Reserven könnten angezapft werden

EU-Staaten beraten über Freigabe von Dieselreserven

Freitag, 02. Oktober 2026 | 12:42 Uhr

Von: importer

EU-Mitgliedstaaten haben am Freitag über einen Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Freigabe zusätzlicher Dieselreserven beraten. Sie reagieren damit auf Druck aus den USA, das Angebot zu erhöhen und so die steigenden Kraftstoffpreise zu senken. Die Initiative sieht vor, dass die europäischen Staaten 50 Millionen Barrel Diesel freigeben, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Zudem sollen die Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) 50 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt bringen. Das französische Finanz- und Energieministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Eine Vereinbarung über die Freigabe der Dieselbestände soll dem Insider zufolge jedoch an eine Bedingung geknüpft werden: Die USA müssten sich verpflichten, auf ein einseitiges Exportverbot für Diesel zu verzichten. Die Staats- und Regierungschefs der G7, die derzeit unter französischem Vorsitz steht, beraten möglicherweise noch am Nachmittag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen.

EU will gemeinsames Vorgehen mit Washington

Die EU dringt angesichts der knappen Bestände und kräftigen Preissprünge auf ein gemeinsames Vorgehen mit Washington. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič sagte am Rande des G20-Handelsministertreffens am Donnerstag, er habe sich mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer über die Lage ausgetauscht. Europa wünsche sich ein koordiniertes Handeln, um die Preise zu senken und die Versorgung auf beiden Seiten des Atlantiks zu sichern. Šefčovič warnte vor US-Exportbeschränkungen für Diesel und erklärte, diese hätten schädliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa. “Wir haben klar vereinbart, in engem Kontakt zu bleiben, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden”, sagte Šefčovič.

Problem für US-Republikaner

Greer sagte dem Sender Bloomberg TV, er habe das Thema mit seinen europäischen Amtskollegen besprochen und den Wunsch der US-Regierung nach einer Bereitstellung weiterer Reserven geäußert. US-Energieminister Chris Wright äußerte sich kurz darauf optimistisch. Er glaube, dass es bald positive Nachrichten geben werde. Europa könne durch die Freigabe von Diesel aus seinen Reserven helfen, und er sei sehr zuversichtlich, dass dies geschehen werde. Trump und seine Regierung prüfen derzeit Optionen, um die Kraftstoffkosten vor den US-Zwischenwahlen im November zu senken. Die stark gestiegenen Dieselpreise sind für die Republikaner zu einem politischen Problem geworden, insbesondere in den landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten, in denen der Kraftstoff für die Landwirtschaft, den Lkw-Verkehr und das verarbeitende Gewerbe unverzichtbar ist.

Die EU zögert hingegen mit Verweis auf ihre begrenzten Notvorräte. Diese könnten bei einer weiteren Verschärfung geopolitischer Konflikte wie dem Iran-Krieg dringend benötigt werden. Der Krieg im Iran hat eine der wichtigsten Öl- und Kraftstoffquellen weltweit beeinträchtigt. Russland hat zudem sein Exportverbot für Diesel bis Ende Oktober verlängert, nachdem die Ukraine zahlreiche russische Raffinerien beschädigt hatte. Chinesische Raffinerien setzten Insidern zufolge ihre Kraftstoffexporte für Oktober aus, um die heimischen Bestände zu sichern. Die aus 32 Mitgliedstaaten bestehende IEA hatte im März als Reaktion auf die kriegsbedingten Ausfälle eine koordinierte Freigabe von 400 Mio. Barrel aus den strategischen Ölreserven beschlossen – die bisher umfangreichste Maßnahme dieser Art in der Geschichte der Organisation.

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