleicht noch gar nicht eingetroffen ist oder auch nie eintreffen wird.
Wim Hof selbst sagt, dass ihn die Kälte faszinierte, weil sie ihn unmittelbar mit seinem Körper und dem gegenwärtigen Moment konfrontierte.
Moderner Komfort kann eine Schwäche für Psyche und Körper sein
Wim Hof vertritt unter anderem die Auffassung, dass der moderne Mensch durch zunehmenden Komfort und eine immer stärker geschützte Lebensumgebung den Kontakt zu natürlichen körperlichen Reizen verloren hat. Heizung, warme Kleidung und technische Hilfsmittel erleichtern zwar den Alltag, führen aus seiner Sicht jedoch auch dazu, dass wir seltener lernen, bewusst mit Kälte und körperlichem Unbehagen umzugehen.
Neben wissenschaftlichen Untersuchungen, darunter eine Studie zur Reaktion des Körpers auf bakterielle Endotoxine, steht hinter der Wim-Hof-Methode eine umfassendere Lebensphilosophie. Die Kombination aus Atemtechniken, Kälteexposition und mentalem Training soll nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen körperlichen Grenzen fördern, sondern auch dazu beitragen, psychische Widerstandskraft aufzubauen, um sich nicht bei allem aus der Fassung bringen zu lassen.
Im März 2027 führt Wim Hof seine Philosophie mit der Expedition „Beyond the Ice“ an einen der extremsten Orte der Erde – die Antarktis. Neun Tage lang erkundigt die Gruppe die extreme Landschaft im Zusammenhang mit Atemtechniken, mentalen Übungen und Kälteherausforderungen.




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