lvh begrüßt "Bürokratie-Diät" der EU

“Bürokratische Entlastungen müssen bei Betrieben ankommen”

Montag, 28. September 2026 | 11:51 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Europa will Bürokratie abbauen und Unternehmen wieder mehr Luft zum Wirtschaften verschaffen. Die EU-Kommission hat eine weitreichende Vereinfachungsagenda auf den Weg gebracht. Der lvh hofft, dass mit dem Vorhaben Bewegung in den Bürokratieabbau kommt.

Administrative Belastungen für Unternehmen sollen um mindestens 25 Prozent, für kleine und mittlere Unternehmen sogar um mindestens 35 Prozent gesenkt werden. Mit verschiedenen sogenannten Omnibus-Paketen möchte die EU bestehende Vorschriften vereinfachen, Berichtspflichten reduzieren und unnötige Belastungen beseitigen. “Eine solche Bürokratie-Diät ist ganz im Sinne des Südtiroler Handwerks”, betont lvh-Direktor Walter Pöhl, “der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister fordert seit Jahren, bürokratische Vorgaben stärker an der betrieblichen Praxis auszurichten und insbesondere kleine Unternehmen wirksam zu entlasten.

Dass Europa beim Bürokratieabbau einen Gang höher schalten will, sei ein wichtiges Signal. Jetzt muss diese Entlastung aber auch bei unseren Betrieben ankommen. Gerade kleine Unternehmen haben keine eigenen Abteilungen, die sich ausschließlich mit Meldungen, Dokumentationspflichten und ständig neuen Vorgaben beschäftigen können. “Das Vorhaben Bürokratie abzubauen, muss deshalb bedeuten: weniger, einfacher und praxisgerechter“, betont der lvh-Direktor.

Der lvh hat bereits 2024 im Rahmen seiner Entbürokratisierungsoffensive Belastungen direkt bei den Mitgliedsbetrieben erhoben und konkrete Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Wiederkehrende Meldungen, komplexe Genehmigungsverfahren und unzureichend abgestimmte Schnittstellen zwischen öffentlichen Stellen gehören zu den Punkten, die den betrieblichen Alltag erschweren.

Ein zentrales Instrument wäre aus Sicht des lvh ein konsequenter Praxischeck für neue Regelungen. Schon vor der Einführung neuer Vorschriften sollte geprüft werden, welche Auswirkungen und zusätzlichen Verpflichtungen damit insbesondere für Klein- und Kleinstbetriebe verbunden sind. Ziel muss sein, unnötige Bürokratie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Großes Entlastungspotenzial bietet auch die Digitalisierung. Allerdings ist ein digitales Formular allein noch keine Vereinfachung. Der lvh fordert deshalb seit Langem das Once-Only-Prinzip: Daten, die ein Betrieb der öffentlichen Verwaltung bereits übermittelt hat, sollten nicht mehrfach abgefragt, sondern verwaltungsübergreifend genutzt werden können. Das würde Betrieben Zeit, Kosten und Doppelarbeit ersparen.

„Gerade Südtirol mit seiner kleinstrukturierten Wirtschaft braucht klare, einfache und verlässliche Regeln. Wenn Europa Bürokratie abbaut, müssen wir diesen Weg auch auf staatlicher und lokaler Ebene konsequent weitergehen. Weniger Bürokratie schafft Freiräume für Unternehmertum, Innovation und Ausbildung“, unterstreicht Pöhl.

Bezirk: Bozen

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