Initiative der Gemeinde wird begrüßt

Leerstände in Bozen: hds warnt vor “falschem Signal”

Freitag, 25. September 2026 | 12:21 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Der Wirtschaftsverband hds begrüßt grundsätzlich, dass sich die Gemeinde Bozen nun verstärkt mit dem Thema leerstehender Geschäftslokale und deren Auswirkungen auf das Stadtbild auseinandersetzt. Das Thema beschäftigt den Wirtschaftsverband bereits seit längerer Zeit und wurde wiederholt gegenüber der Stadtverwaltung als wichtige Herausforderung für die Entwicklung der Innenstadt angesprochen.

„Dass die Gemeinde das Problem der Leerstände ernst nimmt und nun aktiv wird, ist grundsätzlich positiv. Leerstehende und ungepflegte Schaufenster sind weder für das Stadtbild noch für die Attraktivität einer Einkaufsstadt förderlich“, erklärt der hds-Bezirkspräsident von Bozen Stadt, Thomas Rizzolli.

Kritisch sieht Rizzolli allerdings, dass eine Maßnahme, die eigentlich der Verschönerung und Aufwertung der Stadt dienen soll, unmittelbar mit möglichen Sanktionen und Strafen verbunden wird. „Wir sollten nicht vergessen, dass der Eigentümer eines leerstehenden Geschäftslokals in aller Regel bereits einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden trägt. Wenn ein Geschäft nicht mehr vermietet werden kann, fehlen Mieteinnahmen, während Kosten und Verpflichtungen weiterlaufen. Der Strukturwandel im Handel und insbesondere der massive Bedeutungszuwachs des Onlinehandels durch Amazon und andere Plattformen haben die Rahmenbedingungen für den stationären Handel grundlegend verändert. In dieser Situation sollte unser erster Ansatz nicht die Bestrafung, sondern die Zusammenarbeit mit den Eigentümern sein“, so Rizzolli.

Werbung auf Leerständen als Teil der Lösung

Der hds hätte sich deshalb ein Modell vorstellen können, bei dem Eigentümer leerstehender Geschäftslokale ihre Schaufenster für qualitativ hochwertige und klar geregelte Werbe- oder Informationsflächen zur Verfügung stellen dürfen. „Man hätte beispielsweise gemeinsam mit der Gemeinde ein kleines Gremium schaffen können, das solche Gestaltungen vorab freigibt. Damit wäre sichergestellt, dass die Werbung hochwertig ist, sich in das Stadtbild einfügt und keine gestalterischen Auswüchse entstehen“, erklärt Rizzolli.

Ein solches Modell könnte nach Ansicht des hds mehrere Ziele miteinander verbinden: Das Erscheinungsbild leerstehender Lokale würde verbessert, gleichzeitig könnten Eigentümer zumindest eine begrenzte Einnahme erzielen und die Stadt hätte über klare Gestaltungsrichtlinien weiterhin Einfluss auf die Qualität des öffentlichen Erscheinungsbildes. „Damit hätten wir eine klassische Win-win-Situation schaffen können: ein attraktiveres Stadtbild, klare Qualitätsstandards und gleichzeitig eine kleine wirtschaftliche Kompensation für jene Eigentümer, die bereits unter dem Leerstand leiden.“

Entscheidend ist, Leerstände wieder mit Leben zu füllen

Die Gestaltung leerstehender Schaufenster könne jedoch nur eine Zwischenlösung sein. Das eigentliche Ziel müsse darin bestehen, leerstehende Geschäftslokale möglichst rasch wieder einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen. Hier sieht der hds insbesondere bei Pop-up-Stores, temporären Verkaufskonzepten und jungen Unternehmerinnen und Unternehmern erhebliches Potenzial. Dafür müssten jedoch die administrativen Hürden deutlich reduziert werden.

„Wer ein Geschäft vielleicht nur für zwei oder drei Monate ausprobieren möchte, darf nicht mit annähernd denselben bürokratischen Anforderungen konfrontiert werden wie jemand, der einen dauerhaften Betrieb eröffnet. Gerade für Newcomer und Neueinsteiger sind Aufwand, Zeit und Kosten bis zur tatsächlichen Eröffnung oftmals erheblich. Damit nehmen wir vielen eine gute Geschäftsidee und die Freude am Unternehmertum, bevor sie überhaupt beginnen können“, betont Rizzolli.

Der hds spricht sich deshalb dafür aus, gemeinsam mit der Gemeinde vereinfachte und beschleunigte Verfahren für temporäre Nutzungen zu prüfen. „Unser gemeinsames Ziel sollte nicht sein, Leerstände schöner zu verdecken, sondern sie wieder zu öffnen. Dafür brauchen wir weniger Bürokratie, einfachere Verfahren und Rahmenbedingungen, die es jungen Unternehmern und neuen Konzepten ermöglichen, sich in Bozen auszuprobieren. Wenn wir gleichzeitig Eigentümer, Wirtschaft und Gemeinde an einen Tisch bringen, können wir aus einem Problem eine Chance für die Stadtentwicklung machen“, so Rizzolli abschließend.

Bezirk: Bozen

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