Welttag für menschenwürdige Arbeit

“Die Würde der Menschen kommt vor den Arbeitskosten”

Mittwoch, 07. Oktober 2026 | 07:14 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Anlässlich des Welttages für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober bekräftigt der SGBCISL die grundlegende Bedeutung von guten Arbeits- und Lebensbedingungen. “Eine Arbeit ist menschenwürdig, wenn man davon leben kann, wenn ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld gegeben ist, wenn Beruf und Privatleben in Einklang stehen und zuversichtlich in die Zukunft geblickt werden kann.”

„Arbeit darf nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Kosten betrachtet werden“, so SGBCISL-Generalsekretärin Donatella Califano. „Wenn der Wettbewerb über die Löhne, die Arbeitssicherheit, die Arbeitsrhythmen und die Jobsicherheit ausgetragen wird, dann müssen am Ende alle den Preis dafür zahlen. Dieses Thema betrifft auch Südtirol. Kollektivvertragliche Lohnerhöhungen drohen einen erheblichen Teil ihres Werts zu verlieren, wenn die Wohnkosten und täglichen Ausgaben ständig steigen. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes darf nicht auf der Abwertung von Arbeit aufgebaut werden. Wir brauchen Unternehmen, die investieren; Kollektivverträge, die eingehalten werden; politische Maßnahmen, die Familien entlasten.“

Der Preisanstieg und die wirtschaftliche Unsicherheit machten diese Frage noch dringlicher. “Diese Faktoren treffen besonders Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder mit geringem Einkommen, aber nicht nur: Auch Arbeitnehmer mit unbefristeten Vollzeitjobs bekommen den Kaufkraftverlust zu spüren. Die Lohnfrage ist vorrangig, so wie aber auch die Jobsicherheit, die Planbarkeit der Arbeitszeiten, der Gesundheitsschutz, die berufliche Weiterbildung und die Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren.”

„Der Arbeitskräftemangel wird nicht gelöst, indem mehr und länger gearbeitet wird oder ständig immer neue Mitarbeiter/innen gesucht werden“, unterstreicht SGBCISL-Generalsekretär Georg Plaickner. „Wenn es in bestimmten Sektoren immer schwieriger ist, Personal zu halten oder zu finden, dann wirft das einige Fragen auf. Angemessene Löhne, arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeiten, Sicherheit und berufliche Perspektiven tragen entscheidend zur Arbeitsplatzattraktivität bei. Die Vertragsverhandlungen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Antworten auf die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu finden.“

Für den SGBCISL müssen alle Akteure Verantwortung übernehmen. “Die Unternehmen müssen die Kollektivverträge richtig anwenden, in Arbeitssicherheit und Weiterbildung investieren, für eine gute Arbeitsorganisation Sorge tragen. Die Politik und das Land müssen die „Gute Arbeit“ durch entsprechende Dienste und Maßnahmen unterstützen, angefangen beim Thema Wohnen. Die Sozialpartner sind gefordert, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich auf der jeweiligen Verhandlungsebene bieten, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.”

“Es ist notwendig, einen Dialog zwischen Sozialpartnern und Politik auf den Weg zu bringen, der alle Faktoren von würdiger Arbeit umfasst. Der demografische und der technologische Wandel verändern den Arbeitsmarkt tiefgreifend. Diese Herausforderung kann und darf nicht einfach über die Arbeitskosten bewältigt werden, sondern erfordert Investitionen in die Qualität der Arbeit, in die Fähigkeit Südtirols, gute Arbeits- und Lebensbedingungen zu bieten, auch für die Arbeitskräfte von morgen”, so der SGBCIGL.

Bezirk: Bozen

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