Von: Matthias Knapp
Bozen – Besucherschlangen auf Wanderwegen in Villnöß mit unzähligen Menschen, die auf den Sonnenuntergang warten, um das perfekte Selfie zu schießen, sind nur Ausdruck eines Phänomens, das mittlerweile auf das ganze Land übergreift. Immer öfter fällt im Zusammenhang mit Südtirol der Begriff „Overtourism“ – ein Trend, der sich auch auf den Herbst ausdehnt.
Gemeint ist damit nicht nur die wachsende Anzahl von Touristen, die mittlerweile auch aus weit entfernten Teilen der Welt herkommen, sondern die Konzentration von Gästen an bestimmten „Hotspots“. Besucher wurden durch Bilder von Influencern in sozialen Medien auf bekannte Bergszenerien aufmerksam und setzen sich darauf häufig auch selbst vor bestimmten Landschaftsausschnitten in Szene.
So kommt es, dass im Herbst neben der klassischen Reisegruppe aus Deutschland unter den Lauben in Bozen mittlerweile immer mehr junge Urlauber aus Südostasien anreisen, um Südtirol einen Besuch abzustatten – vor allem aus Südkorea.
Tourismusexperte Kim HyunJin, der seit Jahren in Europa lebt, erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa, was hinter dem Phänomen steckt. Klassische Ziele wie Rom, Mailand, Neapel oder Venedig hätten demnach einen bestimmten Sättigungspunkt erreicht. „Das südkoreanische Publikum ist auf der Suche nach versteckten Perlen“, erklärt der Experte.
Befeuert wird der Trend durch asiatische Medien. Sowohl klassische Fernsehprogramme als auch Webformate widmen sich vermehrt den Dolomiten. „Das Südtiroler Territorium hat sich dadurch in ein Kultziel verwandelt“, betont Kim HyunJin. Dazu kommt das Wettrennen in den sozialen Medien: Wer als Erster wenig bekannte Destinationen besucht und exklusive Bilder teilt, hat die Nase vorn.
Die Dynamik verlagert den Tourismusstrom auch abseits traditioneller Pfade, was zwar zu konstanteren Besucherzahlen über das Jahr hinweg führt, aber in kleinen Bergdörfern und auf bisher weniger frequentierten Wanderwegen zunehmend für Probleme durch Überfüllung sorgt.




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