Von: Sophia Molitor
Bozen – Die Lebenshaltungskosten bleiben für viele Menschen in Südtirol eine spürbare Belastung. Im August 2026 lag die Inflation in Bozen bei 3,4 Prozent. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Treibstoffpreise im zweiten Quartal deutlich gestiegen – beim Diesel sogar um 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für Familien, Pendlerinnen und Pendler, Seniorinnen und Senioren sowie viele Betriebe bedeutet das zusätzlichen Druck auf die Haushaltsbudgets.
„Es braucht deshalb jetzt ein Entlastungspaket. Die Menschen können nicht darauf warten, dass sich die Situation irgendwann von selbst verbessert”, fordert SVP-Landtagabgeordnete Waltraud Deeg, ehemalige Landeshauptmann-Stellvertreterin und Soziallandesrätin. „Südtirol verfügt bereits über wichtige Instrumente. Jetzt müssen wir sie gezielt einsetzen und dort verstärken, wo die Belastung besonders hoch ist.”
Entlastung muss konkret und zielgerichtet sein
Auf staatlicher Ebene ist für 2027 eine Aussetzung der Kraftfahrzeugsteuer für bestimmte Fahrzeuge vorgesehen. Auch auf Landesebene bieten die angekündigten steuerlichen Entlastungen im Rahmen des Landeshaushalts 2027 die Möglichkeit, die Kaufkraft der Menschen konkret ein Wenig zu stützen.
„Wenn der finanzielle Spielraum vorhanden ist, muss ein wesentlicher Teil davon bei jenen ankommen, die derzeit besonders unter den hohen Lebenshaltungskosten leiden”, so Deeg.
Auch bei der IRAP müsse der Grundsatz gelten: Entlastung ja, aber zielgerichtet. Die bereits beschlossene Regelung sieht für Unternehmen, die Zusatzkollektivverträge oder Betriebsabkommen mit zusätzlichen finanziellen Leistungen für Beschäftigte anwenden, eine Reduzierung des IRAP-Satzes von 3,9 auf 2,68 Prozent vor.
„Eine pauschale Steuerentlastung nach dem Gießkannenprinzip halte ich angesichts der aktuellen Situation nicht für ausreichend. Entlastungen sollten möglichst dort ankommen, wo Unternehmen bereit sind, ihre Beschäftigten besser zu bezahlen”, betont Deeg. Gerade in einem Land mit hohen Wohn-, Energie- und Lebenshaltungskosten müsse darauf geachtet werden, dass die Löhne mit der Preisentwicklung Schritt halten.
Wohnnebenkostenbeitrag gezielt stärken
Ein wichtiges Instrument liegt bereits in der Zuständigkeit des Landes: der Beitrag für Miete und Wohnungsnebenkosten. Er unterstützt Haushalte bei laufenden Kosten wie Strom, Heizung und Wasser und kann von Mieterinnen und Mietern ebenso wie von Eigentümerinnen und Eigentümern in Anspruch genommen werden. Für bestimmte Seniorinnen und Senioren gibt es einen erhöhten Beitrag.
Wie rasch das Land reagieren kann, habe sich während der Energiepreiskrise 2023 gezeigt. Damals wurden die Beiträge für bestehende Bezieherinnen und Bezieher um rund 30 Prozent erhöht und automatisch ausbezahlt.
„Dieses Instrument hat sich bewährt. Deshalb sollte angesichts der aktuellen Preisentwicklung geprüft werden, ob eine neuerliche befristete Aufstockung möglich ist – möglichst unbürokratisch und automatisch für jene Haushalte, die die Voraussetzungen bereits erfüllen”, so Deeg.
Familien und Senioren gezielt unterstützen
Besonderes Augenmerk müsse auf Familien mit Kindern und Menschen mit niedrigen Pensionen gelegt werden. Steigende Wohn-, Energie-, Mobilitäts- und Lebensmittelkosten treffen diese Haushalte besonders stark.
Bei den Seniorinnen und Senioren gelte es, die bestehende Unterstützungsleistung 65+ weiterzuentwickeln. Für 2027 sind bereits Anpassungen vorgesehen, unter anderem eine neue Staffelung der Beträge und Verbesserungen für Haushalte mit mehreren Personen über 65 Jahren.
Entlastung für die breite Mitte
Für Deeg geht es dabei ausdrücklich nicht nur um klassische Sozialleistungen: „Wir müssen die breite Mitte unserer Gesellschaft im Blick behalten: Familien, die trotz Arbeit kaum noch finanziellen Spielraum haben, Seniorinnen und Senioren mit kleinen Pensionen, Pendlerinnen und Pendler sowie den Mittelstand, der durch Energie-, Treibstoff- und Wohnkosten zunehmend unter Druck gerät.”
Dazu brauche es ein Bündel aus kurzfristigen und strukturellen Maßnahmen:
- steuerliche Entlastung der Einkommen im Rahmen des Landeshaushalts 2027;
- gezielte Weiterentwicklung der IRAP-Entlastung, gekoppelt an höhere Löhne und Zusatzleistungen für Beschäftigte;
- befristete Aufstockung des Beitrags für Wohnungsnebenkosten bei starken Energiepreissteigerungen;
- weitere Verbesserungen bei der Unterstützung für Seniorinnen und Senioren mit kleinen Einkommen;
- gezielte Entlastungen für Familien mit Kindern;
- laufende Beobachtung der Preisentwicklung bei Energie und Mobilität, damit das Land bei neuerlichen Preisschocks rasch reagieren kann.
Für die Landtagsabgeordnete verfügt Südtirol über die finanziellen und autonomen Möglichkeiten, um gezielt gegenzusteuern: „Jetzt geht es darum, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Entlastung darf kein Schlagwort sein – sie muss bei den Menschen in der Geldbörse ankommen.”
Deeg abschließend: „Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Südtirol in Krisenzeiten rasch und gezielt helfen kann. Genau diese Handlungsfähigkeit braucht es jetzt wieder.




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