Von: importer
Die neuen Hervis-Eigentümer drehen weiter an der Kostenschraube. Nach dem Marken-Umbau sollen noch über 20 Standorte schließen. Bis Ende 2027 werde die Zahl der Filialen hierzulande auf 50 bis 55 sinken, sagte Firmenchef Markus Hupach bei der Präsentation der neuen Firmenstrategie vor Journalisten. Im Juni gab man bereits bekannt, dass 17 von 93 Standorten bis Ende 2026 zusperren. Mit neuer App und neuem Webshop will der Sporthändler nun eine jüngere Kundschaft ansprechen.
Bis wann Hervis die Verlustzone verlassen will, ließ man offen. Am Mittwochabend präsentierte Österreichs drittgrößter Sporthändler in Wien sein neues Logo und die Strategie “HERVIS 4.0” mit dem Markenclaim “WE : SPORTS”. “Die Zukunft des Sporthandels entscheidet sich nicht im Regal, sondern in der Community”, sagte der Hervis-Chef. Hupach will vermehrt die sogenannte “Generation Z” (Jahrgang 1995 bis 2010) in die Filialen locken und das Angebot an Premiummarken sowie die Kundenberatung ausbauen. Das Eigenmarkengeschäft unter anderem mit Kilimanjaro und Benger bleibe aber auch wichtig.
Hervis-Chef: Schnäppchenjäger nicht mehr Zielgruppe
Eine wichtige Kundengruppe sind für den Hervis-CEO weiterhin “performanceorientierte” Sportlerinnen und Sportler, Familien und Touristen. Schnäppchenjäger sieht der Hervis-Chef nicht mehr als Zielgruppe. Der Sporthändler will sich auf die Bereiche Fahrrad, Ski, “Running und Trail”, Outdoor, Fitness und Training, Teamsport, Tennis und Padel sowie Lifestyle fokussieren. An 15 Standorten betreibt Hervis im Winter einen gut laufenden Skiverleih. Diesen Bereich will Hupach ausbauen. Auch Produkte und Angebote rund um Regeneration, Langlebigkeit und Nahrungsergänzungsmittel will man anbieten. Mit dem Salzburger Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller Biogena ist eine Zusammenarbeit geplant.
Der Salzburger Handelskonzern Spar hatte sich Ende Jänner nach mehr als 50 Jahren von seiner Sporthandelstochter getrennt und das defizitäre Unternehmen an die deutschen Investoren Sven Voth und Udo Schloemer abgegeben. Das Hervis-Auslandsgeschäft wurde verkauft. In den Jahren 2023 und 2024 hatte die Sporthandelskette mit damals noch über 100 Filialen in Österreich und 130 Standorten im Ausland bereits eine Neuausrichtung versucht. Die Restrukturierung und der Lagerabbau führten in diesen beiden Jahren zu Verlusten von über 100 Mio. Euro. Schon damals wollte man bei Hervis weg vom reinen Preis- und Rabattkampf führen. Hervis schmälerte das Jahresergebnis 2025 der Spar Holding AG um 184,7 Mio. Euro, berichtete kürzlich das Wirtschaftsmagazin “Trend”.
Keine Angaben zu Investitionsvolumen
Wie viel Geld die neuen Eigentümer für die Neuausrichtung in die Hand nehmen wollen, bezifferte der Hervis-Chef nicht. Für 2027 plant die Sporthandelskette die Eröffnung eines Flagship-Stores im Europark Salzburg, in dem das neue Markenkonzept präsentiert werden soll. Dies sei “ein großes Investment”. Für die anderen Filialen sei derzeit “ein Soft-Relaunch” vorgesehen. Der neue Hervis-Eigentümer Voth hat Expertise im Schuhgeschäft. Er baute die Streetwear- und Sneaker-Kette Snipes zu einem Milliardenkonzern auf und verkaufte sie dann an die Deichmann-Gruppe.
Der Online-Umsatzanteil von Hervis liegt derzeit noch im niedrigen einstelligen Bereich. Im kommenden Jahr wolle man einen zweistelligen Anteil erreichen, so der Firmenchef. Die neue Hervis-App bietet neben Einkaufsmöglichkeiten einen persönlichen digitalen Coach, sportartspezifische Communities sowie Informationen zu Veranstaltungen und Sportaktivitäten in der Umgebung.
Intersport und Sport 2000 die größten Händler, Hervis auf Platz 3
Die großen Sporthändler kämpfen hart um Marktanteile, kleinere Fachhändler versuchen mit einem Service-Schwerpunkt dem Preiskampf etwas entgegenzusetzen. Die Branche befindet sich seit über 15 Jahren im Umbruch: Der britische Diskonter Sports Direct übernahm 2013 den kriselnden Sporthändler Sport Eybl/Sports Experts. Anstatt Expansion wurden zahlreiche Filialen in Österreich geschlossen. Die Coronapandemie brachte den Sporthändlern einen Sonderumsatz-Boom in den Jahren 2020 und 2021. Die Konsumzurückhaltung in den Rekordinflation-Jahren 2022 und 2023 sowie die entstandenen Lagerüberkapazitäten brachten die Branche dann in starke Bedrängnis.
Im Sportartikelhandel dominieren seit Jahren die Sporthändler-Verbünde Intersport und Sport 2000/Zentrasport mit einem Marktanteil von zuletzt 29 Prozent bzw. 28 Prozent. Der Österreich-Umsatz von Intersport stieg 2025/26 um 6 Prozent auf 690 Mio. Euro. Auf Hervis entfiel zu Jahresbeginn laut Regiodata ein Marktanteil von 13 Prozent. Kein anderer Sporthändler erreicht über 10 Prozent Marktanteil. Die österreichische Outdoor-Marke Northland stellte Anfang 2023 ihren gesamten Geschäftsbetrieb ein und schloss alle Filialen. Nach Verlusten beendete der norwegische Sporthändler XXL Sports Ende 2023 nach sieben Jahren sein Österreich-Abenteuer.
Regiodata: Sportfachhandel in “deutlicher Konsolidierungsphase”
Der französische Sportartikel-Diskonter Decathlon eröffnete 2018 seine erste Österreich-Filiale in der SCS Vösendorf und erhöhte seitdem seine Filialanzahl langsam auf sieben Standorte. Am 16. Oktober eröffnet der französische Händler seinen achten Standort in Innsbruck. Über die Jahre summierte sich bei Decathlon Österreich bis Ende 2024 ein Bilanzverlust von 22 Mio. Euro. Der Tiroler Online-Sporthändler SportOkay.com konnte in den vergangenen Jahren deutlich wachsen und meldete zuletzt einen Jahresumsatz von 41 Mio. Euro.
“Der österreichische Sportfachhandel befindet sich seit einigen Jahren in einer deutlichen Konsolidierungsphase”, hieß es vom Marktforscher Regiodata zur APA. Während die Umsätze zwischen 2021 und 2025 nominell um rund 12 Prozent gestiegen seien, verzeichne die Branche gleichzeitig “einen deutlichen Rückgang” der Verkaufsflächen, der vor allem auf Marktaustritte und Filialschließungen zurückzuführen sei. Die Neuordnung der Wettbewerbsverhältnisse werde die Branche in den kommenden Jahren “weiter prägen”. Manche Sporthändler würden “die entstehenden Chancen zur Expansion und Stärkung ihrer Marktposition” nutzen, so die Einschätzung von Regiodata.




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