Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – In Südtirol haben knapp 3.700 Menschen eine Sachwalterschaft. Anlässlich des Welt-Alzheimertages macht der Verein auf die Möglichkeit aufmerksam, frühzeitig eine Vertrauensperson zu benennen. Am 30. September findet ein kostenloses Webinar statt, das allen Interessierten offensteht.
Wenn wir eines Tages nicht mehr in der Lage wären, uns selbstständig um all unsere Angelegenheiten zu kümmern – wen würden wir uns dann an unserer Seite wünschen? Ein Familienmitglied, einen Freund oder eine Freundin, eine Person, der wir vertrauen? Mit dieser Frage kann man sich auseinandersetzen, bevor eine solche Situation eintritt.
Anlässlich des Welt-Alzheimertages macht der Verein für Sachwalterschaft auf die vorherige Benennung eines Sachwalters oder einer Sachwalterin aufmerksam. Dieses noch wenig bekannte Instrument ermöglicht es, im Voraus die Person zu benennen, die als Sachwalter oder Sachwalterin eingesetzt werden soll, falls dies in Zukunft notwendig werden sollte.
Das Motto der internationalen Kampagne 2026 von Alzheimer’s Disease International lautet „The Earlier You Know, The More You Can Do: A Dementia Diagnosis Matters“, „Je früher man Bescheid weiß, desto mehr kann man tun: Eine Demenzdiagnose ist wichtig“. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose sowie die Möglichkeit, früher Zugang zu Informationen und Unterstützung zu erhalten und die eigene Zukunft zu planen.
Früher Bescheid zu wissen kann auch bedeuten, mehr Zeit für eigene Entscheidungen zu haben: sich zu informieren, sich mit Vertrauenspersonen auszutauschen und die eigenen Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck zu bringen.
Knapp 3.700 Menschen mit Sachwalterschaft in Südtirol
Ende 2025 hatten in Italien rund 354.000 Menschen eine Sachwalterschaft, in Südtirol waren es knapp 3.700.
Die im Rahmen der Tätigkeit des Vereins erhobenen Daten zeigen zudem, wie häufig Demenzerkrankungen im Bereich der Sachwalterschaft vorkommen: Im Jahr 2025 waren 40 Prozent der Personen mit Sachwalterschaft, die von Vereinsmitgliedern begleitet wurden, von Altersdemenz oder Alzheimer betroffen.
Bei Altersdemenz oder Alzheimer wurde die Sachwalterschaft in 84 Prozent der Fälle von einem Familienmitglied übernommen, in 16 Prozent von einer außenstehenden Person.
Angesichts der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung und der Prognosen, die für die kommenden Jahrzehnte von einer steigenden Zahl von Menschen mit Demenz ausgehen, gewinnt die Möglichkeit, sich frühzeitig mit Entscheidungen für die eigene Zukunft auseinanderzusetzen, zunehmend an Bedeutung.
Eine Entscheidung, die frühzeitig getroffen werden kann
Eine Alzheimer-Diagnose oder eine andere Form der Demenz bedeutet nicht automatisch, dass eine Sachwalterschaft notwendig ist. Gerade weil sich diese Erkrankungen im Laufe der Zeit entwickeln können, ermöglicht die frühzeitige Kenntnis der verfügbaren Instrumente jedoch, eigene Entscheidungen zu treffen, solange man noch in der Lage ist, diese zum Ausdruck zu bringen.
Zu diesen Instrumenten gehört die vorherige Benennung eines Sachwalters oder einer Sachwalterin.
Das Gesetz ermöglicht es einer Person, im Hinblick auf eine mögliche zukünftige eigene Handlungsunfähigkeit festzuhalten, wen sie sich als Sachwalter oder Sachwalterin wünscht, falls eine Sachwalterschaft später notwendig werden sollte. Darüber hinaus können Hinweise zu den eigenen Bedürfnissen und Wünschen festgehalten werden.
Die vorherige Benennung eröffnet damit eine andere Perspektive: sich nicht erst dann mit der Sachwalterschaft auseinanderzusetzen, wenn ein konkreter Bedarf entsteht, sondern bereits vorher die Möglichkeiten zu kennen, mit denen die eigenen Wünsche und Entscheidungen zum Ausdruck gebracht und gewahrt werden können.
In diesem Sinne ist sie ein Instrument der Selbstbestimmung: heute entscheiden, wen wir morgen an unserer Seite haben möchten.
Am 30. September: kostenloses Webinar für alle Interessierten
Zur Vertiefung des Themas veranstaltet der Verein für Sachwalterschaft am Mittwoch, 30. September, von 17.00 bis 19.00 Uhr das kostenlose Webinar „Entscheiden Sie heute, wer Sie morgen unterstützen soll – Die vorherige Benennung eines Sachwalters oder einer Sachwalterin als Instrument der Selbstbestimmung“.
Im Webinar wird erklärt, was die vorherige Benennung ist, wer sie vornehmen kann und wer benannt werden kann, welche Wünsche festgehalten werden können und wie dieses Instrument konkret funktioniert. Außerdem besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und einzelne Themen zu vertiefen.
Das Webinar findet online und in italienischer Sprache statt und wird simultan ins Deutsche übersetzt. Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen Interessierten offen. Eine Anmeldung ist erforderlich. Informationen und Anmeldung unter www.sostegno.bz.it.
Mit der Initiative möchte der Verein die Bevölkerung über ein noch wenig bekanntes Instrument informieren und dazu anregen, sich frühzeitig mit einer sehr persönlichen Frage auseinanderzusetzen: Wen würden wir uns an unserer Seite wünschen, wenn wir eines Tages eine Sachwalterschaft benötigen sollten?




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