Von: Sophia Molitor
Aldein – Ein simuliertes Szenario bildete den Ausgangspunkt für die erste offizielle Demo des europäischen Forschungsprojekts HURRICANE, das vom terraXcube, dem Zentrum für Extremklimasimulation von Eurac Research, koordiniert wird: Ein Unwetter hat in der Bletterbach-Schlucht Steinschlag und Rutschungen ausgelöst. Es gibt Vermisste, das Gelände ist schwer zugänglich, der Mobilfunkempfang ist eingeschränkt. Die Projektpartner erprobten im GEOPARC Bletterbach, wie Drohnen und unbemannte Bodenfahrzeuge Rettungskräfte bei Einsätzen in schwierigen Umgebungen unterstützen können.
Die robotischen Systeme sollten mögliche Gefahren erkennen und nach vermissten Personen suchen. Positionsdaten, Videobilder und technische Informationen liefen in einer gemeinsamen Lageübersicht zusammen. Auch der Austausch von Daten bei eingeschränkter Verbindung war Teil der Erprobung. „Mit der gemeinsamen Simulationsübung im Bletterbach hat für HURRICANE die Phase der Erprobung begonnen: Erstmals werden die Technologien der Projektpartner gemeinsam in einem realitätsnahen Rettungsszenario getestet“, erklärt Riccardo Parin, Forschungsgruppenleiter bei terraXcube von Eurac Research und wissenschaftlicher Leiter des Projekts. „Die eigentliche Innovation liegt nicht in einer einzelnen Technologie, sondern darin, ein verlässliches System für die Bedürfnisse der Einsatzkräfte zu entwickeln.“
Gerade in den ersten Phasen eines Einsatzes müssen Rettungskräfte rasch einschätzen, welche Wege passierbar sind, wo Gefahren bestehen und ob Menschen davon betroffen sind. Drohnen können ein Gebiet aus der Luft erkunden, während Bodenroboter Informationen aus schwer zugänglichem oder möglicherweise gefährlichem Gelände liefern. Die gesammelten Daten ergeben ein Gesamtbild, das den Einsatzkräften helfen soll, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Neue Technologien für die Bergrettung
Der Bletterbach stellte die getesteten Technologien vor besondere Herausforderungen: schmale Wege, steile Felswände und eine eingeschränkte oder teilweise ganz fehlende Netzabdeckung. Hier sollte sich zeigen, ob die Systeme Informationen auch unter diesen Bedingungen erfassen, austauschen und für die Rettungskräfte nutzbar machen können. Besonders wichtig waren dabei die Rückmeldungen der involvierten Personen: Sie werden in die Weiterentwicklung der verschiedenen Systeme einfließen. „Neue Technologien sind bei Einsätzen der Bergrettung immer stärker integriert und eine große Hilfe“, sagt Dario Tassara, Direktor der Südtiroler Berg- und Höhlenrettung. „Man muss mit der Zeit gehen, und heute bietet sich für uns eine gute Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen.“ Auch für den GEOPARC Bletterbach war die Erprobung vor Ort von Bedeutung. „Wir möchten unseren rund 50.000 internationalen Besucherinnen und Besuchern ein eindrucksvolles und zugleich sicheres Naturerlebnis bieten“, sagt Direktorin Hannah Pomella. „Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, neue technische Lösungen direkt in unserer Schlucht kennenzulernen und ihre Entwicklung aktiv zu unterstützen.“ HURRICANE wird im Rahmen des EU-Programms Horizon Europe gefördert. An dem Projekt mit einer Laufzeit von 2025 bis 2028 sind 14 europäische Partner beteiligt.
Neben dem alpinen Szenario werden die Technologien auch in einem stadtnahen Umfeld und bei einem Waldbrandszenario erprobt. „Demos wie HURRICANE bringen Einsatzkräfte, Forschung und Industrie zusammen, um neue Lösungen unter realitätsnahen Bedingungen zu testen“, sagt Giannis Skiadaresis, Area Coordinator bei der Generaldirektion Migration und Inneres der Europäischen Kommission, anlässlich der Simulationsübung im Bletterbach.




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