Austausch zwischen Industrievertretern und Europaparlamentariern in Mestre und München

“Europa muss Innovationen vorantreiben und unabhängiger werden”

Montag, 21. September 2026 | 16:28 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Mestre/München – Europa steht vor wichtigen Weichenstellungen für seine künftige Wettbewerbsfähigkeit. Derzeit wird der neue „Mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union für den Zeitraum 2028–2034“ verhandelt. Dieser wird maßgeblich darüber entscheiden, welche Möglichkeiten Europa für Investitionen in Forschung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und regionale Entwicklung schafft.

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Daher haben die Confindustria-Verbände im Nordosten Italiens, darunter der Unternehmerverband Südtirol, Confindustria Veneto, Confindustria Emilia-Romagna, Confindustria Friuli Venezia Giulia und Confindustria Trento, kürzlich zu einem gemeinsamen Austausch mit den Europaparlamentariern dieser Regionen nach Mestre geladen. In der gemeinsamen Diskussion wurde klar, dass Innovation die treibende Kraft für mehr Wettbewerbsfähigkeit in Europa ist und dass die Industrie in den Regionen gestärkt werden muss. Schließlich sind es die Unternehmen, auch abseits der großen Wirtschaftszentren, die Innovationen vorantreiben und maßgeblich für Beschäftigung und Wohlstand in Europa sorgen.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission sieht für 2028–2034 insgesamt rund 409 Milliarden Euro vor, um Europas Wettbewerbsfähigkeit, Forschung und Innovation zu stärken. Davon entfallen 175 Milliarden Euro auf das zentrale EU-Programm „Horizon Europe“ für Forschung und Innovation. Weitere rund 234 Milliarden Euro sind für den neuen „European Competitiveness Fund“ vorgesehen, der Investitionen in strategische Technologien und deren Umsetzung bis hin zur industriellen Anwendung unterstützen soll.

Für den Unternehmerverband Südtirol nahm Vizepräsidentin Evelyn Kirchmaier in Mestre teil. Sie unterstrich: „Wir haben Unternehmen in unseren Regionen, die ganz vorne mitspielen. Gerade bei Forschung und Innovation müssen wir diesen Vorsprung halten. Dazu brauchen wir in Europa einen Finanzrahmen, der Innovation voranbringt, Investitionen ermöglicht, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt und die Regionen berücksichtigt. Entscheidend ist dabei, dass unsere Betriebe diese Mittel einfacher und unbürokratischer nutzen können. Die Fördermöglichkeiten müssen näher an die Unternehmen gebracht werden und Planbarkeit ermöglichen.“

Der Südtiroler Europaabgeordnete Herbert Dorfmann betonte in der Diskussion die Bedeutung einer ausgewogenen Kohäsionspolitik und regionaler Gestaltungsspielräume: „Der neue Mehrjahreshaushalt der Europäischen Union wird die Politik der Union bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts maßgeblich prägen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es deshalb wichtig, einen Haushalt zu schaffen, der die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung Europas stärkt. Wir brauchen einen Haushalt, der die Entwicklung unserer Unternehmen unterstützt und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft insgesamt fördert. Gleichzeitig braucht es ausreichend regionalen Spielraum bei der Ausgestaltung. Denn vor Ort weiß man am besten, wie die verfügbaren Mittel effizient eingesetzt werden können. Und vor Ort gibt es auch die besten Möglichkeiten zu kontrollieren, dass das Geld gezielt und vernünftig eingesetzt wird.“

Die Stärkung der europäischen Industrie war gleichzeitig auch Thema einer Veranstaltung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in München. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit zahlreichen Industrievertretern aus Europa, unter ihnen auch der Direktor des Unternehmerverbandes Südtirol, Mirco Marchiodi, sowie der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, standen die zunehmenden Herausforderungen für die europäische Industrie im internationalen Wettbewerb und die Frage, wie Europa darauf geschlossen reagieren kann.

Einigkeit herrschte darüber, dass die EU zunächst ihre eigenen Hausaufgaben machen muss. Dazu gehört insbesondere die Stärkung des eigenen Binnenmarktes, die gezielte Reduzierung kritischer Abhängigkeiten, wettbewerbsfähige Energiepreise, der Abbau von Bürokratie und konsequente Investitionen in die Sicherheit. Gleichzeitig braucht Europa offene Märkte, weitere Freihandelsabkommen und neue strategische Partnerschaften, wie etwa mit Kanada angestrebt. Dies kann dazu beitragen, die Diversifizierung zu erhöhen und neue Perspektiven für europäische Unternehmen zu eröffnen. “Europa braucht nicht mehr Barrieren, sondern mehr Wettbewerbsfähigkeit”, fasst Marchiodi zusammen.

Bezirk: Bozen

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