Engl tritt als CEO zurück, Rainer übernimmt das Management

Führungswechsel in der Oberalp-Gruppe mit Oktober

Montag, 21. September 2026 | 15:35 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Mit 1. Oktober übernimmt der Bozner Stefan Rainer das Management der Oberalp Gruppe als CEO. Er tritt damit die Nachfolge von Christoph Engl an, der seit 2018 an der Spitze des Führungsteams des international ausgerichteten Markenhauses für Bergsport mit Sitz in Bozen stand. „Der Berg und die beste Ausrüstung dafür werden weiterhin im Mittelpunkt unserer Idee bleiben, Outdoor-Fans der Welt für ein anhaltendes Bergerlebnis zu befähigen“, sagt Stefan Rainer, der auch Mitglied der Bergrettung Südtirols mit allen Qualifikationen dafür ist. „Aber der Berg verändert sich in der Wahrnehmung rasant“, sagt Rainer. „Es geht weniger um Eroberung und Gipfelsiege, sondern mehr um die sinnvolle Bewegung in einer alpinen Umgebung.“ Deshalb investiert die Oberalp-Gruppe auch in Kletterhallen und verhilft ambitionierten Sportmarken, auch aus anderen Kontinenten, zu einem Markenstatus in Europa. Vor wenigen Monaten wurde die amerikanische Marke Diadem und die schweizerische Marke Blackroll in dieses Marken-Entwicklungs-Portfolio aufgenommen. Derzeit managt die Oberalp-Gruppe 18 Marken, davon sind sieben im Eigentum.

Christoph Engl tritt von seiner Verantwortung als CEO zurück, „aber nicht von der Passion für den Bergsport und die Markenentwicklung, die in meiner DNA liegen und bleiben“, sagt er von sich. Die Oberalp-Gruppe habe sich in den letzten Jahren zu einer Referenz im Bereich des Bergsports entwickelt, „weil wir uns mutig auf dieses Nischenthema konzentriert haben und der Versuchung, uns breiter im Outdoor-Segment aufzustellen, widerstanden haben.“ Das Unternehmen, das im Eigentum der Familie Oberrauch ist und verbleibt, hat neue Trends des Bergsports und die Bedürfnisse neuer Communities aufgegriffen und in Lösungen übersetzt. Mit LaMunt wurde die erste Bergsportmarke für selbstbestimmte Frauen am Berg lanciert. Durch das Engagement im Bereich Kletterhallen die zunehmende Urbanisierung des Kletterns als Geschäftsfeld etabliert. Über 300 Millionen Umsatz und ein durchschnittliches Wachstum des Geschäftsergebnisses von sieben Prozent in den letzten fünf Jahren sind der Beweis für die unternehmerische Grundidee eines Familienunternehmens: Organisch langsam zu wachsen, ist nachhaltiger, als dem Auf und Ab einer Börsenlogik zu folgen. „Es war eine große Hilfe, wenn man als CEO von den Eigentümern nicht zu dauerhaft hohen Steigerungsraten angehalten wird“, sagt Christoph Engl rückblickend auf seine CEO-Zeit in der Oberalp.

„Ich übernehme ein Markenhaus, das in eine neue Welt zu führen ist“, sagt der 42-Jährige Stefan Rainer mit Blick auf die Herausforderung einer unruhigen Wirtschafts- und Weltlage. Obwohl der Outdoor-Markt weltweit wachse und immer mehr Menschen Bewegung im Außenbereich als sinnvolle Freizeitbeschäftigung entdecken, bleibt das Marktumfeld der Sportbranche nach dem Boom der Covid-Jahre schwierig. „Wir stellen uns darauf ein, dass viele kleinere Händler in der Zukunft aus dem Markt ausscheiden, die über Jahrzehnte großartige Kunden waren“, blickt Rainer in die Zukunft.

Diesem Trend werde die Oberalp-Gruppe das eigene Retail-System mit über 120 Geschäften in Europa und sechs Online-Verkaufsseiten entgegensetzen. „Unsere Marken werden für einen internationalen Vertrieb ausgerichtet – weil die Sehnsucht nach Bergen, nach Wandern, Trail-Running, Klettern und Abenteuer nicht an den Alpen endet“, sagt Rainer. Dies brauche allerdings die Fähigkeit, verschiedene Kulturen und Verhaltensweisen gut zu verstehen und in die Produkte der Marken zu übersetzen. „Das Versprechen bleibt für alle unsere Kunden und Marken-Fans: Was unsere Lager in Richtung Kundenerlebnis verlässt, ist garantiert für den Gebrauch am Berg konzipiert, getestet, produziert und garantiert“, erläutert Rainer seine Geschäftsausrichtung. Erfolg werde in der Zukunft von der Fähigkeit geprägt sein, sich schnell und intelligent an Veränderungen der Umstände anzupassen.

„Nicht mehr die Unternehmensgröße entscheidet über deine Relevanz in der Gesellschaft, sondern die beste Produkt- und Service-Lösung für deine Kunden und Fans“, zeigt sich der neue CEO der Oberalp-Gruppe überzeugt und verweist auf die Kraft der sozialen Medien. Dort würden Marken und Produkte in Echtzeit von echten Fans und Influencern auf Herz und Nieren geprüft – „und damit hast du als Unternehmen gar keine Zeit, mit großen Marketingkampagnen deine Produkte in den Markt zu bringen.“ Marken seien Anker des Vertrauens und dieser Wahrheit sei die Oberalp-Gruppe auch in der Zukunft verpflichtet.

Stefan Rainer ist seit über 20 Jahren im Unternehmen und hat beinahe alle Unternehmensbereiche, von Marketing bis zum Produktmanagement, in verschiedenen Verantwortungsstufen durchlaufen. Zuletzt war er als CSO für sechs Jahre an der Spitze der Vertriebsleitung. Christoph Engl wird zum 1. Januar 2027 dem Unternehmen als „Senior Advisor“ für die Geschäftsführung weiterhin zur Verfügung stehen und sich um spezielle Projekte der Oberalp-Gruppe kümmern, so zum Beispiel um den gesamten Bereich der internationalen Lizenzen der Oberalp-Marken in Asien.

Bezirk: Bozen

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